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Greifswald Ein Haus für Senioren und Studenten
Vorpommern Greifswald Ein Haus für Senioren und Studenten
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00:00 02.11.2016
Im vorigen Jahr kaufte die AWO das ehemalige Gästehaus von der Vario Service GmbH. Seit April wird es um- und ausgebaut.

Der Mendelejewweg 16 ist über sechs Stockwerke eine einzige Baustelle. Heizungsbauer und Sanitärinstallateure, Maler und Elektriker sowie andere Handwerker haben in dem Plattenbau derzeit voll ihr Tun. Denn in gut acht Wochen soll das Haus bezugsfertig sein. Die AWO Soziale Dienste Vorpommern gGmbH will hier in Schönwalde I eine neue Wohnform etablieren. „Wir nennen sie ,Gemeinsam und miteinander’, kurz Gemit“, sagt AWO-Geschäftsführerin Christiane Geisler.

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Arbeiterwohlfahrt schafft neue Wohnform in Schönwalde I / Großer Andrang beim Tag der offenen Baustelle

Ab Januar 2017 sollen unter einem Dach Senioren mit und ohne Pflege- beziehungsweise Betreuungsbedarf sowie Studenten wohnen. Und zwar in normalen Wohnungen oder Wohngemeinschaften, die jeweils auf eine spezielle Bedürftigkeit, wie die von Demenzkranken, ausgerichtet sind. Ein Haus für maximal 66 junge und alte Menschen. „Es ist für uns ein Modellprojekt, das wir in dieser Art noch nicht anbieten“, sagt Geisler. Allerdings könne sie sich das Modell gerade in einer Unistadt sehr gut vorstellen. „Die Vorteile des generationsübergreifenden Wohnens liegen vor allem in dem lebendigen Wohnalltag, in dem sich die Älteren mit den Jüngeren austauschen können“, erklärt sie. Und vielleicht, so ihre Hoffnung, haben einige der Studenten in ihrer Freizeit sogar Lust auf einen Job im Haus.

Arbeit gebe es durchaus, zumal im Erdgeschoss auch eine Tagespflege für maximal 18 Senioren eingerichtet werde.

Jan Schüttpelz, der ein neues Zuhause für seine Eltern sucht, findet das Konzept der Arbeiterwohlfahrt in dem ehemaligen Vario-Gästehaus spannend. Deshalb nutzte er gestern wie hunderte andere Besucher den Tag der offenen Baustelle zu einem Rundgang durchs Haus. „Mein Vater ist 78 Jahre alt und leidet an Demenz. Nun suchen wir nach einer Lösung“, sagt der Greifswalder. Die unterschiedlichen Wohnformen im Mendelejewweg 16 böten eine Möglichkeit für beide Elternteile: Der Vater könnte in einer Wohngemeinschaft für Demenzkranke betreut werden. Die Mutter – noch völlig fit – könnte allein in einer Wohnung leben und auch weiterhin ihren Freizeitbeschäftigungen nachgehen. „Das wäre einfach optimal“, sagt der Greifswalder. Auch die Kosten seien akzeptabel, so Schüttpelz.

Zwei Zimmer inklusive barrierefreiem Bad auf knapp 40 Quadratmetern im betreuten Wohnen kosten beispielsweise rund 440 Euro Warmmiete zuzüglich einer Betreuungspauschale von 255 Euro. „Die beinhaltet eine Tag- und Nachtbetreuung, also rund um die Uhr“, verdeutlicht AWO-Chefin Christiane Geisler. Eine Offerte, die offenbar auf große Resonanz stößt. Denn „wir haben bereits etliche Reservierungen erhalten beziehungsweise auch schon Vorverträge geschlossen“, verrät sie.

Dennoch gibt es Senioren, die einer Wohngemeinschaft (WG) zunächst skeptisch gegenüberstehen: Sich mit anderen ein Bad, die große Wohnküche und den Hauswirtschaftsraum zu teilen, sei nicht jedermanns Sache, weiß AWO-Mitarbeiterin Birgit Piontek. „Doch in Grimmen haben wir damit sehr gute Erfahrungen gesammelt. Dort richteten wir schon vor über einem Jahr im ehemaligen Arbeitsamt eine WG ein, in der zehn Senioren zusammen leben“, erzählt Piontek und versichert: „Das läuft in der Kombination mit einer Tagespflege richtig gut.“

Die Möglichkeit, eine Tagespflege im Haus in Anspruch zu nehmen, lockte gestern auch Karin und Karsten Jäger aus Stresow Siedlung in den Mendelejewweg. „Unsere Mutter ist nun schon 82 Jahre alt, hat die Pflegestufe II, möchte aber noch nicht ins Heim“, sagt die Tochter verständnisvoll. Deshalb sei eine Tagespflege ideal. „Dann würde sie morgens geholt und nachmittags wieder zu uns nach Hause gebracht. Besser geht’s nicht“, so Karin Jäger, die sich von den räumlichen Bedingungen ein Bild verschaffen wollte.

Wenn im Januar die ersten Mieter einziehen oder Betreuungsangebote in Anspruch nehmen werden, hat die Arbeiterwohlfahrt an dem Standort rund drei Millionen Euro inklusive Grundstückserwerb investiert. „Dann werden auch die Außenanlagen mit der Sitzecke fertig sein“, versichert AWO-Geschäftsführerin Christiane Geisler.

Petra Hase

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