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Greifswald Eine ganz besondere Baustelle
Vorpommern Greifswald Eine ganz besondere Baustelle
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00:01 16.08.2016
Viele Wandergesellen schlafen in Zelten. Einige sind in der Museumswerft untergebracht.

Premiere für Greifswald: Die freireisenden Wandergesellen haben die Hansestadt für ihre Sommerbaustelle ausgesucht. Noch bis Ende August treiben 45

Sechs Tage pro Woche, zehn Stunden am Tag und das ohne Lohn: 45 Wandergesellen arbeiten an der Straze

Wandergesellen das Projekt Stralsunder Straße 10/11 – kurz Straze – voran. Weil es sich um eine gemeinnützige Sache handelt, arbeiten die Frauen und Männer ohne Lohn, sondern für Kost und Logis.

Die Sommerbaustelle ist ein Glücksfall für den Verein Kultur- und Initiativenhaus, der hinter der Straze steht. „Ehrenamtliche Arbeit in Eigenleistung gehört zu unserem Konzept. Die Wandergesellen helfen uns hier ein großes Stück“, sagt Initiativensprecher Thomas Schmidt. Ende 2013 hat der Verein die Straze gekauft. Während in den vergangenen Jahren viele Arbeitseinsätze parallel zur Planung im Hintergrund liefen, geht es seit dem 1. August in die Vollen. Das Ensemble soll bis spätestens 2020 komplett saniert sein. Schmidt hofft sogar auf 2018. Konkret ist bereits, dass die Stralsunder Straße 10 Ende 2017 bezugsfertig sein soll. In dem Gebäudeteil entsteht ein Wohnprojekt mit 29 Zimmern. Der große Saal mit Bühne, Büros für die zehn Vereine, die Gastronomie mit Küche und Toiletten in der Stralsunder Straße 11 folgen.

Die Wandergesellen konzentrieren sich während ihres einmonatigen Projekts darauf, dem Gebäudeensemble „Stabilität zu verleihen“, wie Vereinsmitglied Michael Steiger es beschreibt. Dem Haus fehlt es an Tragfähigkeit. Das bedeutet: Jeder einzelne Holzbalken wird begutachtet. „Das tragende Fachwerk muss Stück für Stück herausgenommen und durch Steine ersetzt werden“, erklärt der Wandergeselle Lukas (23). Morsche Balken werden ausgetauscht, Balken tragbar gemacht, indem an beiden Seiten dünnere Balken aufgetragen werden. Wenn man Lukas reden hört, könnte man denken, er ist Maurer oder Tischler. Tatsächlich hat der 23-jährige Rheinland-Pfälzer Bäcker und Konditor gelernt. „Es geht auf der Walz auch darum, in andere Gewerke hineinzuschnuppern“, sagt Lukas. Für seine Zeit als Wandergeselle hat er seinen Nachnamen abgelegt, nennt sich Lukas Fremder Freireisender, Bäcker und Konditor. Woher das kommt, weiß er nicht genau. „Es hat viel mit Tradition zu tun“, sagt Lukas. Die Werte der Wandergesellen werden von Generation zu Generation mündlich weitergegeben. Zum Beispiel, dass man seine Hemdsärmel nach innen umkrempelt, „damit kein Schutt in die Ärmel fällt“ oder dass man die Ärmel nicht über die Ellenbogen nach oben schiebt, „weil das aggressiv“ wirkt, wie Lukas erklärt. Er ist seit 2014 auf Wanderschaft, war in Deutschland, in der Schweiz und in Liechtenstein unterwegs. Seine nächsten Ziele sind Portugal und Argentinien. „Ich lerne in der Zeit viele verschiedene Menschen kennen, treffe auf unterschiedliche Kreise, lerne auf mich selbst zu hören, mich selbst zu finden“, beschreibt Lukas den Reiz. Wenn es um ein soziales Projekt geht, wie bei der Straze, arbeitet er ohne Lohn. In der Regel jedoch verdient er Geld, heuert auf Baustellen oder in Bäckereien an. Die Idee eines Initiativenhauses, in dem sich verschiedene Vereine engagieren können und viel Platz für Kreativität geboten wird, begeistert ihn.

Die Rettung für das denkmalgeschützte Gebäude kam in letzter Sekunde. Längst hatte die Stadt die Abrissgenehmigung erteilt, ein Investor wollte einen Neubau mit Wohnungen entstehen lassen. Die Straze kämpfte viele Jahre, bis sie das Haus endlich kaufen durfte. Noch heute zweifeln einige, ob die Ehrenamtler ein solch großes Projekt stemmen können. Fünf Millionen Euro und viel Engagement soll das Initiativenhaus kosten. Es ist eine riesige Aufgabe. Nachdem das Fachwerk an Decken und Wänden komplett von innen nach außen verlegt wurde, muss auch das Fundament komplett erneuert werden. Der Boden wird in kleine Abschnitte eingeteilt, nacheinander 30 Zentimeter tief ausgekoffert und eine Fundament eingelassen. Am Ende wird wohl jedes Gebäudeteil einmal auseinandergenommen, überprüft, verbessert oder ausgetauscht und dann wieder zusammengesetzt worden sein.

Wandergesellen

500 bis 600 Gesellen sind derzeit deutschlandweit auf Wanderschaft. Bis 1850 war sie Pflicht. Die Wanderschaft dauert drei Jahre und einen Tag.Die freireisenden Wandergesellen sind nicht Mitglied in einem Schacht. Hier können Frauen und Männer sowie alle alten Gewerke reisen. Außerdem gibt es die Organisation in Schächten. Diese Handwerkervereinigungen umfassen häufig nur bestimmte Gewerke. Frauen sind nicht überall zugelassen.

Katharina Degrassi

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