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OZ-Interview mit der Rektorin über Studenten, das Schicksal des Unipatrons und die Zukunft der Alten Physik

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In diesem Wintersemester wird erstmals der neue große Hörsaal in der Loefflerstraße genutzt.

Quelle: Stefan Sauer

Greifswald An der Universität hat das Wintersemester begonnen. Etwa 2000 der rund 10500 Studenten sind im ersten Fachsemester. Zum Semesterbeginn sprach die OZ mit Rektorin Prof. Johanna Weber.

 

OZ-Bild

Johanna Weber

Quelle: vl

Wir wollen unsere Beziehungen zu den Gym- nasien weiter verbessern.“Johanna Weber, Unirektorin

Sind Sie mit der Zahl der neuimmatrikulierten Studenten zufrieden?

Johanna Weber: Ja, sehr. Dass wir trotz weiter sinkender Abiturientenzahlen in Mecklenburg-Vorpommern das erreichte Niveau halten konnten, das ist wunderbar. Wir konnten noch mehr junge Leute aus anderen Bundesländern für Greifswald gewinnen.

Ist das ein Ergebnis der Werbung für die Ernst-Moritz-Arndt-Universität?

Weber: Ich denke schon. Wir haben beispielsweise gezielt in Schleswig-Holstein geworben. Dort gab es in diesem Jahr einen doppelten Abiturjahrgang. 2015 hatten wir 179 Erstsemester aus Schleswig-Holstein und 2016 sind es 227.

Gibt es Ideen, die Werbung für Greifswald zu verstärken?

Weber: Ja, wir wollen unsere Beziehungen zu den Gymnasien weiter verbessern, um mehr Landeskinder zu gewinnen. Rostock mit seinem größeren Umfeld hat es da leichter als wir.

In der Vergangenheit waren die Studienanfängerzahlen in der Betriebswirtschaftslehre noch höher als heute. Haben Sie das erwartet? Ist womöglich das Festhalten am Diplomkaufmann die Ursache?

Weber: Der Rückgang war zu erwarten. Es gibt auf der einen Seite leidenschaftliche Befürworter des Diplomstudiengangs, die wegen dieses Angebots nach Greifswald kommen. Auf der anderen Seite sind die, die Bachelor/Master-Studiengänge befürworten. Die zweite Gruppe wird aktuell größer.

In der Vergangenheit hielt sich die Zahl der Bewerber für das Lehramt Regionalschulen im Gegensatz zu dem für Gymnasien in Grenzen. Gibt es Besserung?

Weber: Erfreulicherweise ja. Die Lehramtsstudiengänge sind sehr beliebt. Noch eine gute Nachricht. Fast alle 30 Plätze für das wiedereingeführte Lehramt Gymnasien Mathematik sind besetzt.

Gibt es noch mehr neue Studiengänge in diesem Wintersemester?

Weber: Wir haben kurzfristig den Bachelorstudiengang Mathematik eingeführt. Dort gibt es nur wenige Einschreibungen, weil wir keine Zeit hatten, ihn bekannt zu machen. Ferner wurde der internationale Studiengang Landschaftsökologie geschlossen. Dafür gibt es jetzt einen entsprechenden Studiengang ohne die spezifischen internationalen Elemente. Die aktuellen Zahlen sind vergleichbar mit denen der Vergangenheit.

Physik, immerhin ein Schwerpunkt der Forschung in Greifswald, fand in der Vergangenheit immer wenige Interessenten.

Weber: Es gibt eine sehr erfreuliche Zunahme der Zahl der Erstsemester. Beim Bachelor sind es nun 36, vier mehr als 2015. Auch der Bachelor of Science Umweltwissenschaften mit 58 und Biochemie mit 74 sind nachgefragter als im letzten Jahr.

Osteuropa gehört wie Nordeuropa ebenfalls zu den Schwerpunkten in Greifswald. Wie steht es denn mit dem Interesse an Russistik, Polonistik, Baltistik und Ukrainistik?

