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Greifswald Das hat der Senat vor
Vorpommern Greifswald Das hat der Senat vor
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00:00 09.02.2018
Greifswald

Das Personalkarussell an der Universität drehte sich im Januar, als Professoren, Studierende und Mitarbeiter für den neuen Senat gewählt wurden. Im April nimmt das Gremium, das sich aus je zwölf Professoren, Studierenden und Uni-Mitarbeitern zusammensetzt, seine Arbeit auf. Doch was haben die neuen und wiedergewählten Mitglieder vor? Die OZ hat nachgefragt.

Neue und wiedergewählte Mitglieder sprechen über ihre Ziele und Motivation

Zwei Senatoren wollen den Uninamen zurück

Jüngst war der Senat in den Schlagzeilen, weil er sich für einen Kompromiss in der Arndt-Debatte entschied: Der Name wird abgelegt, wer will, könne ihn aber weiter verwenden. Auf Pro-Arndt-Listen kandidierten Befürworter des Namenspatronats. Insgesamt fünf Sitze gewannen sie, zwei davon in der Gruppe der Studierenden. Die Entscheidung des Senats zur Ablegung des Namens aus dem Januar werde man nicht akzeptieren, sagt Fabian Rene Fischer, erster Stellvertreter der gewählten Senatoren. Wie es weitergeht, entscheidet sich zunächst im Schweriner Bildungsministerium, das die Rechtmäßigkeit des Beschlusses bestätigen muss. „Für den Fall einer Ministeriumsgenehmigung aus Schwerin werden wir einen Antrag auf Wiederaufnahme des Namens Arndt stellen. Hierfür werden wir dann zu gegebener Zeit mit den anderen Pro-Arndt-Senatoren in Verbindung treten“, kündigt Fischer an.

Und was sind die weiteren Ziele der Pro-Arndt-Senatoren? Folgt man Fischer, geht nicht viel mehr als der Streit um den Namen. Mit zwei studentischen Senatoren könne man keine ganze Themenpalette umsetzen. Man wolle jedoch schauen, ob die „Uni allgemein effektiv mit Steuermitteln umgeht.“ Lehrstühle sollten erhalten bleiben und das Studienangebot erweitert werden, um der sinkenden Zahl der Studierenden entgegenzuwirken, so Fischer.

Jusos und Linksjugend kritisieren Professor

Arndt als Namenspatron bedeute, dass die Uni den „Namen eines nationalistischen Rassisten trägt“, schrieb Ida Katinka Ansorge in ihrer Wahlbewerbung für den Senat. Sie gehört zur Liste „Solidarische Universität“, auf der Jusos und Mitglieder der Linksjugend wie Ansorge antraten. Die Liste setzt sich unter anderem für ein elternunabhängigges Bafög und für höhere Löhne für Dozenten ein.

Auch Juraprofessor Ralph Weber ist wegen nationalistischer Aussagen umstritten. Weber trug in der Vergangenheit unter anderem Kleidung der bei Nazis beliebten Markte „Thor Steinar“. Deswegen will Ida Katinka Ansorge im Senat darüber reden, ob Webers Lehrauftrag legitim ist. „Jemand mit seinem Weltbild ist nicht in der Lage, Studierende unabhängig von Herkunft, Sexualität und politischer Gesinnung zu bewerten“, meint Ansorge. Momentan wird Webers Lehrstuhl vertreten, weil er Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Schweriner Landtag ist.

Auch Ansorge musste sich bereits mit politischen Vorwürfen auseinandersetzen: 2012 trat die Medizinstudentin aus der Freiburger Linksjugend aus, weil die „Autonomen Antifa Freiburg“ behauptet hatte, dass Ansorge Kontakt zu organisierten Rechtsradikalen pflege. Ja, sie habe sich damals regelmäßig privat mit rechtsradikalen Personen unterhalten, bestätigt Ansorge der OZ. „Ich hätte gerne gewusst, wie Menschen zu solch komplett entgegengesetzten Ansichten wie meinen kommen“, sagt sie und dass sie es jedoch nie herausfinden konnte. Den letzten Kontakt hätte es im April 2013 in Greifswald gegeben. Da hörte sie menschenverachtende Aussagen, die sie schockiert hätten. Danach sei Schluss gewesen. „Hirnrissig und dämlich“ nennt sie die Kontakte heute.

