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Greifswald „Der große Wurf ist nicht gelungen“
Vorpommern Greifswald „Der große Wurf ist nicht gelungen“
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00:00 30.08.2018
Schöne Wiecker Welt. Doch den Segelvereinen drohen zum Teil immense Kostensteigerungen. Die Bürgerschaft muss entscheiden. Quelle: Foto: Peter Binder
Greifswald

Neuer Frust bei den Seglern der Stadt: Laut aktuellem Entwurf der Hafengebührensatzung muss der Greifswalder Yachtclub – einer von drei Vereinen in Wieck – ab 2019 mindestens 2380 Euro pro Jahr mehr für seine Liegeplätze aufbringen als bislang. „Das wären insgesamt rund 6200 Euro“, rechnet Vorsitzender Christian Radicke vor. Das ist eine Kostensteigerung von 62 Prozent. Die würde sogar noch höher ausfallen, sollte der Verein in nächster Zeit fünf Kinder und Jugendliche als Mitglieder verlieren. Dann erhöhe sich die zu zahlende Summe auf 7440 Euro.

Sportler enttäuscht vom Entwurf der neuen Sportfördersatzung und Hafengebührensatzung

Das wiederum käme fast einer Verdopplung der jetzigen Gebühren gleich. Dabei war die Hoffnung nach den hitzigen Debatten im Herbst 2017 groß, dass die Belastungen weniger hoch ausfallen (die OZ berichtete). Ziel der Politik war es, die steigenden Hafengebühren mittels Sportförderung zumindest teilweise aufzufangen – insbesondere für Vereine, die Kinder- und Jugendarbeit leisten.

Mit Spannung hatten Vereine in Greifswald deshalb auch die von der Verwaltung angekündigte neue Sportfördersatzung erwartet. Doch der Entwurf, in dieser Woche in den Fachgremien der Bürgerschaft diskutiert, erzeugt Ernüchterung. „Der große Wurf ist nicht gelungen. Obwohl alle davon reden, dass der Sport in Greifswald aufgrund der Vielzahl von Aktiven eine herausragende Stellung einnimmt, tut sich die Stadt mit einer gebührenden Förderung mehr als schwer“, urteilt Bernt Petschaelis, Vorsitzender des Stadtsportbundes, der als Dachorganisation über 13000 Aktive vertritt.

Mit Unverständnis reagiert Petschaelis auf den Vorschlag der Verwaltung, die Investitionskostenzuschüsse für Baumaßnahmen auf 50 Prozent des Eigenanteils von Vereinen zu begrenzen. Maximal soll die Förderung 125 000 Euro betragen, heißt es im Papier. Für Petschaelis sind damit viele Vorhaben zum Scheitern verurteilt: „Ein Kunstrasenplatz etwa kostet gut 800000 Euro. Vom Landessportbund kann der Verein 50 Prozent Fördermittel einwerben. Zahlt die Stadt nur 125000 Euro, blieben für den Verein 275000 Euro. Das ist fern jeglicher Realität. Damit stirbt jedes größere Bauvorhaben“, verdeutlicht er. Andere Städte hätten längst erkannt, dass mit Hilfe des Landessportbundes erhebliche Investitionen möglich seien. Ein Beispiel sei die Stadt Ueckermünde, die 330000 Euro für einen Platz zuzahlte. „Denn vergessen dürfen wir nicht, dass es sich bei den Sportstätten um kommunale Anlagen handelt, die die Vereine nur bewirtschaften“, bemerkt Petschaelis. In dem Zusammenhang macht er auf die „stark sanierungsbedürftigen Plätze“ am St. Georgsfeld und in der Stadtrandsiedlung aufmerksam, die vom Verein Blau-Weiß beziehungsweise den Greifswalder Hengsten bewirtschaftet werden.

Christian Radicke, Vorsitzender des 190 Mitglieder zählenden Greifswalder Yachtclubs, kann sich ebenfalls nur schwer mit einigen Passagen des Entwurfs der Sportfördersatzung anfreunden. Ein Beispiel:

Die Rückerstattung von Miet- und Pachtzinsen für kommunale Sportstätten. „Bislang wurden bis zu 100 Prozent rückerstattet, wenn mindestens 25 Prozent der Vereinsmitglieder Kinder und Jugendliche sind oder der Verein mindestens 150 Mitglieder hat. Künftig soll es nur noch eine 90-prozentige Rückerstattung geben“, sagt Radicke. Dem Yachtclub gingen damit 425 Euro pro Jahr verloren. Keine Riesensumme, aber zusammen mit den neuen Hafengebühren käme auf den Verein die genannte Mehrbelastung zu. Radicke: „Das ist für uns existentiell.“

Ähnlich sieht das der Stadtsportbund: „Wir sind mit den Regelungen für die Segelvereine nicht zufrieden. Die Stadt will zwar helfen, die Belastungen der Hafengebühren zu senken, doch sie tut das nur sehr halbherzig. Zumal die Segelvereine neben den Liegegebühren noch eine Reihe anderer Kosten haben“, sagt Petschaelis.

Trotz allem begrüßen sowohl er als auch Radicke die neue Sportfördersatzung. Denn erstmalig sei es der Stadt gelungen, in ihr die bisher drei gültigen Dokumente zur Sportförderung zu vereinen. Die drastische Erhöhung der Hafenliegegebühren indes war keine Überraschung. Bereits mit dem Satzungsentwurf vom August 2017 war klar, dass die Beträge steigen. Dabei handelt es sich jetzt um mehr als eine Verdopplung. „Unser Auftrag war es, eine kostendeckende Gebührensatzung zu erarbeiten“, sagt Peter Lubs vom Tiefbau- und Grünflächenamt. Hintergrund sei der erhebliche Investitionsstau im Wiecker Hafen.

Im Finanzausschuss und Bauausschuss der Bürgerschaft fand die Hafengebührensatzung dennoch keine Mehrheit, wurde abgelehnt, der Sportausschuss stimmte mehrheitlich dafür. Nun ist das Stadtparlament gefragt, am 13. September eine Entscheidung zu treffen. Die Sportfördersatzung indes soll nach dem Willen des Sportausschusses in eine zweite Lesung gehen.

Hafengebühren steigen drastisch

Pro laufendem Meter Kaikante zahlen die Segelvereine in Wieck jetzt 40,14 Euro, künftig sollen es 86,70 Euro sein. Das entspricht einer Erhöhung um 115 %.

Zudem zahlen die Vereine Pachtgebühren. Wurden ihnen diese bislang komplett zurückerstattet, sofern sie 150 Mitglieder zählen oder 25 Prozent der Mitglieder Kinder und Jugendliche sind, sollen ihnen künftig maximal nur noch 90 Prozent rückerstattet werden.

Die Vereine können einen Zuschuss für die Liegeplätze beantragen, sofern sie Kinder und Jugendliche betreuen. Je nachdem, wie hoch deren Anteil ist, fällt die Förderung aus.

Petra Hase

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