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Die „Lovis“ kämpft auf der Kieler Woche ums Überleben

Greifswald/Kiel Die „Lovis“ kämpft auf der Kieler Woche ums Überleben

Traditionsschiffe fürchten das Aus, weil sie nicht mehr historisch genug sein sollen.

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Mit einem Transparent an Bord liegt das Traditionsschiff „Lovis“ während der Kieler Woche an der Förde in Kiel. Die Frage, ob ein Schiff als historisch eingestuft wird, ist für die Betreiber existenzbedrohend. Nach neuen Richtlinien droht vielen Traditionsschiffen das Aus.

Quelle: dpa

Greifswald. Die „Lovis“ ist gerade auf dem Weg von der Kieler Woche zurück in ihren Greifswalder Heimathafen. Es könnte der vorerst letzte größere Törn des Noch-Traditionsschiffs sein. In vier Tagen läuft die Fahrterlaubnis ab. Wie es danach weitergehen soll, weiß so recht niemand. „Wir hoffen auf eine Verlängerung“, sagt Crew-Mitglied Anke Lübbert.

Grund für das drohende Aus: Die Berufsgenossenschaft für Transport und Verkehr (BG Verkehr) bestimmt die Regeln, nach denen ein Schiff als Traditionsschiff gilt. Die Betreiber der „Lovis“ und vieler anderer alter Segler beklagen, dass die Anforderungen zu streng geworden sind. „Die Genossenschaft hat beschlossen, schärfer hinzugucken, insbesondere bei dem Punkt der sogenannten Historizität“, sagt Thomas Hoppe, Vorsitzender der Gemeinsamen Kommission für historische Wasserfahrzeuge (GSHW), dem Dachverband deutscher Traditionsschiffe in Fahrt. „Im Raum steht die Frage: Was ist historisch?“

Die „Lovis“ wäre es dem aktuellen Stand nach nicht mehr. „Die BG Verkehr ist weit über das Ziel hinausgeschossen“, meint Hoppe. Von einst rund 150 Schiffen um die Jahrtausendwende seien mittlerweile nur noch knapp 110 übrig geblieben.

Deshalb protestierte die „Lovis“-Crew mit denen anderer bedrohter Schiffe in Kiel. Mit Bannern („Nehmt uns nicht den Wind aus den Segeln“, „Unsere Zukunft, eure Kieler Woche“), Trommeln, und Pfiffen machten die Schiffsleute auf ihre Situation aufmerksam. „Die Kieler Woche lebt von den alten Schiffen. Deshalb ist hier der richtige Ort, um auf unser Dilemma hinzuweisen“, sagt Bootsfrau Annika Härtel.

Nach Angaben des gemeinnützigen Betreibervereins wurde für die „Lovis“ ein Schiffsrumpf von 1897 restauriert. Zusammengebaut hat sie der Verein aber erst 1999 — Vorbild war der alte Frachtlogger „Wilhelm Lühring“. Die BG Verkehr verweist bei der Diskussion auf die Spruchpraxis der Gerichte. Demnach müssten Traditionsschiffe entweder Originale oder Einzelnachbildungen sein, erklärt der Justiziar der BG Verkehr, Kai Krüger. „Die ,Lovis‘ war mal eine Dampfbarkasse“, sagt Krüger. Als Nachbildung der „Wilhelm Lühring“ tauge sie nicht — dafür fehlten bislang die Nachweise. Klar sei in den vergangenen Jahren strenger hingeschaut worden — aufgrund der Gerichtsurteile. Von einem „Kahlschlag“, wie ihn die GSWH sieht, könne aber nicht die Rede sein.

Der Status als Traditionsschiff ist begehrt. Er erleichtert den schmucken Kuttern und Seglern den Betrieb. Wenn sie nicht in erster Linie kommerziell betrieben werden, reichen Sportbootführerscheine bei der Mannschaft. Beim Wechsel in eine andere Schiffsklasse müsste ein Profi-Kapitän anheuern — was viele Betreiber nicht stemmen könnten. Denn meistens handelt es sich dabei um Privatleute oder gemeinnützige Vereine.

So auch bei der „Lovis“, die seit 13 Jahren mit Schulklassen und Jugendgruppen auf der Ostsee unterwegs ist. „Sie steht für zivilgesellschaftliches Engagement, hunderte Seminare zu ökologischen und sozialen Fragen, ostseeweite Jugendvernetzung, politische Bildung und soziale Arbeit, und die Vermittlung historischer Kulturpraktiken, die auch für die heutige Zeit spannend sind“, heißt es seitens der Betreiber. „Unsere Arbeit könnten wir ohne Fahrterlaubnis nicht mehr in dieser Form fortführen“, sagt Katriona Dannenberg, eine der ehrenamtlichen Skipperinnen. Zusätzlich drohen Einnahmeausfälle, denn das Schiff ist eigentlich bis Ende Oktober für Fahrten gebucht.

10 000 Unterschriften
Wer sich für den Erhalt der „Lovis“ aussprechen möchte, kann dies im Internet tun. Der Betreiberverein des Schiffes will eine Petition an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) richten. Das erste Ziel, 10 000 digitale Unterschriften zu sammeln, wurde gestern erreicht. Nun sollen es noch mehr werden.

• www.
lovis.de

www.openpetition.de Suchwort: Lovis

 

 

Kai Lachmann und Jonas-Erik Schmidt

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