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Greifswald Dringende Probleme: Verkehr, Werft und Breitbandausbau
Vorpommern Greifswald Dringende Probleme: Verkehr, Werft und Breitbandausbau
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00:03 04.05.2018
Die Insel muss ein Erhebungs- und Erholungsgebiet werden.Michael Raffelt, Tourismusverband
Rankwitz

Sieben auf einen Streich – so viele Bewerber für das Amt des höchsten Repräsentanten des Landkreises Vorpommern-Greifswald hat es noch nicht gegeben. Sie, das sind Dr.

Monique Wölk (SPD), Ulrike Berger (Grüne), Michael Sack (CDU), Axel Gerold (AfD), Dirk Scheer, Andreas Suttor und Kai-Uwe Ottenbreit (alle parteilos), stellten sich am Mittwochabend beim OZ-Forum im Rankwitzer Hof den Fragen der rund 100 Zuhörer. Moderiert wurde der Abend von Dr. Steffen Adler, Leiter der Lokalredaktion Zinnowitz.

Verkehrskonzept, Breitbandausbau, Bildung, Werft, Straßenausbaubeiträge und Finanzausstattung der Kommunen – all diese Themen kamen in den gut zweieinhalb Stunden zur Sprache. Zunächst aber stellten die Kandidaten, die sich am 27. Mai zur Wahl stellen, ihre Sicht dar, wie sie die Arbeit eines Landrates sehen. Als „Mittler zwischen Kreistag und Verwaltung sowie Motor und Visionär“, sieht Michael Sack diese Funktion. Monique Wölk ergänzte: „Mittler zwischen Verwaltung und Bürger sowie Repräsentant“. Von einer „Integrationsfigur“ sprach Andreas Suttor. „Es muss eine starke Landrätin sein, die gegenüber der Landesregierung laut ist“, findet Ulrike Berger.

Zögerlicher Breitbandausbau

Die Forderung nach einer besseren Breitbandversorgung teilten alle Kandidaten. Nur bei der Umsetzung unterschieden sich die Meinungen. „Man sollte sich nicht nur an Großkonzerne wie die Telekom hängen. Es gibt Beispiele, dass man es auch mit kleinen Firmen machen kann. Schnelles Netz ist auch für die Telemedizin im ländlichen Raum ganz wichtig“, so Scheer. Den Breitbandausbau über einen kommunalen Eigenbetrieb zu realisieren, schlug dagegen Ulrike Berger vor. „Der Kreis muss es in die Hand nehmen“, so die Grünen-Kandidatin.

Küstenschutzboote für die Saudis: Für und Wider

Sie wäre die Kandidatin für Rüdiger Franzke aus Neu Sallenthin, der seine Entscheidung auch von der Haltung zum Bau der Küstenschutzboote für Saudi-Arabien auf der Wolgaster Peene-Werft abhängig macht. Er lehnt das ab. „Dort muss man keine Kriegswaffen bauen“, so Franzke. „Ich bin auch dagegen. Man sollte für die Werft nach Alternativen suchen“, so Ulrike Berger. „Ich bin ihr Mann. Ich lehne das auch ab“, meinte Kai-Uwe Ottenbreit. Für Monique Wölk zählen die 300 Arbeitsplätze auf der Werft, die „für die Region sehr wichtig sind“. Das sei Bundespolitik und werde auf kommunaler Ebene nicht entschieden“, äußerte sich Axel Gerold.

Kritik am Kreis: Ablehnung der Gemeinde wird ersetzt

Die Kreis- und Landespolitik sind allerdings gefragt, wenn es um die aufgeworfene Frage zu Ablehnungen von Bauvorhaben in den Gemeindevertretungen geht. „Regelmäßig wird vom Landkreis das gemeindliche Einvernehmen ersetzt“, kritisierte Jörn Dahms, stellvertretender Rankwitzer Bürgermeister. „Die Ersetzung kann nur eine Ausnahme sein“, so Axel Gerold. „Das ist ernüchternd und deprimierend, wie wenig sie in einer Gemeindevertretung zu entscheiden haben“, sagt Michael Sack, Loitzer Bürgermeister und Kreistagspräsident. Der CDU-Mann findet es „hochgradig ungerecht“, dass Anwohner bei der Sanierung von Gemeindestraßen mit Ausbaubeiträgen zur Kasse gebeten werden. „Bei Kreis-, Landes- und Bundesstraßen ist das nicht der Fall.“

Verkehr: Konzepte und autofreier Inselnorden

Besonders laut, wenn es um das Thema Verkehr geht. Von „staugeplagten Insulanern“ sprach Steffen Adler und gab die Frage weiter, wie schnell und nachhaltig die Verkehrssituation auf Usedom verbessert werden kann. „Wir brauchen ein Verkehrs- und Tourismuskonzept für die Insel, eine Ortsumgehung in Zirchow, mehr Kreisverkehre und die Südanbindung per Schiene über die Karniner Brücke“, so Ulrike Berger. „Dazu gehört auch die Ortsumgehung Wolgast“, fügte Dirk Scheer hinzu. Für den derzeitigen Sozialsenator des Landkreises sollten die Ideen auf den Tisch, um dann mit einer Insel-Stimme gegenüber dem Land aufzutreten. „Die Konzepte sind längst da. Wir müssen endlich mal über die Umsetzung reden“, sagte Sebastian Ader, Vorsitzender des Insel-Tourismusverbandes.

Gegen den weiteren Ausbau der Infrastruktur sprach sich Andreas Suttor aus: „Der Nordteil der Insel sollte autofrei sein. Shuttlebusse müssen pendeln, E-Autos per Carsharing bereitstehen.“ Autofrei – „für so eine radikale Lösung ist die Zeit noch nicht reif“, entgegnete Karl-Heinz Sundmacher vom Heimatverein „Lieper Winkel“, der den Abend in die Reihe „Lieper Klöneck“ integrierte. Als einen Schlüssel für eine bessere Anbindung betrachtet Michael Sack den Flughafen Heringsdorf. „Das ist der einzige Airport, der Geld einfliegt.“ Den Flughafen stärker ins Tourismuskonzept der Insel einzubinden, forderte Monique Wölk.

Henrik Nitzsche

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