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Greifswald Der Philosoph der Orientierung

Gratulation zum 70. Geburtstag von Professor Werner Stegmaier

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Philosophieprofessor Werner Stegmaier in Greifswald. Gerade hat er ein neues Buch vorgelegt.

Quelle: Eckhard Oberdörfer

Greifswald. Werner Stegmaier hat mit seiner 2008 erschienen Monographie „Philosophie der Orientierung“ Maßstäbe gesetzt. In dem 800 Seiten starken Buch hat er nach Ansicht von Kollegen erstmals die Bedeutung dieses Begriffs geklärt und eine umfassende Philosophie der Orientierung entwickelt. Stegmaier unterscheidet 14 Arten der Orientierung.

Biographisches

Werber Stegmaier stammt aus Ludwigsburg (Baden-Württemberg). 1970 wurde er in Tübingen promoviert und habilitierte sich 1990 in Bonn. 1994 wurde er auf den Lehrstuhl für Phiolosophe mit Schwerpunkt Praktische Philosophie in Greifswald berufen.

Diese Monographie „stellt ohne Zweifel Stegmaiers anspruchsvollsten und gewichtigsten Versuch dar, eine autonome philosophische Position zu entwickeln“, heißt es im Vorwort des Sammelbandes „Zur Philosophie der Orientierung“, den Andrea Bertino, Ekaterina Poljakova, Andreas Rupschus und Benjamin Alberts herausgaben. Die Festschrift war die wissenschaftliche Gratulation von 23 Schülern, Kollegen und Freunden zum 70. Geburtstag des emeritierten Greifswalder Professors für Praktische Philosophie am 19. Juli. Stegmaier verstehe es meisterhaft, seine komplexe Gedankenwelt in der Alltagssprache auszudrücken, wie die Herausgeber anmerken.

Der ausgewiesene Nietzscheexperte hat gerade ein neues, gewichtiges Buch, „Orientierung im Nihilismus – Luhmann meets Nietzsche“, herausgebracht. Der Soziologe und Gesellschaftstheoretiker Niklas Luhmann (1927 bis 1998) gilt als ein „Klassiker“ der Sozialwissenschaften des vergangenen Jahrhunderts.

„Luhmann wollte mit Nietzsche nichts zu tun haben, kannte ihn aber“, sagt Stegmaier. In seinem Buch weist er nach, dass das Denken dieser beiden Geistesgrößen vieles gemeinsam habe. Nietzsche meint, dass es keine absoluten Wahrheiten, Werte und festen Grundlagen gebe, dass jeder Standpunkt relativ sei, es demzufolge auch keine Grundlagen für Moral gebe. „Man kann sich im Nichts orientieren“, sagt nun Stegmaier. Halt geben Routinen, lange eingespielte Verhaltensmuster. Hierfür mache die Philosophie der Orientierung Angebote.„Mir geht es um eine Philosophie, die man verstehen kann“, sagt er selbst. „Alles beginnt mit der Orientierung. Wir orientieren uns in jeder Situation neu. Nichts ist ewig, nichts bleibt, wie es ist.“ Es gebe Anhaltspunkte, die Muster erzeugen, die das Gehirn deutet und eine Wirklichkeit konstruiert. Dadurch werde es möglich, sich zu orientieren und mit einer vorgefundenen Situation zurechtzukommen, Handlungsziele innerhalb von Spielräumen zu entwickeln.

Den Begriff Spielraum kennten die philosophischen Lexika nicht, erzählt der Professor. Dabei sei er ganz wichtig in einer vieldeutigen Welt.

„Wir orientieren uns an anderen“, führt Stegmaier aus. Das sei so in einer komplizierten Wirklichkeit, schaffe Ordnungen und Übersicht. Jeder Standpunkt sei relativ, die Vernetzung vieler Relativitäten gebe Halt. Auch die Gesellschaft treffe ständig nach Diskussionen Entscheidungen, erläutert der Philosoph.

Werner Stegmaier ist seit 17 Jahren einer der Herausgeber der „Nietzsche-Studien“, der internationalen Jahrbücher für Nietzsche-Forscher. Der letzte Band trug den Titel „Was heißt und wie kann man ,Werte schaffen'?“. Jetzt, mit 70 Jahren, würde er das Amt gern in jüngere Hände geben, sagt er. Allerdings sei das gar nicht so einfach. Die meisten Kollegen, die in Frage kämen, hätten schon genug andere Verpflichtungen. Und junge Leute, die einen Philosophielehrstuhl anstreben, müssten andere Schwerpunkte als die Forschung über historische Größen wie Kant oder Nietzsche setzen, um berufen zu werden.

Eckhard Oberdörfer

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