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Greifswald Der Fall Bergemann – Ein ziemlich linkes Ding
Vorpommern Greifswald Der Fall Bergemann – Ein ziemlich linkes Ding
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00:05 22.09.2016

Es ist so armselig, so bitter für Demokraten und echte Freunde der Meinungsfreiheit, was die Linke derzeit im östlichen Vorpommern veranstaltet: Nun setzt die Partei tatsächlich ihrem langjährigen Mitstreiter und Wolgaster Sympathieträger Lars Bergemann den Stuhl vor die Tür – sein Vertrag als Wahlkreismitarbeiter der Landtagsabgeordneten Jeannine Rösler soll nicht verlängert werden.

Einst Partner: Jeannine Rösler und ihr Noch-Wahlkreismitarbeiter Lars Bergemann Quelle: Fotos: Oz
Einst Partner: Jeannine Rösler und ihr Noch-Wahlkreismitarbeiter Lars Bergemann Quelle: Fotos: Oz

Nach 14 Jahren. Und in Wahrheit aus nur einem Grund: Weil Bergemann nach dem klaren und für viele erschreckenden Sieg der AfD im Wahlkreis Usedom/Wolgast/Lubmin ankündigte, mit dem AfD-Direktkandidaten Ralph Weber in Dialog treten zu wollen – denn die meisten, die ihn gewählt hätten, seien keine Rechtsextremisten, ihre Gründe vielschichtig.

Man hätte sagen können: Bergemann nimmt die Wähler ernst, will hinter die Probleme kommen, um Lösungen anzubieten. Die Linke, bis hoch in die Landesspitze, hyperventilierte aber lieber. Kreischefin Mignon Schwenke meinte, Bergemann habe eine rote Linie überschritten, denn ein Grundkonsens der Partei laute Antifaschismus.

Dieses Ziel ist über jeden Zweifel erhaben, es jedoch hier anzuführen ziemlich bizarr. Das lässt ganz einfach politische Differenzierung vermissen. Was tat Bergemann? Machte er Vertretern der rechtsextremen NPD ein Gesprächsangebot? Wollte er sich mit Mitgliedern gewaltbereiter Kameradschaften treffen?

Nein. Der Wolgaster Linke überlegte, mit einer Partei zu reden, die zwar Rechtsaußen in ihren Reihen hat, die aber eben nicht von Neonazis dominiert wird – so schätzen es zumindest arrivierte Politikwissenschaftler ein. Eine Partei, die womöglich zuweilen mit Ängsten von Bürgern spielt, die aber – anders als die NPD – in großer Mehrheit nicht rassische Ungleichheit propagiert oder die demokratisch-freiheitliche Grundordnung schleifen will.

Diese Unterschiede sind wichtig, um Bergemanns Vorstoß zu bewerten. Für eine seriöse Einschätzung der AfD und ihrer führenden Köpfe mag es ohnehin noch etwas zu früh sein. Aber gerade aus diesem Grund könnte Dialog helfen.

Auch, um eine Botschaft an die Wähler zu senden: Wir wollen wissen, warum ihr glaubt, die AfD hätte die besseren Antworten. Seid ihr tatsächlich alle rassistisch? (Sicher nicht!) – Habt ihr nur Angst vor „unkontrollierter Zuwanderung“. Seid ihr hauptsächlich enttäuscht von den etablierten Parteien wegen der Schließung wichtiger Abteilungen im Kreiskrankenhaus Wolgast oder den niedrigen Löhnen der Region?

Nun setzt die Linke jedoch auch die Wähler in ein fragwürdiges Licht mit der Botschaft: Wer die AfD allein schon zum Dialog bittet, hat eine rote Linie überschritten! Jeannine Rösler bemüht sich zwar, zu sagen, Bergemanns AfD-Vorstoß sei nicht der einzige Grund für die avisierte Trennung – die Kommunikation habe auch in anderen Punkten nicht mehr gestimmt. Dabei weiß jeder, der sich in der hiesigen Politik auskennt: Es geht nur um die AfD.

Die gute Nachricht: Es ist nicht zu spät. Die Linke kann sich besinnen und den Vertrag mit Bergemann doch noch verlängern. Einen Mann, der in der Region stets vorn gegen Rechtsextremisten kämpfte, so vor die Tür zu setzen, ist absurd. Und es würde viele Protestwähler traurig bestätigen in ihrer Ansicht: Die da oben haben nichts kapiert.

OZ

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