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Ein Orden für die Fusionsforscher

Greifswald Ein Orden für die Fusionsforscher

Über 1000 Projekte hatten sich als „Ort der Ideen“ beworben, 100 wurden gewählt - auch Wendelstein 7X.

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Ausgezeichnet: Thomas Klinger vom IPP nahm von Holger Lösch und Lutz Brösing den Titel entgegen.

Quelle: Peter Binder

Greifswald. Wenn Thomas Klinger über Wendelstein 7X spricht, klingt er wie ein stolzer Vater. Seit Dezember ist diese Greifswalder Forschungsanlage, die die Energiegewinnung weltweit revolutionieren soll, in Betrieb. „Sie hat die ersten Schritte gemacht“, sagt der Physiker. Und gestern hat dieses „Kind“ einen Orden bekommen.

Land der Ideen

Die Bundesinitiative „Land der Ideen“ wurde 2006 im Jahr der Fußball-WM in Deutschland gestartet, um den internationalen Gästen zu zeigen: Wir Deutschen sind kreativ. Seitdem werden jedes Jahr innovative Projekte ausgezeichnet. Über 1000 hatten sich diesmal beworben.

Die Bundes-Initiative „Land der Ideen“ erklärte das IPP mit Wendelstein 7X zu einem „Ort der Ideen“. Über 1000 Projekte aus Deutschland hatten sich beworben, 100 wurden ausgewählt. Der Titel soll sie ins Rampenlicht rücken, Geld bringt er den Machern nicht.

Für Klinger und sein Team trotzdem eine willkommene Würdigung. Seit der Grundsteinlegung 1996 haben internationale Forscherteams fast zehn Jahre lang unter dem Wellendach des IPP getüftelt, um die Forschungsanlage auch nur zu errichten. Ein riesiger, silberner Koloss aus Schläuchen, Kabeln und Verkleidungen ist so entstanden, hat über eine Milliarde Euro geschluckt, aber auch große Hoffnungen genährt: Wendelstein 7X ist eine der weltweit größten und modernsten Anlagen zur Erforschung der Kernfusion. „Sie hat das Potential, die Welt zu verändern“, sagt Klinger; das Energieproblem der Menschheit zu lösen.

Wie man aus einem billigen Rohstoff riesig viel Energie produzieren könnte, ohne viel CO2 auszustoßen – das soll sie ausloten. In einem Magnetfeld wollen die Forscher Wasserstoffkerne verschmelzen, ein heißes Plasma erzeugen und so Energie gewinnen. „Der Brennstoff ist zehn Millionen Mal effizienter als Kohle und praktisch für jeden verfügbar“, sagt Klinger.

Holger Lösch, Chef der Initiative „Land der Ideen“, sagt: „Das Projekt ist beispielhaft, weil im politischen Raum in Deutschland bisher eher eindimensional über Energiegewinnung nachgedacht wird.“

Wendelstein 7X suche nach einer ganz neuen, umweltfreundlichen Option. Angesichts der Erderwärmung „hat eine solche Grundlagenforschung ihre Berechtigung“. Zudem arbeite das IPP mit Wissenschaftlern aus anderen Ländern eng zusammen. „Das ist beachtlich in einer Zeit, in der viele Länder ins Nationalistische zurückfallen.“

Laut Klinger sind derzeit rund 450 Techniker, Ingenieure und Physiker am IPP beschäftigt, darunter aus der EU, den USA, Indien, Russland, Großbritannien...“Wir nehmen die Besten aus jedem Land!“ Auf Konferenzen tausche man sich zudem weltweit mit Kollegen aus.

Seit Dezember offenbar ein echtes Vergnügen: „Wendelstein 7X gilt jetzt als Highlight auf vielen Konferenzen“, sagt Klinger. Denn die Experimentierphase, die im Dezember startete, sei noch viel besser verlaufen als erwartet, „alle machen große Augen“. Erstmals produzierte die Anlage damals Plasma. Zwar längst nicht so heiß und dauerhaft wie nötig, „aber das war auch nicht geplant.“ Nur darum, überhaupt ein Plasma im Magnetfeld zu halten, sei es gegangen. „Jetzt verbessern wir die Wände des Plasmagefäßes, damit nicht mehr so viel Material abgekratzt wird und stört“, sagt Klinger.

Bis zu 20 Techniker müssten dafür in Maßarbeit die Wände mit Kohlenstoffkacheln auslegen. „Ende März wollen wir durch sein.“ Danach soll die zweite Phase mit Plasma starten, „dann schon mit viel heißerem.“ Das sei wie mit einem neuen Formel-1-Wagen. „Erst, wenn man schon ein Gefühl für ihn hat, gibt man Vollgas.“

Sybille Marx

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