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Greifswald Die Gräber der Anatomie
Vorpommern Greifswald Die Gräber der Anatomie
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00:00 15.04.2013
Greifswald

Eine verdrängte Geschichte aus Deutschlands dunkelster Zeit hat Universitätsarchivar Dr. Dirk Alvermann dem Vergessen entrissen.

Sein kenntnisreicher Vortrag über „NS-Opfer für die Anatomie — Zur Herkunft der Greifswalder Anatomieleichen 1939 bis 1945“ war sicher ein Höhepunkt des Workshops zur Geschichte der Greifswalder Universität im „Dritten Reich“ am12. und 13. April.

Vor 1933 war es für die Anatomieinstitute oft schwer, ausreichend Leichen für Ausbildung und Forschung zu bekommen, berichtete Alvermann. Durch Gesetzesänderungen nach 1933 änderte sich das grundlegend. Auch das Greifswalder Anatomieinstitut konnte zeitweise keine Leichen mehr annehmen. In der NS-Zeit habe man sogar die Übergabe an die Anatomie als eine zusätzliche Strafe bei Hinrichtungen erwogen.

Forschung und Unterricht dienten Hingerichtete, tote Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, Tote aus Heil- und Pflegeanstalten. Darunter waren Menschen, die man in der Ueckermünder Psychiatrie gezielt verhungern ließ und Wehrmachtsangehörige, die im Anklamer Militärgefängnis wegen Fahnenflucht erschossen wurden. Auch die Gestapo lieferte Leichen in die Anatomie. Knapp 400 Überreste von ab 1935 angelieferten Toten fanden bis Kriegsende ihre letzte Ruhe auf dem Neuen Friedhof.

1947 wurden die in der Greifswalder Anatomie gelagerten Leichen Gegenstand von Ermittlungen der Polizei und der sowjetischen Behörden. Die Kripo beschlagnahmte im Institut fast 80 vollständig erhaltene Leichen. Dann wurden noch 36 Kinderleichen und weitere unvollständige Leichen, zu einem großen Teil nur noch Köpfe, gefunden. Insgesamt waren es etwa 250 Leichen. Das Institut wurde geschlossen, Mitarbeiter verhaftet. Schon im Polizeibericht ist von Polen, Russen, Jugoslawen und Deutschen die Rede. Eine rechtsmedizinische Untersuchung erfogte durch eine sowjetische Kommission.

Sie nahm das Leichenjournal mit, was weitere Forschungen erschwert.

Im Januar und Februar 1948 wurden die Toten auf dem sowjetischen Bezirksfriedhof Nummer 3 (Neuer Friedhof, an der Straße nach Wackerow) beerdigt. In der Landeszeitung war von von der Gestapo ermordeten Sowjetbürgern und Bürgern anderer Staaten die Rede. Nach welchen Kriterien die 42 Namen für die Tafeln auf dem Friedhof ausgewählt wurden, das ist nicht bekannt. Auch auf dem Gedenkstein ist von Opfern aus den Reihen der sowjetischem Armee und der Gestapo die Rede. Es stehen aber auf den Grabplatten auch die Namen der polnischen Zwangsarbeiter Felix Pawlowski und Stanislaw Zielinski, wie Alvermann zeigte. Ebenso werden hier der sowjetische Kriegsgefangene Alexej Stolakin und der deutsche Soldat Anton Rutkowski genannt. Letzterer wurde im Wehrmachtsgefängnis in Anklam hingerichtet. Alle vier Genannten stammen aus der Anatomie. eob

OZ

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