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Greifswald Die ersten Lehrlinge legen los – Bürojobs sind weiter im Trend
Vorpommern Greifswald Die ersten Lehrlinge legen los – Bürojobs sind weiter im Trend
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02:24 06.08.2016
Die Sparkasse Vorpommern hat alle Ausbildungsstellen besetzt. Die neuen Kollegen von Vorstandschef Ulrich Wolff heißen Eileen Wittig, Paul Grünzner, Markus Klaeske, Annika Pohle, Nora Gebhardt, Marina Kopplin, Marie Walter, Johannes Wolf und Alexander Kell (v.l.). Quelle: Jens Schultz

Endlich Wochenende! Viele Lehrlinge in Greifswald und Umgebung können heute zum ersten Mal seit ihrem Ausbildungsbeginn ausschlafen. Rund die Hälfte aller Lehren im Landkreis hat am Montag begonnen. „1000 Ausbildungsverhältnisse sind schon vereinbart worden“, überschlägt Ellen Grull von der zuständigen Industrie- und Handelskammer (IHK) Neubrandenburg. Sie hofft, dass es wie 2015 insgesamt 1500 werden. „Zurzeit sind wir in der Hochphase des Vertragsmanagements. Da ist bis Dezember viel Bewegung drin“, sagt die Leiterin des Bereichs Aus- und Weiterbildung.

Nach fünf Semestern Theologie habe ich gemerkt, dass das nichts für mich ist. Ein Freund hat mich einer Firma in Berlin empfohlen.“Christopher Denda
Mein Werdegang zur Lehrerin war geradlinig. Studium, Aus- landssemester, Beruf. Die Entscheidung bereue ich nicht.“Juliane Ladstätter (38)
Ich habe mein Jurastudium wegen einer Schwanger- schaft abge- brochen. Jetzt bin ich Verwaltungsfachangestellte.“ Maren Stöwert (28)
Zehn Jahre habe ich als Reinigungs- kraft gear- beitet und Depressionen gekriegt. Nun habe ich einen Nebenjob im Bioladen.“ Silvia Niebuhr (60) Umfrage: Olivia Stracke
Nach fünf Semestern Theologie habe ich gemerkt, dass das nichts für mich ist. Ein Freund hat mich einer Firma in Berlin empfohlen.“Christopher Denda
Mein Werdegang zur Lehrerin war geradlinig. Studium, Aus- landssemester, Beruf. Die Entscheidung bereue ich nicht.“Juliane Ladstätter (38)
Zehn Jahre habe ich als Reinigungs- kraft gear- beitet und Depressionen gekriegt. Nun habe ich einen Nebenjob im Bioladen.“ Silvia Niebuhr (60) Umfrage: Olivia Stracke
Ich habe mein Jurastudium wegen einer Schwanger- schaft abge- brochen. Jetzt bin ich Verwaltungsfachangestellte.“ Maren Stöwert (28)

In diesen Jobs gibt es in Greifswald und Umgebung noch freie Lehrstellen: Gesucht werden 15 Fleischer, 7 Verkäufer, 6 Gärtner, 5 Lagerlogistiker und je 4 Bürokaufleute, Anlagenmechanker und Metallbauer.

Alle Infos: ☎ 0800 / 4 55 55 00,

www.arbeitsagentur.de

Dass alle 1500 Lehren tatsächlich zu Ende geführt werden, ist aber unwahrscheinlich. 32,8 Prozent der Ausbildungsverträge im Bundesland werden vorzeitig aufgelöst. „Das heißt zwar nicht immer, dass die Lehre einfach abgebrochen wird“, teilt Kristina Birkholz von der Greifswalder Arbeitsagentur mit. Es könne auch sein, dass der Azubi den Betrieb wechselt, weil er zum Beispiel woanders passendere Bedingungen vorfindet oder mit den Vorgesetzten besser zurechtkommt. „Aber der Wert ist trotzdem sehr hoch“, meint Birkholz. Nur in Sachsen-Anhalt (33,5 Prozent) ist er höher.

Freie Stellen gänzlich ohne Bewerber

Veröffentlicht wurde er im Berufsbildungsbericht des Bildungsministeriums. In dem Dokument steht auch, dass im vergangenen Jahr 17,2 Prozent der angebotenen Stellen unbesetzt blieben – bundesweit der höchste Wert. Oft sind die schulischen Vorkenntnisse der Bewerber nicht ausreichend. Betriebe bemängeln das seit Jahren. Die Lage verschärft sich offenbar weiter. Unternehmen finden nicht nur immer schwerer geeignete Leute, auf so manche offene Stelle gibt es nicht mal eine einzige Bewerbung.

