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Greifswald Ein rappender „Kinderladen“
Vorpommern Greifswald Ein rappender „Kinderladen“
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00:05 06.05.2017
Toben im Freien lieben alle Mädchen und Jungen des „Kinderladens“. Oft helfen die Kinder auch bei kleinen Pflanzaktionen.
Greifswald

Dicht gedrängt stehen die Fast-Schulkinder in der Kindertagesstätte „Kinderladen“ auf der kleinen Bühne, setzen ihr Basecap auf, warten auf das Zeichen von Leiterin Tine Scheel – und dann wird gerappt. „Oma gibt mir Schokolade, Yeah. Lecker Schokolade. Oma holt mir Naschi aus dem Schrank. Sie hat das in 'ne Schublade, voller Schokolade, voll, so wie im Schlaraffenland . . .“ Riesiger Applaus. Als Zugabe gibt es den Song „Alles neu“ von Peter Fox.

Familiäre Kindertagesstätte wird von einem Elternverein geführt / Der sucht jetzt ein neues Domizil

Elternbeiträge

Ganztagsplatz Krippe (bis zu 10 Stunden Betreuung): 358,23 Euro

Teilzeitplatz Krippe (bis zu 6 Stunden Betreuung): 227,61 Euro

Halbtagsplatz Krippe (bis zu 4 Stunden Betreuung): 164,14 Euro Ganztagsplatz Kindergarten:

187,00 Euro Teilzeitplatz Kindergarten:

126,07 Euro Halbtagsplatz Kindergarten:

96,84 Euro

„Die Kinder sind vom Rappen total begeistert“, sagt Tine Scheel. Seit über 20 Jahren leitet die Erzieherin die vor 26 Jahren durch einen Elternverein gegründete Einrichtung in der Lutherstraße. Sie befindet sich im früheren evangelischen Kindergarten im Lutherhof. 30 Mädchen und Jungen – zehn Krippen- und 20 Kindergartenkinder – werden von fünf Erziehern, darunter einem Mann, betreut. „Wir sind ein eingespieltes Team, jeder kann sich zu 100 Prozent auf den anderen verlassen“, lobt Tine Scheel den Zusammenhalt.

Das Konzept des Kinderladens umfasst Elemente verschiedener Ansätze. Inhalte und deren Ausrichtung werden von den Eltern, des selbstverwalteten Vereins festgelegt. Es herrscht eine offene Struktur in der Kita, sprich: Es gibt keine Einteilung in Altersgruppen und keine festen Erzieher. Die Kinder können stets frei auswählen, in welchem Raum sie sich aufhalten, mit wem sie spielen und bei welchem Erzieher sie sein wollen. „Wir sind eine große Familie“, sagt die Leiterin.

Die Eltern würden genau das begrüßen, da die Mädchen und Jungen voneinander lernen. „Im Umgang mit den Einjährigen lernen die Großen Rücksichtnahme. Andererseits werden die Knirpse vom Vorbild der Großen angespornt“, erläutert Scheel. Auch die vollwertige und ökologische Ernährung passe in das Konzept: Das Mittagessen wird vom Caterer Gran-Custo geliefert, für das Frühstück und Vesper werden Bioprodukte von „Pommerngrün“ verwendet.

Einmal pro Woche ist Ausflugstag: „Dann entscheiden die Kinder, wohin es gehen soll oder ob nur gespielt wird“, so Scheel. Ihre Kollegin Silke Buhl, die ebenfalls schon über zwei Jahrzehnte in der Kita tätig ist, freut sich über die tollen Ideen der Kinder. „Wir sind alle so eng zusammengewachsen, dass die Mädchen und Jungen schon ein Stück weit wie die eigenen Kinder sind“, sagt sie. Außerdem gebe es große Unterstützung seitens der Eltern: Mit deren Hilfe seien ein neuer Sandspielkasten gebaut und die Kita renoviert worden.

Es wird darauf geachtet, dass sich alle so viel wie möglich im Freien aufhalten. „Jeder Tag, an dem es nicht regnet, ist toll, dann können wir im Freien essen“, berichtet die Leiterin. Damit wird ein Stück weit auch den engen Platzverhältnissen und den baulichen Mängeln in der Kita Rechnung getragen. Das alte Haus sackt seit Jahren ab, es mussten bereits am Dachstuhl Sicherungsmaßnahmen vorgenommen werden, die Wände haben Risse. Der von den Eltern gegründete Bauausschuss ist auf der Suche nach einer neuen Bleibe für den „Kinderladen“ in der Fleischervorstadt. In zwei Jahren wolle man im neuen Domizil sein, so Scheel. Die Anzahl der betreuten Kinder werde aber nicht steigen, da sonst das familiäre Konzept nicht mehr aufgehe. Derzeit gebe es Hoffnung, dass eine neue Heimstatt für den „Kinderladen“ gefunden wird.

Für den Vorstandsvorsitzenden des „Kinderladens“, Stefan Seiberling, ist „die kleine familiäre Einrichtung“ die tollste Kita der Stadt. „Das Montessoriprinzip, die Kinder in ihrer Individualität anzunehmen, wird hier vorbildlich gelebt“, erklärt der Vater, dessen vier Kinder dort betreut wurden und werden. Außerdem schätze er besonders, dass es in dieser Kita keine Feminisierung der Jungen gäbe, „sie müssen nicht brav wie die meisten Mädchen sein.“

Leiterin Tine Scheel sieht in der kleinen Einrichtung noch einen Vorteil: „Bei uns kommen nicht nur die Eltern mit den Geschwisterkindern wieder, sondern auch die Praktikanten. Viele von denen, die hier gearbeitet haben, sind inzwischen selbst Erzieher geworden.“

Elternrat

Die Eltern der betreuten Kinder sind Mitglied im Verein, stellen den Vorstand und diskutieren auf Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen aktuelle Fragen und Probleme mit dem Ziel, die Kinder bestmöglich und vor allem in ihrem Sinn begleiten zu lassen. Die Eltern führen gemeinschaftliche Arbeitseinsätze durch, gestalten zusammen Haus und Hof, pflegen und reinigen. Das eigene Heim der Familie wird dadurch ausgedehnt auf die Kindertagesstätte, die sich als Großfamilie präsentiert.

Pädagogisches Konzept

Elemente verschiedener pädagogischer Ansätze, darunter der Montessoripädagogik, gehören zum Konzept des „Kinderladens“. Die immer wieder neu bestimmten Inhalte und deren Ausrichtung werden von den Eltern des selbstverwalteten Vereins festgelegt.

Die offene Struktur besteht darin, dass es keine Gruppeneinteilung der Kinder gibt. Alle Mädchen und Jungen haben stets die Möglichkeit der freien Wahl der Räumlichkeiten, des Erziehers und des Spielgefährten.

Plätze und Öffnungszeiten

30 Plätze hat die Kita „Kinderladen“ im Lutherhof in der Fleischervorstadt, davon zehn in der Krippe und 20 im Kindergarten. Die geringe Anzahl an Kindern ermöglicht ein sehr familiäres Klima.

Die Kita wird von einem Elternverein geführt.

5 Erzieher, davon ein Mann, gehören zum Team. Es gibt erfahrene Kollelgen, die schon über 20 Jahre dabei sind und ganz junge Kollegen.

Geöffnet hat die Kita montags bis freitags von 7 bis 17 Uhr.

Cornelia Meerkatz

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