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Dank App: Kloster Eldena in alter Pracht

Dank App: Kloster Eldena in alter Pracht

Mit einer neu entwickelten Software für das Smartphone oder den Tablet-Computer kann die heutige Ruine in ihren historischen Dimensionen besichtigt werden

Greifswald. Als Thomas Michel 2013 in den Ruinen von Agrigent stand, fand er sich verloren zwischen den Überresten der antiken sizilianischen Stadt. „Dort gab es nicht einmal Schautafeln. Man wusste kaum, welche Gebäude sich hier einst befunden hatten. Ich wünschte mir eine Möglichkeit, die verwitterten Steine wieder zum Leben zu erwecken“, sagt Michel. Dieses Erlebnis brachte den Architekten auf die Idee, genau das zu tun: Mit Hilfe einer selbst entwickelten App macht er sichtbar, was der Zahn der Zeit zerstört hat. Hierbei besann sich der 39-Jährige auf seine Greifswalder Heimat.

Zumindest virtuell kann das Kloster Eldena nun in seiner ganzen mittelalterlichen Größe bestaunt werden. Michel erstellte das 3D-Modell selbst, die Programmierung übernahm ein indisches Entwicklerstudio. Das Besondere daran: Steht man an bestimmten Punkten des Geländes, sieht man auf dem Tablet-Computer oder Smartphone, wie die heutigen Ruinen zu früheren Zeiten aussahen. Mit einer Drehung des Bildschirms ergibt sich so eine 360-Grad-Ansicht des Gebäudekomplexes. Gleichzeitig können Hintergrundinformationen zur Geschichte des Klosters auf Deutsch und Englisch abgerufen werden und sind auch in beiden Sprachen vertont.

Dies wurde ermöglicht durch ein Geschichtsprojekt der Greifswalder Montessorischule. Vier Wochen lang lasen sich Schüler der siebten Klassenstufe durch wissenschaftliche Aufsätze, verfassten und übersetzten die Begleittexte, sprachen sie ein. „Ich bin stolz darauf, was die Kinder in der kurzen Zeit geschafft haben“, sagt Schulprojektleiterin Manja Olschowski (34). „Es war für alle Beteiligten ein hartes Stück Arbeit, aber wir können mit dem Ergebnis sehr zufrieden sein.“ Schulleiter Nils Kleemann ergänzt: „Der eigene Bezug zum Thema ist für die Schüler großartig. Hier geht es nicht um ferne Orte aus Lehrbüchern, sondern um die Geschichte ihrer eigenen Heimatstadt.“

Für ihre Promotion beschäftigte sich Olschowski bereits im Vorfeld mit Zisterzienserklöstern und stellte den Schülern ihre eigene Doktorarbeit zur Verfügung. Die Aufsätze des Greifswalder Kunsthistorikers Kurt Feltkamp stellten eine weitere wichtige Informationsquelle dar. Zur ersten Präsentation der App durften auch die Eltern einen Blick auf die Arbeit ihrer Kinder werfen. Anja Bernhardt (43), Mutter der 13-jährigen Alina, zeigte sich begeistert: „Das Programm funktioniert visuell und ist interaktiv. Genau so etwas hätten wir uns im letzten Frankreichurlaub gewünscht.“ Noch ist die Anwendung im Stadium eines Prototypen. Anfang September soll sie dann im Google Play Store und Apple App Store für alle Plattformen verfügbar sein. Für die Zukunft ist eine Erweiterung um die verschiedenen Wirtschaftsgebäude des Klosters sowie eine Überarbeitung der Grafik denkbar. Außerdem könnte das Konzept auf diverse historische Stätten angewendet werden. Das brandenburgische Kloster Chorin bekundete schon sein Interesse. Michel, der bisher alles aus eigener Tasche finanzierte, sucht nun nach Sponsoren. Er hofft auf Unterstützung durch die Stadt Greifswald. Besonders Markierungen am Boden des Klostergeländes wären hilfreich, um die Fixpunkte der App kenntlich zu machen.

Philipp Baranyai

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