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Entenflottalarm im Museumshafen

Greifswald Entenflottalarm im Museumshafen

Staatliches Amt verweist auf ein Zusammenspiel von Regen und Wind / Wasser ist zudem sehr nährstoffreich

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Zeitweise war der Ryck im Bereich des Museumshafens fast komplett grün.

Quelle: Peter Binder

Greifswald. Komplett grün präsentiert sich der kleine Hafen des Seesportvereins an der Straße Am Eisenhammer an der Nordseite des Ryck. Entengrütze, auch Entenflott genannt, bedeckt das Wasser. Wissenschaftler sprechen von „Wasserlinsen“. Klaus Ledderhos, der 73-jährige Vorsitzende des Seesportvereins, hat solche Mengen Entenflott oberhalb der Steinbeckerbrücke noch nie beobachtet. Zeitweise ist fast der gesamte Museumshafenbereich mit den Wasserlinsen bedeckt, ehe der langsam fließende Ryck die kleinen Pflanzen weiterbefördert.

Ledderhos kann sich vorstellen, dass die Ursache der Wasserlinseninvasion in der Beseitigung von Sperren im Ryck liegt. Das sind auf den Fluss gelegte Balken, die beispielsweise Äste oder Pflanzen aufhalten. „Wir haben gar keine Sperren im Fluss“, dementiert Manfred Schalli. Er ist der Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Ryck-Ziese, der für den Ryck bis zur Steinbeckerbrücke zuständig ist.

Sperren würden dann gelegt, wenn der Ryck „gekrautet“ wird, also Pflanzen aus dem Fluss entfernt werden, um diese zurückzuhalten. Die letzte Krautung habe aber vor vielen Jahren stattgefunden.

Schalli bestätigt aber das massenhafte Vorkommen der Wasserlinsen auf den 25 Ryck-Kilometern, für die der Verband zuständig ist. Er kann sich nicht an eine ähnliche Ausbreitung erinnern. „Schauen sie sich den Ryck mal bei Jarmshagen an“, rät Schalli.

Dass die Wasserlinsen so stark gedeihen, sei ein Zeichen für den hohen Nährstoffgehalt des Ryck, stellt Peter König, der Kustos des Botanischen Gartens der Universität, fest. Bei ausreichender Wärme können die kleinen Pflanzen mit ihren Wurzelfäden die gelösten Nitrate, Phosphate und so weiter aufnehmen.

Da es in der Dänischen Wiek kein massenhaftes Auftreten der Entengrütze gibt, kann sich König vorstellen, dass eine geringe Veränderung des Salzgehalts deren Wachstum im Hafenbereich begünstigt.

Verantwortlich könnte das Wiecker Sperrwerk sein. Salz- ist schwerer als Süßwasser. Boddenwasser könnte durch Einbauten am Grund des Flusses zurückgehalten werden. „Aber das ist Kaffeesatzlesen“, winkt König ab.

Es gebe keine Probleme für den Wasseraustausch durch das Sperrwerk, meint auch Matthias Wolters, Leiter des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu), das für die Bundeswasserstraße Ryck ab der Steinbeckerbrücke zuständig ist. Er nennt eine Reihe möglicher Ursachen, die im Zusammenspiel für den grünen Ryck sorgten. Durch die Niederschläge der letzten Wochen könnten Nährstoffe aus dem Einzugsbereich verstärkt in den Fluss gelangt und Richtung Mündung transportiert worden sein. Diese Nährstoffe stammen großteils aus der Düngung der Felder. Wolters kann sich ferner vorstellen, dass über die Schöpfwerke, die die Flächen am Ryck entwässern, Entenflott aus kleineren Gewässern in den Fluss gelangte. Wenn der Wind dann noch Richtung Steinbeckerbrücke bläst, bleibt das Wasser inklusive Entengrütze länger im Stadtgebiet. Mitgeführte Partikel steigen nach oben und sammeln sich in ruhigen Bereichen wie dem Hafen. „Es ist davon auszugehen, dass es bei drehendem Wind zum Abfluss der Entengrütze in die Dänische Wiek kommt“, so Wolters.

Für den Bootsbauer Hanseyachts sind die Wasserlinsen kein Problem. „Wir wünschen allen Enten guten Appetit“, kommentiert Sprecher Florian Nierich nur.

Pflanze mit Potenzial

Die verschiedenen Arten der Wasserlinsen haben Eigenschaften, an deren Nutzung geforscht wird. Entengrütze wächst sehr schnell und kann unter optimalen Bedingungen ihre Biomasse innerhalb eines Tages verdoppeln. Sie gedeiht auch auf Schmutz- oder Abwasser. Damit könnte sie zur Wasserreinigung eingesetzt werden. Entengrütze liefert mehr Eiweiß pro Quadratmeter Anbaufläche als Sojabohnen und enthält viel Stärke. Die Wasserlinsen könnten darum als Tierfutter oder als Rohstoff für die Biogas und Bioethanolproduktion verwendet werden.

Eckhard Oberdörfer

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