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„Das war einfach mal geil“

Greifswald „Das war einfach mal geil“

Modehändler Jens Krafzcyk hat sich hochgearbeitet, schwärmt von Deutschrock und den 80er Jahren

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Eigentlich wollte Jens Krafzcyk 1991 einen Blumenladen in der Fußgängerzone eröffnen, dann setzte er doch auf Mode.

Quelle: Peter Binder

Greifswald. Die Hansestadt im Juni 1991: Die Altbauten am Markt verfallen, Menschen drängen sich vor Verkaufsständen, und links auf dem Foto steht ein Typ mit schwarzem Haar und dickem schwarzen Schnauzer, ein Verkäufer zwischen lauter Grünpflanzen und Palmen im Topf. „Dieser Türke, das bin ich“, sagt Jens Krafzcyk.

Ich hatte als Ossi nie Schulden, für den Laden plötzlich eine Million. Aber ich bin Zweckoptimist.“Modehändler Jens Krafzcyk

Lockere Sprüche haut er gerne raus, dieser Greifswalder. Aber er kann auch anpacken, die Ärmel hochkrempeln – heute natürlich nur noch gut gebügelte Ärmel: Das 25-jährige Bestehen seines Ladens „Männermoden“ in der Fußgängerzone hat Jens Krafczyk gerade gefeiert. Vom Marktschreier, der nach der Wende Topfpflanzen feilbot, ist er zu einem bekannten Modehändler in der Stadt geworden.

Er wohnt in einem teuren Haus, gilt als großzügig, fördert Nachwuchsmusiker mit seinem Geld. Doch wenn er allen Besitz verschenken und dafür zurückkehren könnte in die 80er Jahre: „Ich würde das sofort tun“, sagt er. Wieder in Ostberlin wohnen, wie von 1982 bis 86. Wieder Ingenieur studieren, Deutschrock-Konzerte besuchen, Läden nach Platten von Udo Lindenberg, Pink Floyd und anderen durchforsten, jung und wild sein... „Das war einfach mal geil“, sagt Krafzcyk, der in Greifswald aufgewachsen ist. „Das war Freiheit.“

Nach der Wende habe sich Berlin radikal verändert. „Die Leute aus dem Westen strömten rein mit ihrem Westgeld und hauten auf die Kacke.“ Er selbst arbeitete damals als Diplomingenieur im Bereich Landwirtschaftstechnik bei Bernau. 1990 machte das Unternehmen dicht – Krafzcyk ging zurück nach Greifswald.

„Das Geschäft mit den Palmen auf dem Markt lief gut“, sagt er, „ich hab ja eine laute Stimme und bin ein Entertainertyp.“ Um auch im Winter was verkaufen zu können, übernahm er am 1. Juli 1991 den Laden „Alles für den Herren“in der Fußgängerzone – mit dem Ziel, daraus einen Blumenladen zu machen. Doch dann habe er sich Handelsspanne und Umsätze angeschaut, festgestellt: Das Geschäft mit Textilien versprach mehr. „Ich wusste nicht mal, welche Hemdgröße ich habe“, behauptet er. „Aber ich hab mich reingearbeitet.“

1993 kaufte Krafzcyk das Jahrhunderte alte Haus, in dem sein Laden saß und sitzt. „Das sah damals so schrottig aus“, sagt er. „Es schön zu machen, war schon eine Nummer.“ Eine Million Euro habe er sich von der Bank geliehen, um es zu sanieren, um Waren und Ladenmöbel zu kaufen. „Und als Ossi hatte ich vorher nie Schulden!“ Aber schlaflose Nächte deshalb? „Ne, ich bin Zweckoptimist.“

Neben dem Unternehmerherz schlägt in Krafzcyks Brust auch immer noch das Deutschrockherz. Vor allem für Udo Lindenberg. „Dessen Texte konnte ich schon in den 70ern auswendig“, sagt er. Als Jugendlicher machte Krafczyk eine Ausbildung zum „Kuhmelker mit Abitur“ in Velgast. „Wenn wir da im Stall saßen und gemolken haben, hat immer irgendwer gesagt: „Jensi, sing doch mal...“

Heute sucht sich Jens Krafzcyk andere Bühnen. Bei einer Talk-Reihe des Theaters vor ein paar Jahren ließ er sich interviewen, plauderte vor Publikum über seine Vorliebe für teure Autos und mehrere Frauen („Musen“) gleichzeitig. Bei einem Mitmachkonzert von seinem Freund Thomas Putensen gab er den Lindenberg oder trat auch spontan auf die Bühne. Vergangenes Jahr spielte er in einem Theaterstück mit, das an den erschlagenen Obdachlosen Klaus erinnerte.

Heute schauspielert er im Erwachsenenclub des Theaters Vorpommern. „Er bringt ziemlichen Wums hinein“,erzählt Theaterpädagogin Karina Kecsek. Tausend Ideen habe er, Ehrgeiz, viel Energie und eine markante Persönlichkeit. Aber verlassen könne man sich auch auf ihn. Das betont auch Thomas Putensen. „Klar stellt er sich gern dar.“ Aber gleichzeitig könne Krafzcyk etwas, was nicht viele könnten:

„Zuhören.“

Sybille Marx

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