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Greifswald Enttäuschung am Humboldt-Gymnasium
Vorpommern Greifswald Enttäuschung am Humboldt-Gymnasium
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04:59 30.04.2018
„Wir können hier arbeiten, das geht“, sagt Schulleiter Ulf Burmeister. Aber einen angemessenen Standard biete das Gebäude nicht mehr. Quelle: Foto: Sybille Marx
Greifswald

Wenn Schulleiter Ulf Burmeister durch die beiden Häuser des Humboldt-Gymnasiums in Schönwalde II geht, sieht er überall Dinge, die saniert werden müssten:

klemmende Türen, löchrige Fassadenkacheln, fehlende Jalousien vor vielen Fenstern. „Aber wir wissen nie: Lohnt sich eine Sanierung noch oder wird hier in drei Jahren sowieso kernsaniert oder abgerissen“, seufzt er.

Und nun das: Die Ungewissheit wird noch länger bleiben als gedacht. Denn die Stadtverwaltung hat die Prüfung „Neubau oder Sanierung?“ aus Überlastungsgründen noch nicht ausgeschrieben. Das stellte sich am Mittwochabend im Bildungsausschuss der Stadt heraus. Folge: Die Bürgerschaft wird die nötigen Planungsmittel voraussichtlich noch nicht in den Doppelhaushalt 2018/19, sondern erst 2020/21 einstellen können. Bis das Bauprojekt Humboldt-Gymnasium fertig ist, könnten dadurch zwei Extra-Jahre vergehen.

„Ich bin echt sauer“, sagt SPD-Mann Erik von Malottki, Vorsitzender des Bildungsausschusses. Nicht umsonst habe die Bürgerschaft eine Prioritätenliste für alle Bauprojekte der Stadt erstellt. Auch Peter Madjarov von den Grünen und Marion Heinrich von den Linken finden: „Die Verwaltung hätte früher sagen müssen, dass sie da nicht hinterher kommt.“

Laut Jeannette von Busse, Bausenatorin der Stadt, arbeiten viele Verwaltungsmitarbeiter derzeit an ihren „Kapazitätsgrenzen“, weil in Greifswald ungewöhnlich viele und große Bauprojekte gleichzeitig laufen oder in Planung sind. „Wir können nur eins nach dem andern abarbeiten“, sagt sie.

Auf Heinrichs Frage, ob wegen der Zeitverzögerung nun die Katastrophe am Humboldt-Gymnasium ausbreche, gibt Burmeister Entwarnung. „Wir können hier arbeiten, das geht alles“, sagt er. Es sei nur nicht mehr angemessen, die über 600 Schüler und 60 Lehrer hätten einen anderen Standard verdient.

Die beiden Plattenbauten der Schule, die in der Makarenkostraße klotzartig in die Höhe ragen, stammen aus den 1970er-Jahren, wurden 1993/94 teilsaniert und wirken heute „abgewohnt“, wie Burmeister treffend beschreibt. Nach einer ersten groben Schätzung aus dem Immobilienverwaltungsamt müssten rund 35 Millionen Euro für sie veranschlagt werden.

Ein Neubau wäre sinnvoller als eine Sanierung, meint der Schulleiter: Von der ganzen Architektur her sei die Schule nicht mehr zeitgemäß. „Wir haben den gleichen Bautyp wie die Fischerschule, und nicht umsonst hat man sich dort für Neubau entschieden“, argumentiert er. Ein Beispiel: In den oberen drei Stockwerken fehlt jeweils ein durchgehender Flur, mehrere Klassenräume sind dadurch nur über andere zu erreichen. Für ein Lernen jenseits von Frontalunterricht seien viele Räume zu klein, auch die Aufteilung der Fachräume sei unpraktisch, sagt Burmeister. Und: In Teilen des Gebäudes fehlten Fluchtwege. „Wenn da ein Brand ausbräche, wäre es schlimm.“

Dem Vorschlag von Peter Multhauf (Linke), einfach direkt eine Sanierung des Gymnasiums zu beschließen, kann Burmeister darum nichts abgewinnen. Lieber wartet er weiter auf die Variantenprüfung.

Immerhin: Demnächst soll sie ausgeschrieben werden.

Sybille Marx

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