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Ein Ortsteilzentrum für Riemserort?

Greifswald Ein Ortsteilzentrum für Riemserort?

Stadt könnte die alte Schule kaufen / Finanzausschuss lehnt ab / Sozialausschuss stimmt zu

Greifswald. Ulla Tesmer lässt nicht locker. Seit Wochen wirbt die Vorsitzende der Ortsteilvertretung Riems für den Ankauf eines leergezogenen Hauses durch die Hansestadt. Das ganze sei eine Chance für den 13 Kilometer nördlich von Greifswald gelegenen Stadtteil. Die Zeit, sagt Tesmer, dränge.

 

OZ-Bild

Ulla Tesmer gibt nicht auf. Die Vorsitzende der Riemser Ortsteilvertretung wirbt für den Kauf der alten Schule durch die Stadt.

Quelle: Peter Binder

Bei dem Haus handelt es sich um die ehemalige Riemser Schule. Vor wenigen Wochen erst hatte der bisherige Eigentümer, die Riemser Pharma AG, das Objekt aufgegeben und war nach Greifswald verzogen.

Nunmehr steht das Gebäude zum Verkauf. Mehr als 400000 Euro will das Unternehmen dafür haben. Allerdings sei es bereit, die Immobilie für einen weit geringeren Betrag an die Hansestadt Greifswald zu veräußern, macht Ulla Tesmer deutlich. Das Gebäude, erklärte sie am Montag vor dem Sozialausschuss der Bürgerschaft, böte Platz für sportliche und kulturelle Aktivitäten, Familienfeiern, öffentliche Vorträge, für eine Cafeteria, ja auch eine Arztpraxis. Das alles käme dem Ort zugute, der nämlich verfüge ansonsten über keinen richtigen Treffpunkt. Dazu allerdings müsste die Stadt zunächst Interesse am Erwerb bekunden und entsprechende Verhandlungen mit der Riemser Pharma aufnehmen.

Winfried Kremer, Leiter des Immobilienverwaltungsamtes, sieht es kritisch: „Die Alte Schule ist 790 Quadratmeter groß und damit halb so groß wie das Begegnungszentrum Schwalbe in Schönwalde II.“ Die Schwalbe sei ein Begegnungszentrum für 10000 Einwohner, in Riemserort lebten 500, macht Kremer deutlich. Seit einem halben Jahr würde die Verwaltung bereits an dem Projekt basteln. Bislang seien keine Interessenten gefunden worden, die sich in dem Haus einmieten wollen. Nicht ohne Grund habe auch die Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Greifswald (WVG) kein Interesse gezeigt, das Gebäude zu kaufen. „Es gibt kaum Bedarfe“, sagt Kremer.

Laut Marion Heinrich, Mitglied der Linksfraktion in der Bürgerschaft, ist die WVG bereit, ein Betreiberkonzept für ein Begegnungszentrum in der Alten Schule von Riemserort zu entwickeln. Auch Heinrich drängt auf eine schnelle Entscheidung: „Es gibt noch zwei andere Interessenten, die das Gebäude kaufen wollen. Einer davon ist die Firma IDT.“ Sei das Objekt einmal weg, „werden wir die Chance nicht wiederbekommen“.

André Bleckmann, für die FDP in der Bürgerschaft, unterstützt „das Bestreben, dem öffentlichen Leben im Ortsteil Riems neues Leben einzuhauchen“. Der Antrag aus Riemserort allerdings zäume das Pferd von hinten auf. „Bevor die Stadt durch den Kauf eines Hauses in Vorleistung geht, muss feststehen, wofür man das Gebäude überhaupt nutzen will und kann. Zuerst kommt das Betreiberkonzept, dann der Kauf. Nicht umgekehrt“, stellt Bleckmann klar.

„Wir haben uns schon viele Gedanken gemacht“, beteuert Ulla Tesmer. „Wenn wir jetzt erstmal alles durchrechnen müssen, sehe ich schwarz.“ Es gehe zunächst lediglich um die Aufnahme von Verhandlungen über den Ankauf des Objekts, gibt die Vorsitzende des Sozialausschusses, Mignon Schwenke (Linke), zu bedenken. Sie könne die Bitte der Riemser sehr gut verstehen. Thomas Mundt (CDU), Vorsitzender des Finanzausschusses, hingegen bleibt skeptisch: „Ich kann so ein Objekt nicht einfach kaufen, ohne ein Konzept zu haben.“ Im Finanzausschuss fiel das Ansinnen der Riemser denn auch durch. Acht Ausschussmitglieder lehnten es ab, den Oberbürgermeister zu beauftragen, Verhandlungen zum Kauf der Alten Schule aufzunehmen, sechs stimmten dafür, ein Mitglied enthielt sich. Anders das Votum des Sozialausschusses: Hier votierten acht Mitglieder für Kaufverhandlungen, drei lehnten sie ab, zwei enthielten sich.

Riemserort

459 Menschen, darunter 62 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren lebten am 31. Dezember 2015 im Stadtteil Riems, zu dem auch Riemserort und Koos gehören. Das sind noch einmal 30 weniger als vor einem Jahr.

1994 hatte Riems noch 1005 Einwohner, also mehr als doppelt so viele. Die Siedlung Riemserort entstand für die auf der Insel beheimatete, 1910 von Friedrich Loeffler gegründete Forschungsanstalt. Ihre Errichtung war eine Folge der Erweiterung der Erforschung von Viruskrankheiten der Tiere und der Impfstoffproduktion in den 1950er Jahren. Dafür wurde Platz auf dem Festland für neue Forschungs-, Funktions- und Wohngebäude benötigt. Wohnen und Arbeiten wurden nun strikt getrennt.

Der erste Teil von Riemserort wurde in den 1950er Jahren als Gartensiedlung mit über 40 typisierten Wohnbauten sowie Schule, Kinderkrippe, Gaststätte und Konsumverkaufsstätte angelegt. Architektonisch stehen diese Gebäude in der Tradition der Heimatschutzarchitektur , wovon zum Beispiel die Rohrdächer und die Dachformen zeugen. Nur wenige Gebäude sind älter. Die harmonische Einbindung in die Landschaft gilt als vorbildlich. In den 1960er/70er folgte die Errichtung weiterer Wohnhäuser. 1968 folgte der Kindergarten.

1976 wurde Riemserort über einen Damm mit der Insel Riems verbunden. 1988 konnten noch acht Plattenbauten am Brooker Weg eingeweiht werden. Ihr Verkauf an einen inzwischen insolventen Investor ist die Ursache vieler Probleme in Riemserort.

Sven Jeske und Katharina Degrassi

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