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Greifswald Ein Flop, der zum Welterfolg wurde
Vorpommern Greifswald Ein Flop, der zum Welterfolg wurde
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15:58 09.10.2018
Die Fledermaus Greifswald mit Thomas Rettensteiner als Gabriel von Eisenstein. Quelle: Vincent Leifer/theater Vorpommern
Greifswald

Sie ist eine der wohl bekanntesten und in Folge dessen auch meist gespielten Operetten der Welt: „Die Fledermaus“ von Johann Strauss. Und genau mit ihr eröffnet das Theater Vorpommern in diesem Jahr seine neue Spielzeit. Sonnabend ist es nun auch in Greifswald so weit, nachdem das Stralsunder Publikum die Aufführung bereits vor drei Wochen mit viel Applaus feiern durfte. Und wie nicht anders zu erwarten, ist die Premiere fast ausverkauft. Aber keine Angst, liebe Operettenfreunde, bis ins Frühjahr hinein gibt es 21 Aufführungen in Greifswald, Stralsund, Heringsdorf und in Putbus. Ein Höhepunkt wird in Greifswald sicher auch der Silvesterabend sein, an dem „Die Fledermaus“ auf dem Spielplan steht. Der Vorverkauf ist bereits in vollem Gange. Was macht nun das Stück, das 1874 bei seiner Uraufführung in Wien übrigens floppte, so populär? Zuallererst ist es natürlich die Musik. „Die Fledermaus“ quillt über vor Ohrwürmern, allesamt Gute-Laune-Songs, die sowohl zum Mitschnipsen, Schunkeln und natürlich zum Tanzen animieren. Zuhauf gibt es Trinklieder: Wer kennt nicht das berühmte Champagnerlied „Im Feuerstrom der Reben“ oder das Duett „Trinke Liebchen, trinke schnell“.

Die Premiere am kommenden Sonnabend in Greifswald ist so gut wie ausverkauft.Die nächsten Vorstellungen sind am 21.Oktober und am 10. November.

„Die Musik in der Operette passt sich seismografisch dem Handeln an“, erklärt Generalmusikdirektor Florian Csizmadia, der die musikalische Leitung innehat und der die vorpommersche Philharmonie natürlich zu Höchstleistungen herausfordern will. Das sei es, warum „Die Fledermaus“ aus vielen Operetten herausrage, erklärte er auf der Matinee am vergangenen Sonntag. Strauß sei einer der ersten Unterhaltungsmusiker, der sozusagen eine Trade Mark geschaffen hat, meint Csizmadia.Natürlich ist es aber auch die Handlung, die immer wieder ankommt, weil sie lasziv-provokant vom Lieben und Entlieben handelt und deshalb von jedermann nachvollzogen werden kann, wie es der aus dem Ruhrgebiet stammende Regisseur Kay Link auf den Punkt bringt. „Es ist eine Ehebruchskomödie“, sagt er. Und damit eine Geschichte aus dem Leben. Mit durchaus ernstem Hintergrund. Denn bei der Entstehung der „Fledermaus“ kippte im damaligen Wien gerade die wirtschaftliche Situation. Eine Finanzblase platzte, was viele Mittelständler in den Ruin trieb. Parallel zur Arbeitslosigkeit stieg die Selbstmordrate. Musikdramaturgin Katja Pfeifer sagt, dass die Situation durchaus vergleichbar war mit der Lehman Brother-Pleite 2008 und der damit einhergehenden weltweiten Finanzkrise.

Und es gibt noch mehr aktuelle Bezüge: Während sich der damalige Adel in dekadente Endzeitstimmung flüchtete und feierte, als ob es kein Morgen gäbe, zerfiel in bürgerlichen Kreisen die bis dato stabile Wertebasis von Ehe, Vertrauen und Gesetzestreue. Man belog und betrog sich und suchte die schnelle Ablenkung. Die Besucher können sich also nicht nur auf ein turbulentes Bühnengeschehen freuen, das mal schnell vom opulenten Ballsaal ins karge Gefängnis wechselt, es werden auch starke Stimmen zu hören sein: Gunta Cese und alternativ Adelya Zabarova singen die Rosalinde, Katarzyna Rabczuk deren Hausangestellte Adele und Franziska Ringe ihre Schwester Ida. Thomas Rettensteiner verkörpert den Gabriel von Eisenstein und Semjon Bulinsky, neu im Ensemble des Theaters Vorpommern, spielt den Gesangslehrer Alfred, den Geliebten von Rosalinde. Seine Feuertaufe hat der Schweizer bereits bei der italienischen Opernnacht zum Ausklang der letzten Spielzeit bestanden.

Weiter zu erleben sein werden Alexandru Constantinescu als Notar Falke, Pihla Terttunen als Prinz Orlofsky, Maciej Koslowski als Gefängnisdirektor Frank und Bernd Roth und Maxim Vinogradov – beide kommen aus dem Opernchor – alternativ als Anwalt Dr. Blind. Besonders stolz ist das Theater Vorpommern darauf, dass es mit Thorsten Krohn einen prominenten Charakterdarsteller aus München für die Rolle des Gerichtsdieners Frosch verpflichten konnte. „In ihm steckt ein Clown“, verrät Regisseur Kay Link schon mal vorab. Krohn, der zuletzt mit dem Schwabinger Kunstpreis und dem Deutschen Schauspielerpreis ausgezeichnet wurde, hat bereits auf so namhaften Bühnen, wie dem Nationaltheater Mannheim oder der Münchner Schauburg gestanden und ist zudem aus zahlreichen Fernseh- und Filmproduktionen bekannt (siehe Interview rechts).

Reinhard Amler

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