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Greifswald Greifswalder Polizeigefängnis wird saniert
Vorpommern Greifswald Greifswalder Polizeigefängnis wird saniert
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15:39 18.04.2019
Regina Grund und Dirk Brandt bei der Besichtigung der Funde im Keller Quelle: Eckhard Oberdörfer
Greifswald

Bauhistoriker Dirk Brandt ist im Haus Baderstraße 24, dem früheren Greifswalder Polizeigefängnis, auf Erkundungstour. Jetzt hat er im Keller einen alten Ofen entdeckt. Da sich in dem kleinen Raum über der Brennkammer Haken befanden, wurde hier vermutlich etwas getrocknet. Auch seien Strukturen eines in den 1930er Jahren eingerichteten Luftschutzkellers gut erkennbar. Eine der zugehörigen Luftschleusen und die Raumabteilung für eine Trockentoilette sind gut sichtbar

Die eigentlichen Schutzräume für insgesamt 50 Personen befanden sich laut Plan von 1934 unter dem Nordteil des einstigen Gefängnisgebäudes, das sich ursprünglich bis an die Domstraße erstreckte. Diese Haushälfte wurde zu Beginn der 1960er Jahre abgetragen. Die Kellermauern liegen seither unter der Freifläche im Eckbereich Dom- und Baderstraße im Untergrund verborgen. Ob sich hier auch Gefängniszellen befanden, ist bislang nicht sicher. Weitere Aufschlüsse könnten die laufenden Baggerarbeiten auf diesem Grundstücksabschnitt liefern.

Schlauchturm kommt wieder

Dirk Brandt arbeitet im Auftrag der Peter-Warschow-Stiftung, die den denkmalgeschützten Baubestand saniert. Auf dem angrenzenden Gelände der ehemaligen Freiwilligen Feuerwehr werden Neubauten entstehen. Der Turm von 1876/1877, in dem einst Feuerwehrschläuche getrocknet wurden, war so baufällig, dass er abgerissen werden musste. „Er wäre uns beim Einbringen der Bohrpfähle umgefallen“, schätzt Geschäftsführerin Regina Grund ein. Eine Kopie werde an ihn erinnern. Wegen ihres schlechten Zustandes sind die übrigen Gebäude der Feuerwehr weitgehend abgetragen worden. Historisch wertvolle Ausstattungselemente, zum Beispiel Türen aus dem Jahr 1904 und einige Fenster, werden wiederverwendet.

Das zweitgrößte weltliche Gebäude der Stadt

Ein alter Ofen im Keller. Quelle: eob

Bei jüngst erfolgten Ausschachtungen in der Domstraße wurden geringe Reste des womöglich noch aus dem 14. Jahrhundert stammenden Syndikatsgebäudes gefunden. Es war nach dem Rathaus das zweitgrößte weltlich genutzte Haus der Stadt. Hier saßen die Syndici, modern so etwas wie Rechtsamtsleiter. Das Gebäude war, wie auch das gegenüberliegende Zeughaus und die in den 1980er Jahren abgerissenen Ratsdienerbuden, zumindest im weitesten Sinne Teil des seit dem 14. Jahrhundert nachweisbaren Stadthofes. Lange glaubte die lokale Geschichtsforschung, dass im Syndikatshaus Heinrich Rubenow 1462 ermordet wurde. Heute gelten indes entweder das Rathaus oder das Haus Domstraße 33, die vermutliche Stadtschreiberei, als wahrscheinliche Orte des Verbrechens. Letzter Syndikus, der im Haus wohnte, war der 1844 verstorbene spätere Bürgermeister Johann Christian Billroth. Anschließend war hier zunächst eine Mädchenschule untergebracht, 1872 zogen bei der großen Sturmflut in jenem Jahr obdachlos gewordene Bürger ein.

Abriss trotz Protesten

Das Syndikatshaus wurde trotz vieler Proteste ab September 1878 abgerissen, berichtet Brandt. Er hat sich mit diesem Gebäude und der Geschichte des Greifswalder Stadthofes eingehend beschäftigt. Von dem 1879 fertiggestellten Neubau des Gefängnisses ist namentlich der südliche Teil erhalten. In ihm wohnten zunächst wohl der Gefängnisdirektor und der Kommandant der Feuerwehr. Die Zellen der Häftlinge und Räume für das Wachpersonal befanden sich im nördlichen Teil. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden aus den Wohnräumen Büros und Arbeitsräume für die Feuerwehr. Bis 1971 befand sich dort die zentrale Leitstelle der Berufsfeuerwehr. Dann zog die Verwaltung ein.

Der große Hof bleibt

Erhalten ist auch die zusammen mit dem Gefängnis errichtete, neugotische Mauer des Feuerwehrhofes. Das 1876/77 fertiggestellte Spritzenhaus wurde 1904 beträchtlich verbreitert, ein zweites Geschoss aufgestockt. „Wie es ursprünglich auf dem Feuerwehrhof aussah, können wir rekonstruieren“, informiert der Bauhistoriker. Bis heute ist die Sondersituation einer großen Hofanlage inmitten der Stadt erkennbar. Die bauliche und funktionale Entwicklung des Stadthofes bietet genug Themen für ein Buch, in dem interessierte Greifswalder die neuen Erkenntnisse nachlesen könnten.

Die Planungen der Peter-Warschow-Stiftung sehen vor, dass die Bauarbeiten 2020 abgeschlossen werden, bestätigt Regina Grund. Ob man mit den geplanten drei Millionen Euro auskomme, lasse sich noch nicht sagen. Der Neubau an der Ostseite wird drei Stockwerke haben - mit Wohnungen in verschiedenen Größen, zum Teil altersgerecht. Ein Gemeinschaftsraum für gemeinsame Aktivitäten der Bewohner, wie Kochen, Feste, Sport, ist ebenfalls geplant. Dass die Kaltmiete pro Quadratmeter nur 5,50 bis 6 Euro betragen soll, ist eine gute Botschaft - für die zentrale Lage sehr wenig.

Das Gelände der alten Feuerwehr in Greifswald noch mit Schlauchtur Quelle: Sybille Marx
Der frühere Stadthof mit dem Gebäude des früheren Polizeigefängnisses heute Quelle: Eckhard Oberdörfer

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Eckhard Oberdörfer

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