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Greifswald Eine Herzensstunde für Europa
Vorpommern Greifswald Eine Herzensstunde für Europa
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04:34 13.09.2013
Zur ersten gemeinsamen Probe trafen sich die über 200 Mitwirkenden am Mittwochabend im Kaisersaal der Stadthalle. Quelle: Fotos: Uwe Roßner
Greifswald

Vor einem Jahr entstand die Idee, am Mittwoch war die erste gemeinsame Probe, heute ist Premiere: Das Theater Vorpommern spielt Gustav Mahlers Auferstehungssinfonie im Dom St. Nikolai. Das Eröffnungskonzert der neuen Spielzeit. Dabei erhalten das Philharmonische Orchester Vorpommern und der hiesige Opernchor große Unterstützung. Denn bei der Aufführung handelt es sich um ein deutsch-polnisches Gemeinschaftsprojekt. Neben dem Universitätssinfonieorchester und dem Domchor Greifswald treten auch der Chor und das Orchester der Oper Stettin auf — im Ganzen über 200 Mitwirkende!

„Wir hätten es allein nicht gekonnt“, offenbart Golo Berg, Generalmusikdirektor des Theaters Vorpommern. Es erfüllt ihn deshalb mit tiefer Dankbarkeit und Respekt, Mahlers 2. Sinfonie innerhalb dieser Kooperation aufführen zu können. „Ich bin überzeugt, niemand kann dieses Werk hören, ohne hinterher ein anderer Mensch zu sein“, sagt der Dirigent, der sich auf das Konzert innerhalb der heutigen Kulturnacht ebenso freut wie auf die kommenden Auftritte in Stettin und Stralsund.

„Wir beschreiten mit dieser deutsch-polnischen Kooperation ganz neue Wege“, bestätigt Theaterintendant Dirk Löschner. Es sei für beide Seiten eine Möglichkeit, die sehr knappen Mittel gemeinsam für künstlerische Produktionen einzusetzen. Zugleich soll diese üppige Spielzeiteröffnung ein Signal sein: „Wir leben in einer Region, die in Europa beispielgebend sein kann. Kultur, Sprache, ästhetisches und historisches Empfinden sind Dinge, die uns trennen. Gerade hier müssen wir aktiv werden, um Gemeinsamkeiten zu entdecken. Die Musik ist dafür ein perfekter Mittler“, sagt Löschner.

Seiner Ansicht nach kann und sollte sich aus der 2011 zwischen Stettin und Greifswald geschlossenen Städtepartnerschaft deutlich mehr als bisher entwickeln. Die Erfahrung des Theaters sei positiv:

„Wir haben sehr schnell eine gute Kommunikationsebene gefunden“, so Löschner. Diese Meinung teilt man auch in Stettin. Das Zusammenwirken sei eine große Bereicherung gewesen, erklärt Angelika Rabizo.

Die Direktorin der Opera na Zamku hofft, „dass uns noch viele gemeinsame künstlerische Vorhaben bevorstehen“. Auf die Konzerte freut sie sich sehr. „Denn das Werk ist eine der schönsten Sinfonien überhaupt. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Aufführungen ein unvergessliches Erlebnis werden“, sagt sie.

Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), Schirmherr des Kooperationsprojektes, zweifelt kein bisschen daran. Er sieht das Projekt als wichtiges Zeichen für das Zusammenwachsen von Mecklenburg-Vorpommern und der Woiewodschaft Westpommern in Europa. „Gerade Kultur kann einen wichtigen Beitrag für die Grenzregion leisten“, sagt der Landesvater. Im Hinblick auf die Debatten um die künftige Theater- und Orchesterlandschaft im Land zeige dies, dass sowohl ein hoher künstlerischer Anspruch als auch Zusammenarbeit stark mache.

Auch bei den Akteuren kommt das Projekt an: „Es ist superschön“, schwärmt die Stettiner Flötistin Joanna Wojdylo nach der ersten gemeinsamen Probe in der Stadthalle. Auf deutscher Seite ist die Sicht ähnlich: „Es macht großen Spaß“, versichert der Violinist Andreas Otto. „Die Verständigung durch die Musik ist nicht schwer“, sagt wiederum Daniel Spitz. Der 18-Jährige ist Posaunist des Unisinfonieorchesters Greifswald. Bereits als Jugendlicher habe er Erfahrungen im deutsch-polnischen Musikschulorchester und bei dessen Auftritten auf beiden Seiten der Oder sammeln können. Und auch diesmal geht er wieder auf Reisen — Mahler macht‘s möglich.

Das Konzert
200 Mitwirkende sind an der Aufführung von Gustav Mahlers 2. Sinfonie im Dom beteiligt. Dazu gehören das Philharmonische Orchester Vorpommern, der Opernchor des Theaters Vorpommern, Chor und Orchester der Opera na Zamku w Szczecinie, die Singakademie Stralsund sowie Mitglieder des Universitätsorchesters und des Domchores Greifswald. Grundlage des Konzerts bildet ein Vertrag zwischen der Oper Stettin und dem Theater Vorpommern.

Uwe Roßner

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