Weber: Man darf in diesen Fächern keine großen Studierendenzahlen erwarten. Russisch als Hauptfach für das Lehramt Gymnasien verzeichnet sieben Einschreibungen, für Realschulen sind es drei.

Bei Polnisch gibt es zwei Erstsemester mit diesem Hauptfach. Für den Masterstudiengang Slawische Philologien ist es schwer, Bewerber zu finden.

Und wie ist es mit dem Bachelor Baltistik und dem Bachelor Slawistik, zu dem die Ukrainistik gehört?

Weber: Auch hier bleibt die Nachfrage gering.

Wie entwickelt sich denn der neue Schwerpunkt Landschaftsökologie?

Weber: Sehr erfolgreich, wie beispielsweise das Graduiertenkolleg zu Biologischen Reaktionen auf neue und sich ändernde Umweltbedingungen, zeigt, dessen Sprecher Professor Klaus Fischer ist.

Die Philosophische Fakultät will Schwerpunkte in der Romantik setzen. Schafft sie das?

Weber: Sie ist besonders dank der Bemühungen der Kollegen Professor Kilian Heck und Professor Eckhard Schumacher auf einem sehr guten Weg. Neue Möglichkeiten der Forschung eröffnen die Schenkung der Sammlung der Gemälde aus der Kopenhagener Malerschule von Christoph Müller an das Pommersche Landesmuseum und die Zusage des Bundes für den Bau einer Galerie der Romantik. Das Land gibt Geld für Forschungsarbeiten. Das alles ist sehr positiv für Universität und Stadt.

Eine Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts bewegt erneut die Universität. Zum dritten Mal seit der Wende wird der Name Ernst Moritz Arndt in Frage gestellt. Sie waren vor fünf Jahren Mitglied der Namenskommission des Senats. Jetzt setzt das Hochschulparlament wieder eine Kommission ein. Was wünschen Sie sich?

Weber: Ich bin völlig offen und werde jede Entscheidung des Senats akzeptieren.

Seit über zehn Jahren steht die Alte Physik leer. Der CDU-Landtagsabgeordnete Egbert Liskow engagiert sich für zusätzliches Geld für ein Universitätsschauhaus. Der scheidende SPD-Bildungsminister Mathias Brodkorb spricht sich für eine Nutzung für Verwaltung und Lehre aus. Was bevorzugen Sie?

Weber: Ich bin auch hier völlig offen. Wir benötigen für die Sanierung über zehn Millionen Euro zusätzlich. Es ist völlig unbefriedigend, dass ein Gebäude im historischen Zentrum leer steht.

Wenn zusätzliches Geld für Tourismus fließt, wird es eine Nutzung geben, mit denen sich die Universität nach Außen präsentiert. Wenn es sich um Mittel für den Hochschulbau handelt, werden wir das Haus überwiegend für Lehre und Forschung nutzen.

Was erwarten Sie von der neuen Bildungsministerin?

Weber: Dass sie uns als Partner sieht, uns zuhört und bereit ist, mit uns über unsere Anliegen und Vorstellungen zu diskutieren.

Das heißt mehr Geld?

Weber: Es geht nicht immer nur um Geld. Es wäre auch wichtig, wenn wir mit unseren Mitteln, beispielsweise bei der Stellenbewirtschaftung, flexibler umgehen können.

Die Universität hat sich in der jüngeren Vergangenheit unter anderem durch Sprachkurse bei der Integration von Geflüchteten engagiert. Wie viele nehmen denn ein Studium in Greifswald auf?

Weber: Es gibt an der Universität derzeit knapp 50 Geflüchtete, die sich auf ein Studium in Greifswald vorbereiten, davon 17 im Kurs zur Deutschen Sprachprüfung für den Hochschulzugang, zwei im Studienkolleg und 30 im neuen Vorbereitungskurs, der in der vergangenen Woche gestartet ist.

2017 wird ein neuer Rektor gewählt. Streben Sie eine zweite Amtszeit an?

Weber: Dazu kann ich gegenwärtig noch nichts sagen.

Interview: Eckhard Oberdörfer

OZ

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