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Ein „edler Pommer“ von „nordischer Rasse“

Greifswald Ein „edler Pommer“ von „nordischer Rasse“

Im Nationalsozialismus wurde Caspar David Friedrich vereinnahmt / Wissenschaftlerin untersuchte Rezeption des Künstlers

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Die Abtei im Eichwald gilt als Meisterwerk der Landschaftsmalerei.

Greifswald. „Er, Caspar David Friedrich, blieb, als alles versank, und er bleibt“, schrieb der Kunsthistoriker Kurt Karl Eberlein voller Pathos 1939. „Seine Kunst ist die große Kunst der Romantik. In ihm lebt das alte Erbgut germanischer Art noch einmal auf, der nordische Kunstgeist, der unter der Asche fortglüht... Dieser treue Maler rettete eine ganze Welt. Er verteidigte Deutschlands Kunstgeist gegen das Westische.“

Diese Sätze stammen aus Eberleins Buch „Caspar David Friedrich der Landschaftsmaler. Ein Volksbuch deutscher Kunst“. Zitiert werden sie von Nina Hinrichs in ihrer Dissertation „Caspar David Friedrich — ein deutscher Künstler des Nordens. Analyse der Friedrich-Rezeption im 19. Jahrhundert und im Nationalsozialismus“, die im Kieler Ludwig-Verlag erschienen ist. „Im Rahmen unwissenschaftlicher Methoden wurden Friedrich und sein Werk propagandistisch im Kontext der nationalsozialistischen Ideologie vereinnahmt“, stellt Hinrichs fest. „Allgemein wurde der Künstler durch einseitige Darstellung als Vorbild für die deutsche Landschaftsmalerei und Lebensführung propagiert.“

Friedrich habe sich aus mehreren Gründen für diese Vereinnahmung angeboten. „Seine Person wurde sowohl durch die Ahnenforschung als auch durch körperliche Merkmale als ,arisch‘ charakterisiert“, führt die Wissenschaftlerin aus. Ferner habe er Deutschland künstlerisch dargestellt, was als vorbildlich galt. Das patriotische Engagement des Künstlers in den napoleonischen Kriegen und den Befreiungskriegen Anfang des 19. Jahrhunderts habe ihn zu einem Vorbild in der NS-Zeit gemacht. „Kunst sollte an die Vaterlandsliebe und an den Durchhaltewillen der Deutschen im Zweiten Weltkrieg appellieren.“ Dabei habe sich, stellt Hinrichs fest, Friedrichs patriotische Kunst mit ihren Eichen, Hünengräbern und Denkmalen grundsätzlich von der nationalsozialistischen Kriegs- und Frontkunst unterschieden, die modernste Tötungstechnik zeigte.

Als Beispiel für verzerrende Darstellungen nennt Hinrichs auch ein 1940 zu Friedrichs 100. Todestag von den Lehrenden des Kunstwissenschaftlichen Institutes der Ernst-Moritz-Arndt-Universität publiziertes Gedenkbuch. Diese bezeichnen ihn als „edlen Pommern“, der als „Verkörperung des nordisch-germanischen Menschen galt“, loben die „nordische Lichtliebe, Steinliebe, Grabliebe“. Als exemplarisch fürs „nordische Weltgefühl“ galt Friedrichs Bild „Mönch am Meer“. Hinrichs verweist darauf, dass die starke Religiosität Friedrichs schwer mit der nationalsozialistischen Ideologie vereinbar war. Zugehörige Werke seien ignoriert oder im Sinne eines „deutschen Glaubens“ uminterpretiert worden. Nora Hinrichs: Caspar David Friedrich- ein deutscher Künstler des Nordens. Analyse der Friedrich-Rezeption im 19. Jahrhundert und im Nationalsozialismus. ISBN 978-3-89935-049-3, 34.90 Euro

Von eob

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