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Er schuf das Korsett der Königin

Die Historische Seite: Geschichte und Geschichten aus Greifswald und Umgebung Er schuf das Korsett der Königin

Hans-Werner Futter hat die Schoah in London überlebt. Er wurde vor 90 Jahren in Greifswald geboren und war unter anderem im Dienste von Queen Elisabeth II.

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Die Stolpersteine für die Mitglieder der jüdischen Familie Futter in der Brüggstraße. Die Söhne überlebten.

Quelle: eob

Greifswald. Ein gebürtiger Greifswalder hat das Korsett gefertigt, das Englands Königin Elisabeth II. bei ihrer Krönung trug. Darüber hat Hans-Werner Futter 2007 in der ORT-Zeitung berichtet. Die Maße werden allerdings bis heute mit Erfolg geheim gehalten. Futter hat noch mehr Spuren in der Weltgeschichte hinterlassen. Seine Firma sorgte für die elektrischen Anlagen im großen Palast des Moskauer Kreml.

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Die Stolpersteine für die Mitglieder der jüdischen Familie Futter in der Brüggstraße. Die Söhne überlebten.

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Die ORT (Organisation — Reconstruction — Training) wurde 1880 in Russland als „Gesellschaft für handwerkliche und landwirtschaftliche Arbeit“ gegründet. 1921 entstand daraus die World ORT als internationale Organisation mit Sitz in Berlin. Laut Selbstdarstellung ist das die größte jüdische Nichtregierungsorganisation für Bildung und Berufsbildung in der Welt.

Hans-Werner Futter wurde im Juli 1923 in Greifswald geboren. Vor dem Haus Brüggstraße 12 erinnert einer der Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig an ihn. Die erste Verlegung erfolgte 2008, nach dem Diebstahl der Steine im November 2012 ist es inzwischen der zweite Stolperstein. Erinnert wird an vier Familienmitglieder. Thea und Julius Futter wurden in Auschwitz ermordet, Gert und Hans-Werner Futter flohen.

Stadtführer Uwe Unruh hat sich näher mit dem Leben Futters befasst. Er hat für seine Führungen ein Schaubild zum Thema „Juden in Greifswald“ zusammengestellt. Laut Hans-Friedrich Rahn, einer von Futters Greifswalder Klassenkameraden, hat die jüdische Kaufmannsfamilie bis 1938 in der Brüggstraße gewohnt. Nach kurzzeitiger Verhaftung von Julius Futter im Zusammenhang mit der Pogromnacht vom 9.

zum 10. November 1938 sei die Familie nach Berlin gezogen. Die Söhne flohen später — noch rechtzeitig — nach England.

„Ich habe im Juli 2008 Herrn Rahn angerufen“, erzählt Unruh. Diesen hatte Futter 1999 und 2006 in Greifswald besucht. Von Rahn erfuhr Unruh, dass Hans Futter (so die Inschrift auf dem Stolperstein) richtig Hans-Werner heißt. Die Familie habe in Greifswald einen An- und Verkauf für Waren aller Art betrieben. Rahn erzählte, dass Futter vom Greifswalder jüdischen Gebetshaus im Haus Markt 13 Marschübungen der SA auf dem Markt beobachtete. „Keiner hat damals geahnt, welche grausamen Verbrechen derartige Leute bald an den Juden verüben werden“, schätzt Unruh ein.

Laut dem Bericht Hans-Werner Futters vor Schülern des Humboldtgymnasiums 2006 mieden die Greifswalder Kinder ab Mitte der 1930er Jahre ihre jüdischen Mitschüler. In Berlin haben er und sein Bruder dann die ORT-Schule besucht. „Aus einem Lebensbericht von Erich Bernheim geht hervor, dass 102 Schüler und acht Lehrer der Berliner ORT-Schule am 27. August 1939 Berlin mit Visa des englischen Konsulates verließen“, berichtet Unruh. Erste Unterkunft in England war eine Herberge der Heilsarmee. „Jüdische Einwohner des Londoner East End beschenkten sie am Morgen mit Apfelsinen, Äpfeln, Würsten und anderen Nahrungsmitteln.“

Im Dezember 1939 wurde eine ORT-Schule in Leeds eröffnet, die dann auch Erich Bernheim und die Gebrüder Futter besuchten. Diese gründeten nach dem Zweiten Weltkrieg eine Firma, die Haken und Ösen, Schnallen und andere Teile für Damenunterwäsche herstellte und Zulieferer von Marks & Spencer war. So kam es zu dem Korsettauftrag für eine gewisse Elisabeth.

Die Greifswalder Stolpersteine

13Stolpersteine für Greifswalder Juden gibt es seit Mai dieses Jahres wieder in der Hansestadt. Neu verlegt wurden 2013 Steine für den Nervenarzt Edmund Foster und für Else Burchard.

11dieser Kunstwerke hatten Unbekannte in der Nacht vom 9. zum 10. November 2012 entwendet. Dank eines Spendenaufrufs der Evangelischen Studentengemeinde konnten neue Steine finanziert werden.

 

Eckhard Oberdörfer

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