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„Diapedes“ und die Folgen für Medizinstudenten

Greifswald „Diapedes“ und die Folgen für Medizinstudenten

Eine Prüfung vor 55 Jahren bei Prof. Müller.

Greifswald. Dr. Heinz Schneider (79) aus Mahlow hat in Greifswald Medizin studiert. Der erfolgreiche Arzt ist auch Buchautor und sandte der OZ folgende Geschichte zu seiner „Prüfung im Hauptfach Innere Medizin“ vor 55 Jahren zu:

„Der aus dem Vogtland stammende Professor Friedrich Müller weigerte sich, uns überhaupt zu prüfen. ,Sie sind alle durchgefallen‘, sagte er erbost, bevor er uns auch nur eine einzige Frage gestellt hatte. Da wir uns sein extrem unfreundliches Verhalten nicht erklären konnten, zogen wir uns nach etwa fünf Minuten die Mäntel wieder an. Keiner von uns wusste, womit wir dieses völlig unübliche, noch nie erlebte Verhalten verdient hatten. Schließlich ließ er ,Gnade vor Recht‘ ergehen und prüfte uns doch noch. Mir zeigte er ein Röntgenbild. Es war sofort zu erkennen: Magenkrebs. Da Müller als heimtückisch bekannt war, sagte ich, es handele sich um einen verdrängenden Prozess an der kleinen Kurvatur. Denn ich befürchtete beim Nennen der Diagnose ,Magen-CA‘ (Magenkrebs) den erwarteten Einwand: ,Woher kennen Sie die Histologie?‘ Er sagte hingegen barsch: ,Sie Schwachmatikus, das sieht doch ein Blinder, das ist Magenkrebs.‘

Es ging ähnlich unangenehm weiter. Schließlich gab er mir eine Zwei, wobei er mindestens dreimal betonte, dass es eine ,ganz schwache‘ Zwei sei. Den drei Mitstudenten erging es nicht besser. Endlich löste er das Rätsel seines Unbehagens. In der schriftlichen Vorprüfung hatte ein Mitglied unserer Seminargruppe ,Diapedes‘ statt Diabetes geschrieben. Zwei Fehler in einem Wort. Damit hielt uns der erste Assistent des damals vermutlich bedeutendsten Diabetologen Deutschlands, des Greifswalders Prof. Gerhardt Katsch, wahrscheinlich für so strohdumm, dass er glaubte, berechtigt zu sein, uns als Vierergruppe von der Prüfung auszuschließen. Die Greifswalder Universität besaß damals den unangefochtenen Spitzenplatz in der Diabetologie in Deutschland. Zum Schluss erhielt aber selbst der Kollege eine Zwei, der die in Greifswald unverzeihlichen orthografischen Fehler ,verbockt‘ hatte. Aber ebenfalls eine ,schwache‘.

Müller hielt übrigens ein sehr gutes Kolleg und ich habe ihn später als sehr netten und hilfsbereiten Kollegen kennengelernt.“

 



OZ

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