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Greifswald Ein Stern für den Lieblingszahnarzt
Vorpommern Greifswald Ein Stern für den Lieblingszahnarzt
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00:10 12.04.2016
Prof. Georg Meyer bekam von seinen Studenten einen Stern verliehen, weil er sich intensiv um die angehenden Zahnärzte kümmert. Quelle: privat

„So ahnungslos war ich lange nicht mehr“, sagt Prof. Georg Meyer. Der Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Endodontologie wurde vergangene Woche von seinen etwa 200 Studenten gebeten, sich vor der Zahnklinik einzufinden. „Ich dachte, wir wollen zum Abschied zusammen Bier trinken. Also bin ich hin wie immer — in Pullover und Kordhose“, erzählt er. Doch dann erwartete ihn eine besondere Überraschung: Seine Studenten machten den Platz vor der Zahnklinik zum „Walk of Fame“ und verliehen ihrem Lieblingszahnarzt einen Stern. Dazu gab es das Versprechen, dass er irgendwann doch noch ins Pflaster einzementiert wird. Die große Ehre habe sich Meyer verdient, denn wenn sich einer rührend um sie kümmere, dann ihr Professor, so Fachschaftssprecher Tom-Jens Grundmann. „Bei diesen Worten habe ich geschluckt“, gesteht der Zahnmediziner. Übrigens: Bier, Würstchen und Kuchen — alles von den Studenten organisiert — gab es dann doch noch.

Zahnmedizinstudenten bereiten ihrem Professor einen bewegenden Abschied

Ich wollte dieser Zahnmedizin, der die Schließung drohte, neues Leben einhauchen.“Prof. Georg Meyer, Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Endodontologie

Der heute 67-Jährige kam 1993 von Göttingen nach Greifswald. „Freiwillig“, wie er betont. Für das kleine und damals noch unbedeutende Greifswald habe er Rufe der Universitäten von Freiburg, Jena und München ausgeschlagen. „Ich wollte dieser Zahnmedizin, der die Schließung drohte, neues Leben einhauchen“, sagt er. Heute kann er resümieren, dass es ihm zusammen mit anderen Kollegen gelungen ist.

„Damals wollte keiner von außerhalb in Greifswald Zahnmedizin studieren. Heute stehen die Bewerber Schlange, um zugelassen zu werden, weil die deutschlandweit beste Ausbildung hier ist“, freut sich der Professor.

Georg Meyer hat erheblichen Anteil daran. „Ich habe immer gern mit Studenten zusammengearbeitet. Ihrentwegen bin ich ja an der Uni“, begründet er die Aussage. Auf der Abschiedsfete habe er das auch noch einmal deutlich gesagt: „Ich habe einen Lehrstuhl inne, keinen Privatpatientenschrubbstuhl. Es geht nicht darum, möglichst viel Geld zu verdienen, sondern junge, angehende Zahnärzte so gut wie nur möglich auf die Arbeit mit den Patienten vorzubereiten“, erklärt er. Meyer weiß, wovon er redet, denn der Zahnarzt ist weltweit ein gefragter Gesprächspartner — bei Studenten und Medizinern. In 50 Ländern dieser Welt hat er Vorträge gehalten, allein in Russland war er 32 Mal.

Dabei sah es zu Beginn seiner Berufslaufbahn so aus, als lande Georg Meyer in der Landwirtschaft. Er wuchs auf Gut Nienbüttel, einem Bauernhof in der Lüneburger Heide, auf und studierte zunächst in Göttingen Agrarwissenschaft. Doch während des Studiums wechselte er zur Zahnmedizin. „Eine kluge Entscheidung. Aber auf unserem Bauernhof bin ich immer noch gern und packe zu“, so Meyer, der mittlerweile mehrere Gastprofessuren absolviert hat, darunter an der University of Minnesota in Minneapolis und der Uni in Moskau.

Gestern hat er sich nun vom Dekan der Medizinischen Fakultät seine Entlassungsurkunde abgeholt — und zugleich zugesagt, weiterhin Vorlesungen zu halten und seine Studenten durchs Examen zu begleiten. „Außerdem habe ich noch jede Menge Ämter inne. Gerade war ich in Litauen unterwegs“, sagt Georg Meyer und zählt auf: Er ist Vizepräsident der neu gegründeten Deutschen Gesellschaft für Ästhetische Zahnmedizin und Leiter des Fortbildungsausschusses der Zahnärztekammer MV. Zudem gehört er der Konferenz der europäischen Zahnärzte in Brüssel an, wo er wissenschaftlicher Berater für Füllungsmaterialien ist — sein Spezialgebiet, mit dem er sich seit Jahren beschäftigt. Auch in der Weltzahnärzteschaft mit Sitz in Genf übt er diese Beratertätigkeit für Füllungsmaterialien aus.

„Eine ruhige Zeit zu Hause zwischen Gartenzwergen wird es also vorerst nicht geben“, meint der Professor — hält kurz inne und meint dann mit breitem Grinsen: „Zum Glück!“

Von Cornelia Meerkatz

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