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Greifswald Das Ehrenamt im Aufwind: Viele Menschen machen mit
Vorpommern Greifswald Das Ehrenamt im Aufwind: Viele Menschen machen mit
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00:20 29.02.2016
Lusia Arsamakowa, Valentina Patschin, Natalja Razzorenov und Anette Broszat, v.l., engagieren sich im Anklamer Freiwilligenzentrum. Quelle: Sven Jeske

Greifswald. Helfen kann so einfach sein: An jedem zweiten und vierten Mittwoch im Monat kommen Frauen in Greifswald zusammen und stricken. „Wir sind 10, auch schon mal 15“, schildert Kathrin Schröder, mit ihren 38 Jahren die jüngste im Bunde. Die Sachen, die sie und die anderen Frauen anfertigen, landen früher oder später in Südafrika. Dort verteilt man sie an Kinder aus ärmlichen Verhältnissen.

„Drei-, viermal im Jahr gehen Pakete auf die Reise“, weiß Monika Meyer-Klette, Mitarbeiterin des Bürgerhafens, einer Ehrenamtsinitiative des Pommerschen Diakonievereins. Inzwischen griffen Frauen für Afrika auch andernorts zu Wolle und Nadeln. „Das hat sich ausgebreitet. Bis nach Loitz“, merkt Meyer-Klette nicht ohne Stolz an. Kathrin Schröder strickt seit nunmehr sieben Jahren. Langweilig sei es ihr nie geworden, beteuert sie. „Man trifft einander und hat sich etwas zu erzählen.“

Das Stricken ist eines unter vielen Mitmachangeboten des Bürgerhafens. Die vor neun Jahren ins Leben gerufene Bewegung hat dem Ehrenamt über Greifswalds Grenzen hinaus neuen Auftrieb gegeben. Mit ihrer Hilfe wurden bis heute 78 sogenannte Seniortrainer ausgebildet. Erfahrene Ruheständler zumeist, die ihr Wissen und Können in den Dienst anderer stellen. Sie bieten älteren Mitmenschen Kurse im Umgang mit dem Computer, dem Notebook, dem Tablet oder Smartphone an, ermuntern sie zu Bewegung und Sport, organisieren Spielenachmittage, gemeinsame Ausflüge und vermitteln Patenschaften.

Auch in Anklam ist das Ehrenamt im Aufwind. Unter dem Dach der Caritas hat sich hier ein Freiwilligenzentrum etabliert. „Wir vermitteln Leute, die ihre Erfahrungen weitergeben und mit anderen zusammen sein möchten“, sagt Leiterin Anette Broszat. Monatlich biete das Zentrum ein Programm an. Es reiche vom Nähkurs über die kleine Töpferwerkstatt bis hin zum Deutschunterricht für Asylbewerber. Als Broszat im Jahr 2013 anheuerte, zählte sie 30 aktive Mitstreiter. „Jetzt wir 59“, berichtet sie. „Es gibt so viele Menschen, die Zeit sinnvoll verschenken wollen und das sind beileibe nicht alles Ruheständler. Wir haben auch 14 junge Leute, die sich in einer Schülerhilfe engagieren.“ Das neueste Vorhaben des Freiwilligenzentrums in Anklam gilt Flüchtlingsfrauen aus dem arabischen Raum. „Viele von ihnen können nicht Fahrrad fahren. In ihren Heimatländern war es ihnen schlichtweg untersagt. Wir möchten ihnen das Radfahren beibringen, damit sie erfahren, dass sie das in Deutschland dürfen und damit sie beweglicher werden.“

„Sich Engagieren — Etwas Bewegen“ — das war das Motto einer Ehrenamtsmesse am Wochenende in Greifswald. Im Pommerschen Landesmuseum präsentierten sich fast 30 Initiativen, Vereine und Organisationen.

Nicht jede ist ein Selbstläufer. Gerold Ahrens aus Stralsund vertrat den Landesverband der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew. Er warb für die Gründung einer Selbsthilfegruppe in Greifswald. Bis heute sei es nicht gelungen, jemanden zu finden, der eine solche ins Leben ruft. Und das, obgleich etwa ein Prozent der Bevölkerung an Morbus Bechterew, einer chronischen rheumatischen Erkrankung, leide. „Das Problem ist wohl, das kein Krankheitsfall dem anderen gleicht“, schwant Ahrens. Dennoch wäre eine ehrenamtliche Selbsthilfegruppe nützlich, um einander beizustehen.

Ehrung fürs Ehrenamt

Laut einer Erhebung des Instituts für Demoskopie (Meinungsforschung) Allensbach gab es im Jahr 2014 deutschlandweit rund 12,9 Millionen Menschen, die ein Ehrenamt hatten bzw.

unentgeltlich in einer Bürgerinitiative, einem Sportverein, einer sozialen Organisation oder Ähnlichem tätig waren. Schwerpunkte ehrenamtlicher Tätigkeit sind die Bereiche Kinder und Jugend, Lokales und Kirche. Sowohl die Hansestadt Greifswald als auch der Landkreis Vorpommern-Greifswald würdigen ehrenamtlichen Einsatz. Greifswald vergibt einmal jährlich den „Silbernen Greifen“. Der Kreis zeichnet Ehrenamtler mit Vergünstigungen in öffentlichen Einrichtungen aus.



Sven Jeske

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