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Greifswald Die ersten „Giftfässer“ sind gehoben
Vorpommern Greifswald Die ersten „Giftfässer“ sind gehoben
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00:01 17.08.2016
Das Gebiet ist seit April dieses Jahres abgesperrt.

Beim Blick ins Ladebower Sperrgebiet nahe der Max-Reimann-Straße überkommt Heino Förste (Linke) derzeit Freude. Gegenüber der Kleingärten hinter einem mannshohen Zaun zwischen Bäumen und Sträuchern liegen vier braune Fässer. Am Montag habe er beim Spazierengehen gesehen, wie sie gehoben wurden. „Wir sind sehr dankbar, dass endlich etwas geschieht“, sagt er als Bürger und als stellvertretender Leiter der Ortsteilvertretung Wieck/Ladebow (OTV).

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In Ladebow wurden möglicherweise umweltschädliche Stoffe vergraben und nun geborgen

Seit 2010 hat das Gremium mehrfach darauf hingewiesen, dass an der Stelle in den 1970er Jahren zwölf Fässer vergraben wurden. Ihr angeblicher Inhalt: Ölhaltige Fahrzeugreinigungsmittel der Nationalen Volksarmee (NVA). Ein Zeitzeuge hatte die Ortsteilvertreter darüber informiert. Doch lange Zeit passierte gar nichts. Erst Anfang dieses Jahres machten Förste und der OTV-Vorsitzende Bernd Lieschefsky (Bürgerliste) noch einmal in der OSTSEE-ZEITUNG auf das Problem aufmerksam. Danach wurden auch die Behörden aktiv. „Wenn die Fässer durchrosten, tritt Flüssigkeit aus“, warnte Lieschefsky damals. Schon geringfügige Mengen würden viele Kubikmeter Trinkwasser „versauen“.

Ob die bisher gehobenen 200-Liter-Behälter dem Zahn der Zeit standgehalten haben, war von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gestern nicht zu erfahren. Die Geländeuntersuchungen würden heute abgeschlossen, so Bima-Pressesprecher Thorsten Grützner. „Nach erster Einschätzung des Materials handelt es sich um Farb- und Konservierungsstoffe, von denen kein erhöhtes Risiko für Mensch und Umwelt ausgehen dürfte.“ Da sich das Gefährdungspotenzial aber gegenwärtig nicht abschätzen lasse, wurden ein zertifizierter Entsorgungsbetrieb mit dem Abtransport beauftragt. „Die Funde werden kurzfristig vollständig entsorgt. Das verbleibende Bodenmaterial wird zur Dokumentation und Bewertung im Labor untersucht“, so Grützner. In Kürze sollen die Arbeiten auf dem Gelände abgeschlossen sein. Im Vorfeld hatte die Bima Unterstützung bei der Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten mbH (Gesa) angefordert. Sie sollte eine Altlastenuntersuchung machen. Im Rahmen dessen wurden die Zeitzeugenaussagen überprüft. Heino Förste ist stolz darauf, dass der Stein durch das Engagement der Ladebower ins Rollen gebracht wurde, gibt aber auch zu bedenken, dass es „mühselig“ war, mit den Verwaltungen zu arbeiten. Letztlich freue er sich, dass „die Wünsche der Bürger“ ernst genommen wurden.

Nachdem Förste und Lieschefsky den Sachverhalt noch einmal ins öffentliche Bewusstsein riefen, stärkten ihnen auch Mecklenburg-Vorpommerns Infrastrukturminister Christian Pegel und die Bundestagsabgeordnete Sonja Steffen (beide SPD) den Rücken. Sie forderten vom Bund eine schnelle Aufklärung in der Frage um die „Giftfässer“ in Ladebow. Das jetzt etwas geschehe, wertete Pegel gestern als „schönes Signal“. Ob tatsächlich politisches Handeln ausschlaggebend war, ist aber offen.

Auch sind längst nicht alle Fragen beantwortet: Was war wirklich in den Fässern? Wie stark belastet ist der Boden? Wird der Zaun, mit dem das Gelände seit April komplett abgesperrt ist, wieder abmontiert? Oder ist möglicherweise von weiterem Umweltfrevel auszugehen? Hierzu wird die Bima noch Antworten liefern müssen.

Stichwort Bima

11 Jahre ist die Gründung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (kurz: Bima) her. Sie verwaltet und verwertet die Grundstücke und Immobilien, die dem Bund gehören. Dazu gehören auch zahlreiche Gelände, die früher militärisch genutzt wurden, so eben auch die Fläche in Ladebow. Eigener Auskunft nach umfasst das Portfolio fast 500000 Hektar und 38 000 Wohnungen. Vor der Gründung der Bima waren die Aufgaben auf mehrere Behörden verteilt, die nach dem 1. Januar 2005 aufgelöst wurden. Sitz der Behörde ist in Bonn.

• www.bundesimmobilien.de

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