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Eine Chance für Schulverweigerer

Greifswald Eine Chance für Schulverweigerer

Das Kinder- und Jugendzentrum „Haus des Arbeitens und Lernens“ in der Beimlerstraße

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Im Hansehaus in der Beimlerstraße befindet sich das Kinder- und Jugendzentrum „Haus des Arbeitens und des Lernens“.

Greifswald. Wenn Kinder wochenlang die Schule schwänzen, ist guter Rat teuer. Die Ursachen sind vielfältig. „Sie können Probleme mit den Leistungsanforderungen der Schule oder gestörte Beziehungen zu Lehrern haben“, weiß Bernd Torbicki. „Auch Krankheiten, Mobbing, falsche Freunde gehören neben anderem zu den Ursachen.“

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Das Kinder- und Jugendzentrum „Haus des Arbeitens und Lernens“ in der Beimlerstraße

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Die Kapazität

80Plätze hat die Schule insgesamt, davon 16 in der Grundschule. Begonnen wurde einmal mit acht. Aktuell gibt es eine Warteliste. Seit 2005/6 darf an der Schule ein Abschluss (Berufsreife) erworben werden.

Torbicki leitet das Kinder- und Jugendzentrum „Haus des Arbeitens und des Lernens“ in der Hans-Beimler-Straße. Die staatlich genehmigte Ersatzschule bietet die Chance, die Mädchen und Jungen wieder auf die Spur des Lebens zurückzubringen. Dafür engagieren sich Lehrer, Sozialpädagogen, Psychologen und Arbeitserzieher. Eine Unterrichtsstunde dauert nur 35 Minuten. Auch verpflichtende Freizeitangebote gehören zu dieser Ganztagsschule. „Die Schüler müssen anderen Kindern begegnen und lernen, Konflikte auszuhalten“, begründet Torbicki. Dazu gehören offene Angebote, die Möglichkeit, andere Schüler zu treffen. Jährlich wird deshalb ein Fußballturnier veranstaltet. Weil die Zahl der jungen Schulverweigerer zunahm, wurde ein Grundschulbereich mit 16 Plätzen eingerichtet.

73 Mädchen und Jungen nutzen gegenwärtig die Möglichkeit, ihre Probleme mit professioneller Hilfe in der Beimlerstraße zu bewältigen. Hauptsächlich sind es Schulverweigerer. „Zwei Drittel sind Jungen“, erzählt Torbicki. „Jungen sind andererseits eher bereit mitzumachen und sich eingliedern zu lassen als Mädchen“, schildert der Schulleiter. Gemeinsam wird in Gruppen mit höchstens acht Teilnehmern gearbeitet, ein Sozialarbeiter und ein Pädagoge betreuen jede Lerngruppe. In besonderen Fällen werden Schüler sogar einzeln unterrichtet. Insgesamt arbeiten 35 Kollegen an der Schule. Die Kinder sollen die Freude am Lernen wiederfinden. Praktische Angebote wie tischlern oder schlossern, die Erfolgserlebnisse verschaffen, gehören zu den bewährten Werkzeugen. Auch der Verzicht auf Noten könne hilfreich sein. Die Schüler kommen vor allem aus Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen, aber auch von weiter her. Ist die Entfernung zu groß, erfolgt die Unterbringung in der Woche in Wohngruppen oder anderen Einrichtungen der Jugendhilfe.

Die Mädchen und Jungen sollen möglichst wieder an eine Regelschule zurückkehren. Das sind auch Gymnasien, denn unter den Schulverweigerern sind sogar Hochbegabte. Alternativ kann in der Beimlerstraße die Berufsreife (9. Klasse Regionalschule) erworben werden. Einfach ist der Weg dahin nicht. „Grundschüler wissen oft nicht, was sie in der Schule machen sollen“, schildert Torbicki. „Unsere vorrangige Aufgabe ist es dann, dass sie den Schulalltag bewältigen.“ Er plädiert an die Eltern, nicht zu lange zu warten. Desto früher, desto leichter sei es, soziale und emotionale Defizite auszugleichen. Ein zentraler diagnostischer Dienst stellt vor dem Schulwechsel einen besonderen Förderbedarf fest und empfiehlt dessen Behebung. Die Eltern können die Empfehlung annehmen oder ablehnen. „Zu uns zu kommen, ist oft die letzte Chance für einen Schulabschluss“, unterstreicht Torbicki.

Eckhard Oberdörfer

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