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Greifswald Das Gedächtnis der pommerschen Landeskirche
Vorpommern Greifswald Das Gedächtnis der pommerschen Landeskirche
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00:00 17.04.2013
Auch Siegelstempel werden im Archiv aufbewahrt. Quelle: Archiv
Greifswald

Landesarchiv, Stadtarchiv, Universitätsarchiv, und das Landeskirchliche Archiv. Die Universitäts- und Hansestadt ist ein Zentrum des Archivwesens in Mecklenburg-Vorpommern. Zu den genannten Einrichtungen kommen Spezialsammlungen wie die Bibliothek des Greifswalder Geistlichen Ministeriums (ein historisches Archiv im Dom) und das Wolfgang-Koeppen-Archiv in der Bahnhofstraße.

Im Bischofshaus in der Rudolf-Petershagen-Allee 3 werden fast ausschließlich Bestände aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg aufbewahrt. „Kirchenbücher aus Hinterpommern waren 1946 bei der Bildung des Konsistoriums der Grundstock des Provinzialkirchenarchivs“, erzählt Ulrike Reinfeldt. Sie leitet als Einzelkämpferin die Einrichtung.

Der größte Teil früherer Bestände wurde im Zweiten Weltkrieg mit dem Gebäude des Konsistoriums in Stettin, damals Sitz des pommerschen Generalsuperintendenten (soviel wie Regionalbischof), zerstört.

Aus der Provinzialkirche wurde nach dem Krieg eine Landeskirche mit einem Bischof. Gerettete Stettiner Altbestände gelangten über Pyritz und Altentreptow nach Greifswald. Nach der Kirchenfusion 2012 heißt die Einrichtung Landeskirchliches Archiv Greifswald der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.

„Unser ältestes Kirchenbuch von 1618 stammt aus Wangerin im Kirchenkreis Gollnow“, erzählt Reinfeldt. Allerdings erzählten auch Kirchenbücher aus der Zeit nach 1945 interessante Geschichten. „Bis in die 1950er Jahre gab es in Hinterpommern noch evangelische Gemeinden Deutscher“, erzählt Reinfeldt. Mit Genehmigung durften auch kirchliche Amtshandlungen vollzogen werden. Das zeigt ein Kirchenbuch aus Seeger (Zegrze Pomorskie) im Kreis Köslin (Koszalin), das 1951 begonnen und 1957 geschlossen wurde. Erschütternde Geschichten stehen hinter den Eintragungen in das Swinemünder Sterbebuch 1944 bis 1946: Mädchen vom Dampfer „Schaumburg“,   Findelkind vom Waldfriedhof. Eine ganze Seite solcher Kinderschicksale 1945 ist in dem Buch zu finden. Auch russische Kriegsgefangene sind verzeichnet. Nach dem Bombenangriff vom 12. März 1945 vermerkte der Schreiber „Terrorangriff“ als Todesursache. Am 4. Mai war der Krieg für die Stadt zu Ende. Nun heißt es häufig „Selbstmord“ als Todesursache und auch „von Russen erschossen“. Alles wurde mit gleicher Akribie vermerkt.

Die in den Akten genannten Namen sind ein wichtiger Grund, das Archiv zu besuchen. „Familienforschung macht rund 80 Prozent der Anfragen aus“, erzählt Reinfeldt. Sogar aus Thailand, Brasilien und Australien kamen schon Menschen auf der Suche nach ihren Ahnen hierher.

Auch für Wissenschaftler sind die Bestände interessant. „Es arbeitet schon jemand an einer Dissertation über die Bildung der Nordkirche“, berichtet Reinfeldt.

Etwa 700 Meter Akten befinden sich im Archiv. „Platz haben wir nur noch ganz wenig. Eigentlich sind wir dicht“, sagt Reinfeldt. Aber es komme nach der Kirchenfusion nicht mehr viel zum jetzigen Bestand hinzu, vor allem werden das Akten der Bischofskanzlei und Bauakten sein.

Kirchenarchive
Kirchengemeinden und der 2012 gegründete Pommersche Evangelische Kirchenkreis in der Nordkirche haben eigene Archive.

Im Bischofshaus werden neben Akten der Kirchenleitung und Synoden unter anderem auch Nachlässe, Fotografien, 360 Kirchenbücher sowie einzelne Kirchenarchive verwahrt.

Geöffnet hat das Archiv für Benutzer: Donnerstag 8 bis 12 und 13 bis 17 Uhr sowie Freitag 8 bis 12 und 13 bis 16 Uhr. Anmeldung erforderlich.

www.pommersches-kirchenarchiv.de


Eckhard Oberdörfer

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