Professorin will Hochschulautonomie wahren

Für die Gruppe der Professoren zog Maria-Theresia Schafmeister wieder in den Senat ein. Die Geologin, Vorsitzende des derzeit noch amtierenden Senats, meint, „der Senat kann deutlich machen, dass die Universität Greifswald für engstirniges Denken und menschenverachtendes Gedankengut nichts übrig hat. Zuletzt hat er dies im Januar 2017 und dann noch einmal im Januar 2018 deutlich machen können.“ Als Senat werde man in der Frage um den Lehrauftrag von Professor Weber jedoch nichts erreichen, weil das politische Bekenntnis kein Grund ist, einen Lehrauftrag zu entziehen.

Schafmeister engagiert sich in der Hochschulpolitik, weil sie im Senat interessante Menschen kennenlerne, denen es nicht gleichgültig ist, wie es mit der Uni weitergeht. Und weiter gehen soll es vor allem unabhängig: „Ich wünsche mir vom neuen Landeshochschulgesetz keine noch weitergehende Einschränkung der Hochschulautonomie“, sagt sie.

So beim Thema Finanzen: Das Land fordert von den Hochschulen in MV, ab dem Doppelhaushalt 2018/19 erst 2,5 und später fünf Prozent des Uni-Etats als Rücklage zu sparen. Nach Verhandlungen sind es für die Uni Greifswald nun ein bzw. zwei Prozent. Macht 700000 bzw. 1,4 Millionen Euro, die nicht für Studium und Lehre verfügbar sind. Dabei bleibt es wohl.„Im Moment glaube ich eher nicht, dass in näherer Zukunft noch was an den Rücklagenbildungen zu ändern sein wird“, sagt Schafmeister.

Progressive Liste will mehr Internationalisierung

Weitere Kürzungen müssen gestoppt und prekäre Beschäftigung verhindert werden, fordert Physikstudent Hannes Damm von der Grünen Hochschulgruppe, der für die Progressive Liste im Senat sitzt. Zunächst solle es eine schnelle Kanzlerwahl geben, nachdem Wolfgang Flieger zum Jahresende die Uni verlassen hatte. „Wir fordern zudem mehr lebensnahe Qualifikationen wie Sprachkurse und die Internationalisierung der Uni durch englischsprachige Dokumente und bessere Beratung und Lehrangebote voranzutreiben“, sagt Damm. Familienfreundlicher soll es auch werden: In der Mensa müsse es öffentliche Wasserspender und Mikrowellen für Kindernahrung geben.

So wird der Senat gewählt

Für den Senat wahlberechtigt sind alle Angehörigen der Universität: Jede Gruppe wählt jeweils ihre Vertreter in das höchste Hochschulgremium. Jeweils zwölf Professoren und Studierende sowie jeweils sechs akademische und weitere Mitarbeiter werden gewählt. Professoren amtieren für zwei, Studierende für ein Jahr. 36 Mitglieder sitzem im erweiterten Senat, 22 im engeren Senat.

Jeder Wähler hat so viele Stimmen, wie Personen in seiner Gruppe zu wählen sind. Die Stimmen können auf verschiedene Bewerber verschiedener Listen verteilt werden. Die gültigen Stimmen werden anschließend mit Hilfe eines bestimmten Verfahrens in Sitze umgerechnet.

Zu den Aufgaben des Senats zählen die Verleihung der Lehrbefugnis, das Erlassen von Promotionsordnungen und die Beschlussfassung von Wirtschafts-, Haushalts- und Universitätsentwicklungsplans.

Der engere Senat entscheidet mit Ausnahme der Grund- und Wahlordnung über Ordnungen und Satzungen der Universität.

Christopher Gottschalk

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