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Greifswald Der „Schwarze Mann“ ist sesshaft geworden
Vorpommern Greifswald Der „Schwarze Mann“ ist sesshaft geworden
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12:21 09.02.2019
Rolf Marquardt freut sich an seinem 75. Geburtstag über den Besuch von Christa Freygang. Quelle: Peter Freygang
Zinnowitz

Schwarzes Gesicht, schwarze Hände und ein umgehängter schwarzer Schlafsack waren seine Markenzeichen und brachten ihm seinen Namen ein: „Schwarzer Mann“. Unter dieser Bezeichnung ist Rolf Marquardt, so sein bürgerlicher Name, in den Jahren kurz nach der Wende bis 2008 in die Geschichte der Insel Usedom eingegangen. Unablässig wanderte der Obdachlose damals zwischen Wolgast Ahlbeck über die Bundesstraße 111, wobei sich Zinnowitz als der Ort herauskristallisierte, wo er sich am häufigsten aufhielt.

Am 26. Januar feierte Rolf Marquardt im Diakoniewerk Ducherow seinen 75. Geburtstag. Dort lebt er seit 2008. Besuch zum 75., wie schon zuvor bei jedem anderen Geburtstag, bekam er von lieben Freunden: Peter Freygang und seine Frau Christa. Sie waren es, die sich des Mannes damals in Zinnowitz angenommen hatten und ihn letztlich dazu brachten, doch wieder sesshaft zu werden.

Schlafgelegenheit auf dem Kohlenplatz

Den „Schwarzen Mann“ kannte auf der Insel und in Wolgast damals so ziemlich jeder. Tagein, tagaus lief er bei bei jedem Wetter auf der B 111. „Nachts schlief er zu seiner eigenen Sicherheit oft auf dem früheren Kohlenplatz in Zinnowitz am Anfang des Möskenweges“, erinnert sich Peter Freygang. Marquardt war als Heimatvertriebener aus Ostpreußen mit seiner Familie bei Altentreptow gelandet. Dort arbeitete er als Traktorist.

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Als seine Ehe zerbrach, wollte niemand wegen seiner psychischen Auffälligkeiten mehr etwas von ihm wissen. So zog er los als Trebegänger. Der Tippelbruder wurde der „Schwarze Mann“ mit zwei zerlumpten Beuteln, in denen sich seine Habseligkeiten befanden. „Weil Rolf Marquardt immer mehr in Zinnowitz blieb, verwaltete eine bei der Gemeinde angestellte Sozialarbeiterin sein Taschengeldkonto. Doch als sie über Nacht den Dienst quittierte, hatte er kein Geld mehr für Essen und Trinken“, weiß Freygang.

Zum Glück gab es hilfsbereite Zinnowitzer. Sie gaben ihm Nudelgerichte und kleine Geldspenden für Kaffee. Aus Alkohol machte er sich nichts.

Füße waschen im Obdachlosenheim

Damals begann der Kontakt zu Peter Freygang. „Er hat nie gebettelt und fiel nie jemanden zur Last“, sagt dieser. Wenn großer Frost drohte, sorgte er mit Hilfe von Dr. Born für eine Überweisung des „Schwarzen Mannes“ ins Wolgaster Krankenhaus. „Die Mitarbeiter auf der Inneren steckten ihn erst mal in eine Badewanne und entsorgten seine Kleider. Langjährige Zinnowitzer Feriengäste sorgten sich um den Mann, als es gesundheitlich für ihn bedrohlich wurde. Und Frau Wamser aus Zinnowitz verdankt er neue Stiefel, nachdem ihm im Obdachloseheim die Füße gewaschen und neue Strümpfe angezogen worden waren. Weil er die alten, zerfledderten Stiefel wieder anziehen wollte, hat sie ihm diese geklaut“, berichtet Freygang.

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Neues Zuhause im Diakoniewerk

Nicht zu bewegen war der „Schwarze Mann“, zum Amtsgericht zu gehen. Er war zu DDR-Zeiten unfreiwillig in eine Nervenklinik eingewiesen worden. Daher kam damals die zuständige Familienrichterin Reimer ins Zinnowitzer Obdachlosenheim und bestellte Peter Freygang zum Betreuer von Rolf Marquardt. „Leicht war es für mich nicht, ihn von der Obdachlosigkeit zu befreien. In einer Wohngruppe in Ueckermünde riss er nach der ersten Nacht wieder aus und fand sich im Krankenhaus wieder. Der Chefarzt wollte ihn in der geschlossenen Abteilung unterbringen. Das war für ihn und mich undenkbar“, so Freygang. Dass er letztlich doch dort blieb, war der Fürsorge der Ärztinnen und Pfleger zu verdanken. „Rolf ging erst, als die Krankenkasse seinen Aufenthalt nicht mehr bezahlte“, sagt sein Betreuer.

Peter Freygang suchte für Rolf Maquardt eine neue Bleibe – und fand sie im Diakoniewerk Bethanien in Ducherow. Seit Februar 2008 hat im dortigen Pflegeheim einen einen Platz im Doppelzimmer. Pflegekasse und Sozialamt übernahmen seitdem die Kosten für ihn. „Rolf und ich sind beide Wandersleute. Bei schönem Wetter umrunden wir die Anlage des Diakoniewerkes mit langem Weg über die nahen Felder. Allein geht Rolf inzwischen nicht mehr aus dem Haus“, erzählt Freygang.

Cornelia Meerkatz

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