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Greifswald Ein Straßenfest auf dem Fußweg
Vorpommern Greifswald Ein Straßenfest auf dem Fußweg
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00:00 20.10.2014
Viele Sympathisanten mit der Initiative „Brinke 16-17 erhalten“ kamen am Sonnabend und feierten auf dem Fußweg mit. Fotos (4): Cornelia Meerkatz
Greifswald

Eigentlich sollte die Einweihung eines Stadtteiltreffs im Bioladen gefeiert werden. Dazu hatten die Mitglieder der Initiative „Brinke 16-17 erhalten“ am Sonnabend eingeladen. Doch daraus wurde nichts: Bereits am Donnerstag hatte die Untere Bauaufsicht der Hansestadt die Einweihung mit der Begründung untersagt, die Nutzung des vorgesehenen Raumes im Bioladen „Sonnenmichel“ sei illegal. Auch der Anwalt von Hauseigentümer Roman Schmidt untersagte die Nutzung und drohte bei Zuwiderhandlung Rechtsmittel an.

Heiko Pult, Sprecher der Initiative „Brinke 16-17 erhalten“ zeigte sich enttäuscht, machte aber deutlich, dass man sich an Recht und Gesetz halte — genau das unterscheide die Initiative deutlich von den Hausbesetzern, die vor zwei Wochen ohne Genehmigung in mehrere Räume des Gebäudes eingezogen waren. Und deshalb feierte die Initiative mit vielen Unterstützern auf dem Fußweg vor dem Haus ein fröhliches Fest mit Livemusik, Theater und Diskussionsrunden. Für die jüngeren Gäste gab es von den Kunstwerkstätten ein Kinderprogramm mit Trampolinspringen, Schminken, Tischfußball und Basteltischen.

„Dass es nicht mal ein Straßenfest wurde, hängt mit der Weigerung des Ordnungsamtes zusammen, die Straße ganz oder teilweise zu sperren“, erläuterte Pult. Der 35-Jährige sprach von 300 Besuchern, die bis zum Abend dennoch das Fest besucht hätten. „Wir haben eben unsere Idee, hier in diesem alten Gebäude einen Stadtteiltreff einrichten zu wollen gefeiert“, sagte er.

Am Ziel der Initiative, das Gebäude vor dem Abriss zu bewahren, halte man fest. „Die für kommende Woche geplanten Veranstaltungen wie Kerzengießen, Film schauen, Diskussionsforen und kleine Konzerte führen wir nun im Rahmen der Mahnwachen vor dem Haus durch“, erklärte er. Das Haus werde nicht aufgegeben, die Initiative suche weiterhin das Gespräch mit dem Hauseigentümer. Dazu wurde ein Brief mit Unterschriften an Schmidt vorbereitet, der erneut mögliche Kompromisse aufzeigt. „Es wäre ein Kauf des Gebäudes möglich oder ein Flächentausch“, so Pult. Auch mit der Bauaufsicht und dem Ordnungsamt — das während des Festes die Einhaltung der erlassenen Verbote kontrollierte — wolle man sprechen.

Zum Fest wurden Vertreter der Grünen, der Linken, der Piraten und der Alternativen Liste begrüßt. „Wir bedauern, dass kein Vertreter der CDU den Weg in die Brinkstraße gefunden hat und den direkten Kontakt zu uns sucht. Die Mitglieder der Initiative ‘Bricke 16-17 erhalten‘ sind entgegen der Behauptung von Axel Hochschild keine Straftäter“, rief Pult unter dem Beifall der Gäste. Stefan Fassbinder, Fraktionschef der Grünen in der Bürgerschaft, forderte von allen Seiten Toleranz. „In unserer Hansestadt brauchen wir Vielfalt: Mehr- und Einfamilienhäuser, WGs für alte Menschen und für Studenten, Neubauten und auch alte, erhaltenswerte Bauten. Suchen Sie weiter das Gespräch, ich gebe die Hoffnung auf eine Lösung nicht auf“, betonte er. Jörn Kasbah, Fraktionschef der Linken, sprach davon, in die Bürgerschaft einen Prüfauftrag einbringen zu wollen, ob man die Gestaltungssatzung für die Fleischervorstadt um den Bereich der Brinkstraße erweitern könne. „Vielleicht gibt es die Möglichkeit, damit alte Häuser wie die Brinke 16-17 erhalten bleiben können“, meinte er. Im Raum steht auch noch der Vorschlag von Ulrich Rose, einen Runden Tisch zur Lösung des Problems einzurichten.

Heiko Pult und seine Mitstreiter jedenfalls wollen weiterhin alles daran setzen, den Erhalt des Gebäudes Brinkstraße 16-17 und die Einrichtung eines Stadtteiltreffs im Haus zu erreichen. „Andernorts werden mit viel Geld und Unterstützung aus Politik und Verwaltung solche sozialen Begegnungsorte künstlich geschaffen. Hier ist er allein durch ehrenamtliches Engagement entstanden, soll weiterentwickelt werden. Und wir als Initiatoren werden beschimpft und abgestempelt“, klagt er. Doch aufzugeben komme nicht infrage: „Wir werden die Auflagen für den Treffpunkt prüfen und realisieren“, gibt sich der Sprecher kämpferisch.



Cornelia Meerkatz

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