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Greifswald Einzelne fordern: Schützt die Alte Mensa
Vorpommern Greifswald Einzelne fordern: Schützt die Alte Mensa
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09:16 14.03.2018
„Hier haben zu Wendezeiten heiße Debatten stattgefunden“, sagt Peter Multhauf (Linke). Quelle: Foto: Sybille Marx
Greifswald

Die Alte Mensa am Schießwall sollte unter Denkmalschutz gestellt werden. Das wünscht sich Peter Multhauf, Linkenpolitiker in der Bürgerschaft. „Es ist zwar eine etwas verrückte Idee“, sagt er. „Aber das Gebäude hat zu Wendezeiten eine wichtige Rolle gespielt.“ 1989 war die Mensa im Zuge der friedlichen Revolution zum Ort hitziger politischer Debatten und zur Gründungsstätte des Neuen Forums geworden. Die Uni als Besitzer müsse daher absichern, dass kein Investor das Bauwerk abreiße oder zur Unkenntlichkeit umbaue, findet Multhauf.

Der Bau repräsentiere DDR-Geschichte und müsse zum Denkmal erklärt werden, findet Peter Multhauf (Linke). Ein Kunsthistoriker sieht es ähnlich.

Der Hintergrund: Die Mensa gilt als marode und wird für die Essensausgabe nicht mehr gebraucht. Nach Schätzungen der Uni würde es zwölf Millionen Euro kosten, sie zu sanieren (die OZ berichtete).

Erste Investoren sollen Interesse am Kauf angemeldet haben, etwa für ein Bürohaus. „Stünde das Gebäude unter Denkmalschutz, hätten sie mehr Auflagen zu berücksichtigen“, räumt Multhauf ein, „das würde die Sache erschweren.“ Der Schutzstatus sei aber wichtiger.

Auch der emeritierte Kunstprofessor Bernfried Lichtnau aus Greifswald findet: „Das Gebäude sollte erhalten werden – und zwar nicht als Parkhaus, wie einige schon vorgeschlagen haben.“ Eine geeignete Nutzung zu finden, sei aber nicht leicht. Zumal die Uni ihre Idee, aus dem Bauwerk ein Kulturhaus zu machen, inzwischen ad Acta gelegt hat. Zu teuer.

Als die Mensa 1976 eröffnet wurde, stieß sie in der Bevölkerung auf Empörung, erinnert sich Lichtnau. „Viele empfanden diesen turnhallenartigen Bau als Fremdkörper. Aber dann hat man sich daran gewöhnt.“ Im Lauf der Jahre sei die Mensa für viele zu einem kulturellen Zentrum geworden: mit Theater, Tanz, Restaurant und mehr. „Sie ist bis heute ein städtebaulich markantes Bauwerk“, sagt Lichtnau. Und ein seltenes dazu: Als Kopie einer Rostocker Mensa war sie errichtet worden, nach Entwürfen des Architektenkollektivs Hammer. „Es gab nur zwei Exemplare dieses Baus“, sagt Lichtnau. Der Rostocker steht nicht mehr.

Nach Angaben der Unteren Denkmalschutzbehörde gehört die Alte Mensa in Greifswald aber zum Denkmalbereich „Altstadt Greifswald“: Ihr äußeres Erscheinungsbild ist somit geschützt. Ob sie zusätzlich als Einzeldenkmal unter Schutz gestellt werden könnte, habe man bisher nicht geprüft. Laut Lichtnau könnte die ungewöhnliche Unterkellerung ein Argument sein: „Unter der Mensa lag ein Bunker für den Katastrophen- bis Kriegsfall“, erzählt er; für die Polizei-, Feuerwehr und Kampfgruppenleitung sei er in der DDR eingerichtet worden. „Das ist schon etwas Besonderes.“

Erik von Malottki (SPD) schlug im Bildungsausschuss schmunzelnd vor: „Vielleicht wäre die Mensa geeignet für das Präventiometer“ – das umstrittene Vorsorgezentrum, das am Museumshafen entstehen soll.

„Dann könnten wir gleichzeitig noch etwas Grün am Museumshafen retten.“

Sybille Marx

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