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Emeritierte Professoren wollen Arndt behalten

Greifswald Emeritierte Professoren wollen Arndt behalten

Vorstand appelliert an die Namenskommission des Senats der Universität – eine Debatte über das Patronat nur sechs Jahre nach der letzten hält er für unnötig

Greifswald. Ernst Moritz Arndt soll Patron der Greifswalder Universität bleiben. Das wünscht sich der Vorstand der Gemeinschaft der Hochschullehrer im Ruhestand der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald e. V.. Er hat darum einen Brief an die Namenskommission des Senats der Hochschule geschrieben, der der OZ vorliegt.

Der Hintergrund: 2010 hatte sich der Universitätssenat nach langer und hitziger Debatte gegen die Ablegung des 1933 verliehenen Namens Ernst Moritz Arndt ausgesprochen. Auch in einer Urabstimmung der Studenten sprach sich eine Mehrheit für die Fortführung des Patronats aus.

Auf Antrag der aktuellen studentischen Senatoren hat das Hochschulparlament im Juli dieses Jahres eine erneute Diskussion über den Namen der Hochschule in Gang gesetzt. Im Oktober hat der Senat eine Namenskommission gewählt. Ihr gehören Professoren der Fakultäten, Studenten und Mitarbeiter an. Die Kommission soll eine Debatte und eine eventuelle Urabstimmung in den Gruppen der Studenten, Mitarbeiter und Professoren über den Unipatron Ernst Moritz Arndt vorbereiten. Die Entscheidung über den Namen trifft der Senat.

„Auf unserer nächsten Mitgliederversammlung werden wir über den Brief abstimmen“, informiert der Vorsitzende der Gemeinschaft, Prof. Klaus-Dieter Rosenbaum. Der Biophysiker ist der federführende Autor des Briefes. Rosenbaum stand auch 2010 auf der Seite der Arndt-Befürworter. Die Senatsvorsitzende Maria-Theresia Schafmeister habe ihm zugesichert, den Brief des Vorstandes an die Namenskommission weiterzuleiten, informiert der Vorsitzende.

„Die Debatte über Arndt ist vor der Senatsentscheidung 2010 umfassend geführt worden“, stellt Rosenbaum fest. „Seitdem gibt es keine neuen Erkenntnisse.“ Dass Arndts Wirken auch dunkle Seiten habe, das sei hinreichend bekannt und dürfe auch nicht verschwiegen werden. Rosenbaum erinnert aber zugleich an die Rede von Bundespräsident Joachim Gauck zum Reformationstag 2016, als dieser auf die antijüdischen Polemiken Martin Luthers einging. Gauck habe „selbstkritische Vorsicht“ angemahnt, weil „unsere Nachkommen eines Tages unsere Bedingtheiten, unsere blinden Flecke wahrnehmen“ werden.

Das sei auch beim Blick auf Arndt zu bedenken.

Eine Wiederholung der Namensdebatte nach so kurzer Zeit verbiete sich, schreibt der Emeriti-Vorstand an die Namenskommission. „Eine traditionsreiche Universität folgt keinem zeitlich begrenzten ,Mainstream’ universitär fremder Strukturen“, heißt es dort. „Folgt sie dieser zeitbegrenzten Erscheinung der narzistischen Entledigung störender Elemente, enthauptet sie sich ihrer institutionellen Aufgabe als höchstes Bildungsorgan.... Sollten sich radikal orientierte Hochschullehrer mit dem Namen nicht identifizieren können, hätten sie eine Berufung verweigern können.“

Der Vorstand sei überzeugt, dass andere Universitäten mehr Anlass als die Greifswalder hätten, über ihre Namenspatrone nachzudenken. „Für uns, die nicht dem ,DDR-Establishment’ angehörten, war Ernst Moritz Arndt selbst eine Lichtgestalt als Freiheitskämpfer ohne danach zu fragen, wer ihn für sich vereinnahmt hatte.“

Eckhard Oberdörfer

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