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Eine Stadt altert

Greifswald Eine Stadt altert

10 448 Senioren leben in Greifswald — bald doppelt so viele wie vor 20 Jahren. Die Seniorentage machen mobil.

Greifswald. Die demografische Entwicklung ist eindeutig: Die Zahl der in Greifswald lebenden Senioren steigt seit der Wende konstant an, ist fast doppelt so hoch wie vor 20 Jahren. „Lebten 1993 noch 6264 über 65-Jährige in unserer Stadt, sind es derzeit 10 448“, berichtet Behindertenbeauftragte Monika Kindt, in der Verwaltung kommissarisch für die Seniorenarbeit zuständig. Im gleichen Zeitraum sei die Zahl der Kinder (0 bis 15 Jahre) auf die Hälfte gesunken — von 12 912 auf 6118. Die aktuelle Bevölkerungsprognose gebe keine Entwarnung. Im Gegenteil: Demnach werden im Jahr 2020 über 12 000 Senioren in Greifswald leben, ohne dass sich in der jüngsten Altersgruppe groß etwas bewegt.

Berndt Frisch, Vorsitzender des Seniorenbeirats der Stadt, sieht darin eine große Herausforderung. Ein Älterwerden der Bevölkerung dürfe nicht damit einhergehen, dass sie auch „immer kränker“ werde, wie es Ärzte oft beklagten. „Jeder kann dagegen wirken, zumal die Voraussetzungen für ein aktives Altern in unserer Stadt sehr vielfältig sind“, betont Frisch.

Wie vielfältig — das zeigen die 4. Greifswalder Seniorentage unter dem Motto „Gesundheit im Alter“. Mehr als 20 Veranstaltungen hat der Seniorenbeirat, dem 21 Vereine angehören, für die kommenden zwei Wochen organisiert. „Nicht nur die Wohlfahrtsverbände wie AWO oder Volkssolidarität waren wieder sofort bereit mitzuwirken, sondern erstmals auch die Universitätsmedizin“, sagt Frisch.

Anlässlich der Eröffnungsveranstaltung am 16. September im Hörsaal Nord referieren Experten unter anderem zu den Themen „Krebsvorsorge im Alter“ oder „Der ältere Patient in der ambulanten Versorgung“.

Harald Sieting, Vizechef des Seniorenbeirats, möchte betagten Menschen das Angebot im Technologiezentrum Vorpommern ans Herz legen. „Dort werden alltagsunterstützende Assistenzlösungen vorgestellt“, sagt er. Klingt kompliziert, ist aber simpel: Es geht um Hilfsmittel, die das Leben älter werdender Menschen enorm erleichtern können.

Wer möglichst lange ohne diese Dinge auskommen will, sollte etwas für seine Fitness tun. Der beliebte Seniorensporttag im Freizeitbad ist da nur eine Gelegenheit. Auch andere Einrichtungen laden ein.

Darüber hinaus sei es wichtig, so die Buchautorin und frühere Allgemeinmedizinerin Dr. Annerose Schulz, etwas für die geistige Fitness zu tun. Die Greifenfedern — ein Zusammenschluss schreibender Greifswalder — „suchen dringend Nachwuchs“, wirbt sie für ihre Gruppe.

Dasselbe berichtet Christiane Sitterlee vom Club 55plus: „Viele unserer etwa 50 Mitglieder sind über 80 Jahre“, erzählt sie, die übrigens auch als Vizechefin im Seniorenbeirat agiert. Club-Nachwuchs zu bekommen, sei schwer. Doch warum eigentlich? In der Gemeinschaft den (Un-)Ruhestand zu genießen und dabei noch etwas Sinnvolles zu schaffen, sei doch viel schöner, als allein zu Hause zu sein.

Berndt Frisch kann das bestätigen. Ist er doch nicht nur kommunalpolitisch engagiert, sondern ebenso im Behinderten- und Seniorensportverein aktiv. Allerdings gebe es auch dort ein Problem: „Frauen gibt es bei uns viele, nur die Männer machen sich leider rar.“

 

 

Petra Hase

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