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Greifswald Erst katholische Kirche, dann Gaststätte
Vorpommern Greifswald Erst katholische Kirche, dann Gaststätte
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00:05 24.10.2016
Das Eckhaus Martin-Luther-Straße/Bahnhofstraße wurde im 19. Jahrhundert gebaut. Quelle: Eckhard Oberdörfer

Das heute heruntergekommene Eckhaus Bahnhofstraße / Martin-Luther-Straße hat eine bewegte Geschichte. Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut, war das Gebäude anfangs Gaststätte mit Kegelbahn. Schon 1862 kaufte es die hiesige katholische Gemeinde als ihr erstes eigenes Haus. Diese war bisher an verschiedenen Stellen Mieter gewesen.

Ob Pferdefleisch in der Rösselbar beziehungsweise Ponybar angeboten wurde ist nicht bekannt.“Rainer Neumann, Hobbyhistoriker

Die katholische Gemeinde richtete eine Kapelle für die sonntäglichen Gottesdienste ein, die von 9 bis 10.45 Uhr dauerten. 14 Uhr gab es eine halbe Stunde Unterricht für Erwachsene. Der erste Stock diente als Pfarrhaus, und es gab auch eine Wohnung für einen Lehrer. Denn schon einige Jahre bestand eine katholische Schule mit etwa 20 Kindern. Dafür wurde im Erdgeschoss zum Hof hin ein Schulraum eingerichtet, und Pfarrer und Lehrer erteilten den Unterricht. Dazu gab ein Student teilweise noch Französischunterricht.

Die katholische Gemeinde finanzierte ferner den Neubau einer Holzbrücke für Fußgänger über den Stadtgraben, denn die heutige Martin-Luther-Straße war noch nicht angelegt, sondern nur ein Kiesweg. Die heutige Brücke als Straßenverbindung wurde erst 1888/89 erbaut.

1871 wurde der Neubau der katholischen St. Joseph-Kirche eingeweiht. Im November nahm die Gemeinde Abschied von der Kapelle und zog in das neue Gotteshaus. Es war bitterkalt, und die als Gast geladenen Professoren und die Stadtspitze standen frierend auf der Bahnhofstraße, da der Kirchraum schon belegt war, heißt es in einem zeitgenössischen Bericht. Die evangelischen Pastoren waren übrigens nicht eingeladen, was in der Presse vermerkt wurde.

Das Eckhaus Lutherstraße wurde noch fast zehn Jahre als Pfarrhaus und Schule genutzt. Dann erfolgte der Verkauf an den Badbesitzer Dolberg. Dieser erwarb dazu die drei Häuser Bahnhofstraße 4 bis 6, also das heutige Koeppenhaus und das Nachbargebäude. Dolberg richtete vermutlich eine private Poliklinik für Nervenkranke ein, wie das Greifswalder Adressbuch für drei Jahre ausweist. Er weitete sein Geschäft nämlich immer weiter aus. Dolberg baute im Gartengelände zum Stadtgraben hin ein eigenes Badehaus, wo er Sol- und Moorbäder sowie Massagen anbot.

Nach seinem plötzlichen Tod 1902 im Alter von 66 Jahren erbte seine Frau die Häuser und verpachtete die Bahnhofstraße 6 als Gaststätte. Erst im Jahre 1903 wurde der heutige schräge Eingang an der Ecke angelegt.

Gaststätte blieb das Gebäude jahrzehntelang. Vor allem mit der Familie Subklew als Wirte. Albert Subklew, bis 1942 Pächter, teilte in einem Antrag auf eine Schankkonzession dem Amt mit, dass er den Betrieb „ohne Damenbedienung“ betreiben wolle.

Nach seinem Tod erbte seine Frau den Betrieb und führte ihn weiter. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Wohnräume im Haus durch Flüchtlinge belegt. 1955 starb auch die Witwe Subklews und die Tochter bekam das Haus, starb aber bald, ohne dass es Erben gab. Nun wurde die DDR der Eigentümer, und die Handelsorganisation der DDR (HO) nutzte das Haus. Die HO verwendete das Gebäude auch als Ausbildungsbetrieb. Die Gaststätte wurde als „Rösselbar“ und als Ponybar bekannt. Fraglich ist, ob Pferdefleisch angeboten wurde. Dann befanden sich im Haus eine Fischbratstube und eine Eisbar.

Das Eis wurde auf dem Hof produziert und auch an andere Gaststätten,geliefert.

Nach der Wende befand sich hier das maritime Restaurant „Albatros“. Gäste wurden auch abgeholt und zurückgebracht. Schließlich zog in das Haus die Pizzeria „Marco Polo“ ein und zuletzt ein Pizzalieferdienst. Schließlich wurde das Haus verkauft, doch die Bestrebungen, das denkmalgeschützte Haus als Wohnhaus umzubauen scheiterten. Heute ist es in einem beklagenswerten Zustand.

Rainer Neumann sucht Zeitzeugen für die Gaststätte Subklew, die Rösselbar oder die Eisdiele, um noch mehr über das Gebäude zu erfahren (03834 85 43 40 oder:

rainer@neumann-greifswald.de)

Rainer Neumann

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