Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Denkmalauflagen erzürnen Bürger in Riemserort
Vorpommern Greifswald Denkmalauflagen erzürnen Bürger in Riemserort
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:06 02.06.2018
Die Wohnsiedlung Riemserort ist denkmalgeschützt. Quelle: Eckhard Oberdörfer
Greifswald

Die Bürger von Riemserort fühlen sich durch die Denkmalpflege gegängelt. Von einer „Denkmaldiktatur“ und von „Maßlosigkeit“ sprach Joachim Biebl auf der sehr gut besuchten Sitzung der Ortsteilvertretung Riems am Montagabend. 

„Der Mensch bleibt zu sehr außen vor“, pflichtete Hans-Peter Müller bei. Warum müsse zum Beispiel die Farbe des Zaunes vorgeschrieben werden, fragt er sich. Wen störe das? Andere fragen sich, warum sie unbedingt wieder Kiefern pflanzen sollen, wenn so ein Nadelbaum abgebrochen ist oder gefällt werden musste.Viele weitere Bürger machten in knapp zwei Stunden ihrem Ärger Luft. 

Der Hindergrund: die 20 Jahre alte denkmalpflegerische Zielsetzung für die Siedlung Riemserort soll fortgeschrieben werden. Dort ist festgelegt, wie die Siedlung aussehen sollte und wofür man bei Abweichung Anträge stellen muss. In Bezug auf die Freiflächen seien die Festlegungen bisher wenig präzise, begründete die Greifswalder Denkmalpflegerin Astrid Ewald die Fortschreibung. Gemeinsam mit Annette Krug vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege ist sie gegenwärtig in Riemserort unterwegs. „Wir haben bisher etwa 80 Prozent der Grundstücke anschauen können und Gespräche mit den Eigentümern geführt.“ Gegenwärtig laufe die Anhörung zur Fortschreibung, entschieden sei noch nichts. Die Ortsteilvertretung bittet die Anwohner bis zum 3. Juni um Zuarbeiten für ihre Stellungnahme. 

Die denkmalgeschützte Wohnsiedlung entstand in den 1950er Jahren im Zuge der Erweiterung des Friedrich-Loeffler-Instituts, das sich nunmehr aufs Festland ausdehnte. Schule, Kindergarten, Kinderkrippe und Gaststätte sorgten für eine gute Infrastruktur. „Die hohe Qualität war auch ein Ausgleich für die Isolation der Siedlung“, so Annette Krug. Denn bis 1992 war der Zugang nach Riemserort nur eingeschränkt möglich. „Es ist die bedeutendste Kleinhaussiedung der Nachkriegszeit in Mecklenburg-Vorpommern“, stellte die Denkmalpflegerin fest und rühmte die „bedeutende Baum- und Grünkulisse“ mit der Waldkiefer als prägendem Baum. Nach der Wiedervereinigung wurden die Häuser in Riemserort privatisiert. 

Die Bürger wollten auch, dass der Riems so schön bleibt wie er ist, betonte nicht nur Ortsteilvertreter Uwe Leibelt. Aber die Eingriffe gingen zu weit. So richtig sauer sind die Anwohner, weil im August 2016 der Wäscheplatz durch den neuen Eigentümer gesperrt wurde. Damit können 17 Familien ihre Carports nicht mehr erreichen. Neue Stellplätze legten die Bürger auf ihre Kosten auf ihren Grundstücken an, eine einschneidende Veränderung. 

Warum hat die Stadt nicht von ihrem Vorverkaufsrecht Gebrauch gemacht? fragt Detlef Unkenstein. Er schlug vor, den Denkmalschutz der Siedlung aufzuheben. Bausenatorin Jeannette von Busse (CDU) war noch nicht im Amt, als es um das Vorkaufsrecht ging. Das habe damals niemand bemerkt, sagte sie. Und gegen die Rechte des Eigentümers des Wäscheplatzes komme man nicht an. 

Astrid Ewald und Annette Krug reagierten überrascht auf die herbe Kritik, die sie nach den Gesprächen mit den Eigentümern nicht erwartet hatten. Anträge auf Ausnahmen seien möglich, die Veränderung der Lebensbedürfnisse werde berücksichtigt und man wolle der Individualität Raum geben. „Wir suchen Lösungen“, betonte Astrid Ewald.

Oberdörfer Eckhard

Mehr zum Thema

Amtsinhaber Michael Berkhahn trifft auf Rechtsanwalt aus Kühlungsborn. Die 37 Mitglieder der Bürgerschaft wählen am 28. Juni oder 5. Juli. Noch wird taktiert.

29.05.2018

Bis in den Herbst werden Beamte der Polizeiinspektion Wismar auch auf dem Krad unterwegs sein. Damit wollen sie vor allem in Bereiche gelangen, die für die Streifenwagen nur schwierig oder gar nicht zu erreichen sind.

29.05.2018

Bei der Aktion „Benefit“ stellen sich am Sonnabend, 2. Juni, viele Vereine aus Wismar und der Umgebung jungen Sportinteressierten in der Sport- und Mehrzweckhalle vor.

31.05.2018

Beim Holi-Festival am Sonnabend wird es bunt: Das gegenseitige Bestäuben mit buntem Farbpulver ist fester Bestandteil der aus Indien stammenden Feier. Die passende Musik dazu wird von den DJs Alex Megane und Ramba Zamba serviert.

01.06.2018
Greifswald Bürgerschaft beschließt Grundstücksverkauf - Greifswalder Campingplatz ist wieder offen.

Die SPD sicherte die Mehrheit: Unter Auflagen kann Investor Carsten Becker mit Auslauf des aktuellen Pachtvertrages im Jahre 2022 etwa 8500 Quadratmeter für 154000 Euro von der Stadt Greifswald erwerben. Er hat seit dem Wochenende wieder geöffnet.

01.06.2018

Eine Usedomer Jagdtrophäe bereitete dem Raketen-Entwickler eine Niederlage

01.06.2018