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Ein Großauftrag für eine Vision

Greifswald Ein Großauftrag für eine Vision

Die Berliner Firma UTB hat ein Jahr Zeit, das komplette Areal am Ryck zu entwickeln / 20 Prozent der Wohnungen dürfen maximal 7,50 Euro kalt pro Quadratmeter kosten

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Ein kleiner See hat sich auf dem Areal an der Hafenstraße gebildet. 2021 soll die Bebauung beginnen.

Quelle: Foto: Peter Binder

Greifswald. Die Erwartungen an das neue Wohngebiet an der Hafenstraße sind riesig. Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) und die Bürgerschaft haben das Ziel, auf dem letzten großen innerstädtischen Baugrund ein Modellprojekt für bezahlbaren Wohnraum umzusetzen. Um das zu verwirklichen, hat das Parlament während seiner jüngsten Sitzung entschieden, das komplette 60000 Quadratmeter große Areal in die Hände der Projektentwicklungsfirma UTB zu geben. Sie ist Profi darin, Konzepte zu entwickeln, die „eine gute soziale Durchmischung“

gewährleisten, wie Geschäftsführer Thomas Bestgen betont.

Eigentumswohnungen auf 40 Prozent der Fläche

„Die UTB hat ein Jahr lang Zeit, das Gebiet zu entwickeln“, sagt OB Fassbinder. Wichtigste Bedingung: 20 Prozent der Wohnungen müssen in die Kategorie bezahlbares Wohnen fallen. Dort dürfen maximal Mieten in Höhe von 7,50 Euro kalt genommen werden. Außerdem: 60 Prozent der Flächen sollen an soziale Träger verkauft werden, dazu zählen beispielsweise das städtische Wohnungsbauunternehmen WVG, die Genossenschaft WGG, das Studierendenwerk oder der Pommersche Diakonieverein. Die restlichen 40 Prozent sind für Eigentumswohnungen reserviert. Sollte die UTB es innerhalb eines Jahres nicht schaffen, für jeden Quadratmeter einen Käufer zu finden und all die gestellten Bedingungen zu erfüllen, fällt das Areal automatisch an die Stadt zurück. „Wir haben dabei keinerlei Risiko“, sagt Fassbinder. Die Kosten würden komplett auf Seiten der UTB liegen.

„Wir haben die Chance auf attraktives Wohnen bei bezahlbaren Mieten in einem lebendigen Stadtteil“, lobt Baudezernent Winfried Kremer. Er gehörte ursprünglich zu den großen Skeptikern, wie sich auf diesem Grundstück bezahlbares Wohnen umsetzen lassen soll. Mittlerweile sei er „vorsichtig optimistisch“. Das liege vor allem daran, dass Bestgen sein Konzept überzeugend rüberbringen könne und seine Firma aus Berlin gute Referenzen hat.

Schwieriger Baugrund sorgt für höhere Kosten

450 bis 550 Wohnungen für insgesamt 1000 Greifswalder sollen gebaut werden. Bei dem Areal an der Hafenstraße handelt es sich keineswegs um idealen Baugrund. Bis in 4,50 Meter Tiefe musste das Erdreich wegen Schadstoffbelastung ausgetauscht werden, wegen der Nähe zum Ryck ist der Wasserstand hoch. Die teuren Bodenarbeiten treiben den Kaufpreis in die Höhe, die späteren Bauarbeiten müssen mit der vergleichsweise kostenintensiven Pfahlgründung erfolgen. Kritiker monieren, warum ausgerechnet auf diesem Filetstück der Hansestadt günstiger Wohnraum verwirklicht werden soll. Fakt ist jedoch, dass die Stadt das Areal zum Verkehrswert verkaufen muss, weil es im Sanierungsgebiet liegt. Ein Bieterverfahren nach Höchstpreis wäre also nicht möglich gewesen.

Carsharing, Kindergarten und betreutes Wohnen geplant

Wie viel das Grundstück wert ist, wird derzeit ermittelt. Bestgen weiß noch nicht, für welchen Preis er das Areal kaufen kann. Der schwierige Baugrund und die hohen Grundstückskosten machen dem Geschäftsmann keine Sorge. Seit 21 Jahren ist die Firma am Markt, hat mit ihren 20 Mitarbeitern mehr als 30 Projekte verwirklicht, einige davon mit ganz ähnlichen Zielstellungen wie in Greifswald.

„Wir gucken nicht, was marktfähig ist, sondern was die Stadt braucht“, erklärt Bestgen. „Wenn jeder für sich selbst denkt und baut, entsteht viel Nebeneinander. Wir wollen das Gebiet einheitlich entwickeln, alles ganzheitlich vernetzen“, sagt Bestgen weiter. Carsharing und der Verzicht auf ein eigenes Auto gehören ebenso zum Konzept wie ein Kindergarten, betreutes Wohnen, ein Café und leises Gewerbe.

Diese Art, ein Grundstück zu verkaufen, ist einmalig in der Greifswalder Geschichte. „Das ist ein sehr interessantes Projekt, das ein Vorzeigeprojekt für die städtische Entwicklung werden könnte“, schätzt Klaus-Peter Adomeit, Geschäftsführer der Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Greifswald (WVG) ein. Sein Unternehmen werde sich auf jeden Fall am sogenannten Werkstattverfahren beteiligen. So heißt der Diskussionsprozess, bei dem sich im kommenden Jahr die Interessenten zusammenfinden werden. Ob die WVG dann tatsächlich als Partner im Boot sitzt und in welchem Umfang sie investieren will, steht noch nicht fest. „Ich verstehe das Projekt als Vision“, sagt Adomeit. Vieles stehe noch ganz am Anfang. „Wir haben Interesse, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“ Ob es in den fraglichen Baujahren ab 2021 ein passendes Förderprogramm geben wird, steht noch nicht fest. Ohne Fördermittel einen Mietpreis von 7,50 Euro kalt zu gewährleisten, hält Adomeit für schwierig. „Die Gegebenheiten des Grundstückes sind nicht leicht. Viel hängt davon ab, wie viele Etagen gebaut werden, ob es eine Tiefgarage gibt, ob Pfahlgründung tatsächlich notwendig ist“, erklärt Adomeit.

Wichtigster Punkt wird der Preis für das Grundstück sein, wie Adomeit bestätigt. Sowohl WVG als auch WGG betonen, dass ein Neubau, der derzeit begonnen wird, nicht mehr für weniger als neun Euro je Quadratmer gebaut werden kann.

UTB will Grundstücke zu verschiedenen Preisen anbieten

„Wir mischen unterschiedliche Grundstückspreise“, sagt Bestgen. Wer bezahlbaren Wohnraum schaffen möchte, zahlt zum Beispiel weniger als der Durchschnitt. „Die Käufer der Eigentumswohnungen zahlen einen höheren Preis“, so Bestgen weiter. Für die Eigentumswohnungen sind unter der Hand bereits 3200 Euro pro Quadratmeter im Gespräch.

Der große OZ-Faktencheck: Vergabe ohne Ausschreibung, die Schwierigkeiten in einem Wohngebiet mit Privatstraßen, Querfinanzierungen, 7,50 Euro kalt ohne Wohnberechtigungsschein – in der kommenden Woche lesen Sie den Faktencheck zum neuen Wohngebiet.

Katharina Degrassi

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