120 Kilometer zur Berufsschule

Ellen Grull von der IHK bestätigt das. „Bei unseren letzten Abfrage gab jedes zweite Unternehmen an, dass nicht mehr alle Ausbildungsplätze besetzt werden konnten.“ Vor allem im Hotel- und Gaststättenbereich sei das der Fall. Auch die Berufsschulstrukturen spielten da mit rein. So muss etwa ein Fleischerlehrling aus Heringsdorf auf der Insel Usedom ins 120 Kilometer entfernte Malchin zum Unterricht. Das macht eine Stelle nicht gerade attraktiver. „Deshalb sind viele Betriebe zum Beispiel auch gewillt, Kosten für die Unterkunft oder die Fahrt zu übernehmen oder etwas dazuzugeben“, sagt Grull.

Beliebt hingegen bleiben nach wie vor Bürojobs. Beispielsweise hat die Sparkasse Vorpommern keine Probleme, jedes Jahr „um die zehn“ Ausbildungsplätze zu vergeben. „Es ist auch selten, dass ein Vertrag vor Ende aufgelöst wird“, sagt Marion Schöbel, die in der Bank für das junge Personal zuständig ist.

Auch die Stadtverwaltung kann nicht über Bewerbermangel klagen. „Auf die ausgeschriebenen sieben Ausbildungsstellen bewarben sich insgesamt 141 Personen“, sagt Bärbel Lenuck von der Pressestelle.

Zusätzlich bietet das Rathaus zwei duale Studienplätze an, auf die sich 84 Personen bewarben.

Ausbildung anno dazumal: So erging es OZ-Redakteuren

1968 Die Werbung für eine Ausbildung begann in der 8. Klasse. Vertreter der Textilindustrie in Sachsen und des Mansfelder Kupferbergbaus kamen in meine Schule nach Arneburg/Altmark. Es hieß, dass von außerhalb nur diese Betriebe bei uns Lehrlinge rekrutieren durften. Ansonsten blieb die Region. Anderes hätte begründet werden müssen.

Ausbildungsplätze waren geplant, jeder bekam einen. Mein Vater, selbstständiger Tischler, durfte damals nicht ausbilden. Ich war einer von zwei Schülern, die 1968 an die Erweiterte Oberschule Stendal delegiert wurden. So hieß das, wenn man Abitur machen sollte/wollte. Auch Studienplätze waren geplant. Ich bewarb mich vergeblich für Mathe, ließ mich auf Lehrer umlenken (da wurden Männer gesucht), um der aggressiven „Werbung“ für drei Jahre Armee zu entgehen. Beim Grundwehrdienst bewarb ich mich mit Erfolg um ein Chemiestudium.

Mein Tipp: Sich fragen, wie man sich das Leben in 20 Jahren vorstellt.

1986 begann ich nach dem Abi mein Volontariat bei der OSTSEE-ZEITUNG – überglücklich, denn die Plätze waren rar. Ich musste mich dafür bereits in der 11. Klasse bewerben. Es hieß, ohne Beziehungen stünden die Chancen schlecht. Da meine Familie über derlei „Beziehungen“ nicht verfügte, arbeitete ich schon frühzeitig als „Volkskorrespondent“ bei der OZ. Denn mit 14 stand für mich fest: Journalist – das ist es! Ich fing quasi in der 8. Klasse an, mir meinen Berufswunsch zu erfüllen, schrieb kleine Artikel, fotografierte, absolvierte Praktika. Innerhalb des Volontariats gab es dann noch eine Hürde: Die Aufnahmeprüfung für das Journalistikstudium. Was, wenn ich die vermasselt hätte? Auf 100 Plätze an der Uni Leipzig kamen 500 Bewerber. Ich hatte nie einen zweiten Berufswunsch. Der erste ging in Erfüllung. Mein Tipp: Intensiv informieren und mit Leuten reden, die für ihren Job brennen.

2000 war es riesiges Glück, eine Lehrstelle zu bekommen. Das bläuten mir jedenfalls meine Lehrer ein. Also nahm ich erstmal, was ich kriegen konnte. Vor dem Abitur hatte ich dann aber schon zwei Ausbildungen wieder abgebrochen: Erzieher nach einem Jahr, Verlagskaufmann nach zehn Tagen. Nach der Schule wusste ich immer noch nicht, wohin mit mir. Drei Jahre in Berlin und neun unterschiedliche Jobs folgten. Dann ging ich doch noch an die Uni. Meinen Master habe ich abgebrochen, weil mich die OZ nahm. Während des Volontariats ließ ich auch das kaum erhellende Journalismus- Fernstudium bleiben. Zwei Ausbildungen und zwei Studien abgebrochen, existenzielle Fragen, viele Erfahrungen auf der Suche nach Antworten und der Zwang, Geld zu verdienen: Die Qual der Wahl macht das Leben nicht einfacher. Die Freiheit zu entscheiden macht am meisten Spaß, wenn man weiß, was man will. Weiß man es nicht, muss man es herausfinden. Mein Tipp: Niemals aufgeben.

Kai Lachmann Eckhard Oberdörfer Petra Hase Kai Lac

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