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Greifswald Die Wunderhühner von Gristow
Vorpommern Greifswald Die Wunderhühner von Gristow
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02:45 22.08.2014
Gristow

Ach du dickes Ei: Annemarie Richert traute ihren Augen nicht, als sie sah, weshalb der erwachsene Enkelsohn nach ihr rief. Der junge Mann, der allwöchentlich einmal mit den Großeltern frühstückt, hatte sich ein Ei in die Pfanne gehauen. Wohl kam auch etwas Eiweiß heraus, aber der Rest — war ein weiteres Ei. „Es hat in der Pfanne richtig geknallt, als die Eierschale aufschlug“, berichtet die Gristowerin noch immer kopfschüttelnd.

Ein richtiges Ei im Ei, und dann noch von ihren Hühnern. Wie so was funktioniert, weiß die 71-Jährige nicht, im Internet wurde sie nicht fündig. Und im Zoologischen Institut der Uni Greifswald konnte auch niemand helfen — keiner zu Hause, Semesterferien.

Faszinierend findet Annemarie Richert das doppelte Ei dennoch. „2009 hatten wir schon mal so ein Ei im Ei. Auch damals war es besonders groß. Ich denke, die Hühner wollen uns einfach zeigen, dass sie es hier richtig gut haben“, lautet ihre Interpretation. Dem Gatten ist eine wissenschaftliche Erklärung für das Eier-Wunder nicht so wichtig. Was von seinen Hühnern kommt, ist von Hause aus prima.

70 Hühner tummeln sich im Garten der Richerts und werden von Dieter Richert liebevoll umsorgt. Wenn sie ihn erblicken, kommen sie angerannt, manche springen ihm sogar auf den Arm. „Ich war elf Jahre alt, als ich mein erstes Huhn bekam. Das dumme Ding fraß nicht. Als ich es untersuchte, sah ich, dass der Kropf von einem anderen Tier zerbissen worden war“, erinnert sich der heute 74-Jährige noch ganz genau. Also wickelte er eine Binde drum, päppelte das Huhn auf. „Und so ist es bis heute geblieben“, meint seine Frau. Die große Liebe des Gristower Rentners gehöre den Tieren. Wann immer seine zwei- und vierbeinigen Haustiere ein Wehwehchen haben, „der Dieter pflegt sie, bis sie wieder gackern, schnattern, zwitschern“, sagt die Gattin augenzwinkernd.

Auch sie ist längst von der Tierliebe ihres Mannes infiziert worden. Neben allerhand Geflügel und Vögeln gehören auch ein schwarzer, gut genährter Kater, Goldfische, Frösche und Fanny, der Islandhund, zur Familie. Willi, ein Papagei aus eigener Zucht, ist nur auf Annemarie Richert geeicht. Mit ihr erzählt er, ihr springt er auf die Schulter. „Nach mir hackt der Vogel nur“, meint Ehemann Dieter. Da hält er sich doch lieber an Seppel und Koko, die anderen beiden Blaustirnamazonen. Die sind ihm zugetan. Genau wie seine 30 Japanischen Mövchen und die 20 Kanarien.

Erstaunte Blicke auf das wild durcheinander flatternde Vogelvolk quittiert er mit einem Lachen: „Das ist doch gar nichts. 1963 habe ich mit der Vogelzucht begonnen. Zeitweise hatte ich bis zu 38 verschiedene Arten“, berichtet er und zeigt stolz auf die Pokale, die er als Landesmeister Ziergeflügel/Exoten für seine Mövchen bekam.

Sogar Waldvögel hat er gehalten: „Dompfaffen, Stieglitze und Zeisige waren dabei“, erinnert er sich. Doch jetzt, da er älter sei, müsse er sich eben etwas einschränken, meint er. Deshalb habe er auch dieses Jahr zum letzten Mal zehn Enten im Bestand. „Die ganzen Tiere machen ja auch allerhand Arbeit“, sagt er. „ Zum Glück wollten weder meine Frau noch ich jemals große Reisen machen. Die Zeit haben wir lieber mit unseren gefiederten Freunden zugebracht.“

Noch immer bestimmen die Tiere den Tagesablauf des Ehepaares. „Morgens, wenn wir unser Frühstück beendet haben, geht‘s los. Dann schnippelt er Äpfel, Möhren, Bananen, mischt Körner“, erzählt Annemarie Richert. Welch Glück, dass die 100 Goldfische im Teich mit Fertigfutter zufrieden sind und die sechs dicken Frösche am Ufer ihre Mahlzeit selbst fangen. Doch ohne Tiere möchte das Paar nicht leben. „Da würde uns was fehlen“, bekennen beide. Außerdem wäre ihnen dann das Ei im Ei entgangen. Und über diese Sensation ist 2009 sogar schon in Fachzeitschriften spekuliert worden.

Serie

Tierische
Lieblinge
Geschichten gesucht
Das Ei im Ei ist schon ein Ding. Aber ganz sicher nicht die einzige unglaubliche Tier-Geschichte, die sich in heimischen Hühnerställen, Hundehütten, Katzenkörbchen und Vogelkäfigen abspielt. Gern würden wir weitere Geschichten über die tierischen Lieblinge unserer Leser und deren Vorlieben, Späße und Abenteuer aufschreiben.
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Cornelia Meerkatz

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