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Greifswald Als eine Fakultät auf dem Sofa gegründet wurde
Vorpommern Greifswald Als eine Fakultät auf dem Sofa gegründet wurde
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08:00 26.11.2018
Verleihung der Ehrensenatorwürde an Berthold Beitz. Medizinerdekan Werner, Rektor Zobel, Berthold Beitz, die Dekane Hirtz (Philosophische Fakultät) und Hecker (Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät, von links) Quelle: Peter Binder
Greifswald

 Nach der Wende hat sich die Greifswalder Hochschule in vielerlei Hinsicht stark verändert. An die Stelle der Gesellschaftlichen trat eine Philosophische Fakultät mit erweitertem Fächerspektrum. Aus der Sektion Theologie wurde wieder eine Theologische Fakultät, und die 1945 geschlossene Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät entstand neu. Die Universitätsparteileitung der SED wurde entmachtet, an die Stelle der FDJ-Hochschulgruppenleitung trat der Allgemeine Studierendenausschuss.

Aber für viele Wissenschaftler aus der DDR bedeutete die Wende auch das Ende ihrer Hochschulkarriere, viele wurden arbeitslos. Etwa 700 Mitarbeiter aus DDR-Zeiten, die die fachliche und politische Überprüfung überstanden hatten, bekamen in der nunmehr mecklenburg-vorpommerschen Hochschule keine Perspektive.

Davon und von vielen anderen Facetten einer spannenden Geschichte, erzählt das Buch „Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Zeiten des Umbruchs“. Drei Professoren kommen als Zeitzeugen zu Wort. Rektorin Prof. Johanna Weber spricht in ihrem Vorwort von einer spannenden und lehrreichen Lektüre auch dank der unterschiedlichen Perspektiven der Zeitzeugen.

Die drei Professoren sind der Mikrobiologe Michael Hecker, der in Greifswald studierte und der Hochschule trotz anderer Angebote treu blieb, der 1994 nach Greifwald berufene Historiker Karl-Heinz Spieß und der maßgeblich an der Neugründung der 1945 geschlossenen Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät beteiligte Jurist Karl-Ulrich Meyn. Der Beschluss für deren Wiedergründung erfolgte in privater Runde in der Arndtstraße auf dem Heckerschen Sofa gemeinsam mit dem damaligen Theologendekan Bernd Hildebrandt sowie dem Mediziner und späteren Prorektor Falko Herrmann, schreibt Meyn, obwohl damals von Volks- und Betriebswirtschaftslehre noch nicht die Rede war.

Das Sofa, auf dem die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät wiedergegründet wurde Quelle: Michael Hecker

Das Buch bietet in der Tat eine interessante und zur Diskussion anregende Lektüre auf etwa 200 Seiten. Der Pfarrerssohn Michael Hecker, als einer, der die Greifswalder Uni seit Studienbeginn 1965 kennt, bietet vielfältige Eindrücke aus der abgeschotteten DDR mit all ihren Bedrängnissen. Hecker erkennt aber an, dass nicht nur die von der Sonne der Erinnerung überstrahlte Studienzeit für viele Unimitarbeiter auch eine schöne Zeit war. Seine Erinnerungen lassen den ein Jahrzehnt andauernden Streit um den Namenspatron nicht aus und reichen bis zur Trennung von Arndt 2018. Hecker, der nach der Wende vier Jahre als Dekan der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät wirkte, ist insgesamt sehr um Differenzierung bemüht.

„Mit dem Theologen Rektor Zobel (im Mai 1990 gewählt und vorher Sektionsdirektor Theologie/d. Red.) hatten wir genau den richtigen Mann am richtigen Platz“schreibt er. „Ich habe die Zusammenarbeit mit ihm von Anfang an sehr geschätzt.“ In einer Sache hatten die beiden Professoren allerdings unterschiedliche Auffassungen: Zobel wollte die Geisteswissenschaften massiv ausbauen und tat das auch, zum Beispiel wurden die Altertumswissenschaften wiedergründet und es gibt seither ein Institut für Baltistik. Hecker plädierte für die Naturwissenschaften, Greifswald war die einzige DDR-Uni, die das volle Spektrum der Naturwissenschaften anbot. Der Mikrobiologe, ohne Frage einer der erfolgreichsten Greifswalder Wissenschaftler nach 1990, hat stets die Berufung neuer Kollegen aus dem Westen als große Chance gesehen. Auch für Hecker und alle anderen Hochschullehrer gab es nun ganz andere Möglichkeiten.

Der größte Personalwechsel fand indes an der Philosophischen Fakultät statt. Von den 103 Professoren und Dozenten im Jahre 1989 wurden nur 17 in die neue Struktur übergeleitet. Womöglich wären es mehr gewesen, wenn weitere Kollegen, zum Beispiel zwei Historiker, gegen unrechtmäßig zustande gekommene Urteile der Ehrenkommission geklagt hätten.

Ein großer Teil der zuvor unbefristeten Mitarbeiter, die die fachliche und wissenschaftliche Überprüfung überstanden, bekam keine neue Stelle, weil der Mittelbau nach westdeutschem Vorbild zusammengestrichen wurde. Der Prozess der Abwicklung und des Neuaufbaus dauerte Jahre. Karl-Heinz Spieß, der 1994 nach Greifswald kam und damit eine interessante Außenperspektive bietet, lässt drei der Hochschullehrer zu Wort kommen, die auf unterschiedliche Weise betroffen waren. Darunter ist der außerordentliche Professor für Polonistik, dem gekündigt wurde, weil die zunächst vorhandene Professur für dieses Fach gestrichen wurde. Aus seiner Sicht sollten DDR-Eliten durch – oft arbeitsuchende – westdeutsche Akademiker ersetzt werden. Spieß erinnert dazu daran, dass „viele Hochschullehrer in Lehre und Forschung ideologisch ausgerichtet gewesen (waren) und in erster Linie deshalb entlassen (wurden) und nicht um arbeitslosen Akademikern im Westen Stellen zu verschaffen. Außerdem waren viele Institute personell aufgebläht.“

Die späteren Professoren Ingo Schubert, Hanns Kreisel, Michael Hecker und Michael Succow als Sänger bei einer Veranstaltung des Greifswalder Lamarckzirkels Quelle: Sammlung Michael Hecker

Info: Michael Hecker, Karl-Ulrich Meyn, Karl- Heinz Spieß: Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Zeiten der Wende. Zeitzeugen erinnern sich. Mit Bildern von Peter Binder, ISBN 978-3-9813402-8-0, 19,90 Euro

Eckhard Oberdörfer

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