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Die verzweifelte Suche nach Saison-Personal

Zinnowitz/Wolgast Die verzweifelte Suche nach Saison-Personal

Auf dem Arbeitsmarkt sind noch rund 300 Stellen im Hotel- und Gaststättengewerbe frei / Dehoga: Junge Leute von der Couch locken, die noch in der „sozialen Hängematte“ leben

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Vielerorts werben Einzelhändler, aber auch Privatpersonen um Personal. Oft dauert die Suche monatelang. Kollage: Benjamin Barz

Zinnowitz/Wolgast. Freundliche Mitarbeiter, nette Kollegen, gutes Personal – egal, wie die Unternehmer ihre Schilder formulieren, alle haben das gleiche Problem: Kurz vor der Urlaubssaison fehlt ihnen das Personal. Laut Bundesagentur für Arbeit klafft im Hotel- und Gaststättenbereich des Landkreises Vorpommern-Greifswald eine Lücke von 365 Stellen, die noch besetzt werden können. Vorausgesetzt, die Bewerber wollen es auch. Den Löwenanteil nimmt dabei die Insel Usedom mit 293 offenen Stellen ein. Ob Kellner, Reinigungskräfte oder Barkeeper – fast alles wird gesucht.

Jemand, der davon ein Lied singen kann, ist der Zinnowitzer Unternehmer Jörg Borchardt, der die „Fischkiste“ betreibt. „Ich würde sofort zwei Verkäuferinnen einstellen. Wenn sie qualifiziert sind, können sie heute noch arbeiten“, sagt er. Noch im Spätherbst des vergangenen Jahres veröffentlichte er auf seiner Facebook-Seite und beim Jobcenter eine Stellenanzeige. „Das hat leider nicht gefruchtet. Ich habe wirklich lange gesucht“, bedauert er.

„Wir müssen diejenigen aktivieren, die nur auf der Couch sitzen und sich vom Staat aushalten lassen“, sagt Peter Drechsler, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gasstättenverbandes (Dehoga) Ostvorpommern. „15 Prozent aller Schulabsolventen hocken im jungen Alter zu Hause rum. Das sind leider keine guten Nachrichten“, sagt er. „Auf der Insel entstehen immer mehr Hotelanlagen. Und alle brauchen gutes Personal. Auch in Polen ist nicht mehr viel zu holen, denn viele polnischen Kräfte arbeiten schon hier. Und nur wenige Arbeitnehmer ziehen auf die Insel, nur um in der Saison zu arbeiten. Heißt: Wir müssen diejenigen in die Unternehmen bringen, die bisher keine Lust hatten“, sagt er. In Zusammenarbeit mit dem Jobcenter will Drechsler demnächst eine Aktion starten, um die Berufe in der Hotel- und Gasstättenbranche attraktiver zu machen. „Hilfskräfte zu bekommen ist kein Problem, Facharbeiter schon“, sagt Petra Bensemann, Hoteldirektorin im „Das Ahlbeck“ in Ahlbeck.

„Deshalb setzen wir auf eine gute Ausbildung, um die Fachkräfte nach der Lehre an uns zu binden“, erklärt sie.

In dieser Zeit des Jahres sei es sowieso schwer, gute Kräfte zu bekommen. „Das geht vielen Kollegen in der Branche so, denn die Abschlussprüfungen der Azubis sind noch nicht vorbei. Erst im Juli endet die Ausbildung zum Hotelkaufmann, Restaurantfachmann und so weiter“, sagt sie.

Petra Bensemann bietet künftigen Arbeitskräften nach eigenen Angaben gute Bedingungen. „Sie bekommen von uns sogar eine Unterkunft gestellt“, sagt sie. Das Ziel der Branche sollte es aber sein, keine Mitarbeiter mehr zu entlassen. „Unser Personal verfügt über Ganzjahresverträge, weil immer mehr Urlauber in der Nebensaison auf die Insel kommen.“ Die Hoteldirektorin setzt bewusst bei bestimmten Posten auf Qualifikationen. „Ich habe wirklich nichts gegen Polen oder andere Nicht-Deutsche, aber die Mitarbeiter müssen den Gast verstehen. Das ist ein Qualitätsmerkmal. Um gutes Personal zu bekommen, muss man im Vorfeld auf allen Internetportalen oder Zeitungen auf sich aufmerksam machen. Sonst geht das Personal woanders hin“, erklärt sie.

Jemand, der im Sommer auf Kräfte aus Polen setzt, ist mitunter das Steigenberger Hotel in Heringsdorf. „Wir haben ein paar polnische Studenten. Dass es hier Arbeit gibt, spricht sich bei denen schnell rum. Sie sind aber nur für die Bar, am Pool oder am Tresen eingesetzt“, sagt Caroline Heineking, Personalleiterin im Steigenberger Hotel.

Hannes Ewert

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