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Erstaunliche Fakten – Spinnen im Mittelpunkt der Forscher

Greifswald Erstaunliche Fakten – Spinnen im Mittelpunkt der Forscher

Eklig? Abstoßend? Keinesfalls, finden die Forscher der Arachnologischen Gesellschaft / In Greifswald trafen sich die Anhänger der Achtbeiner / Was fasziniert sie an den Tieren?

Greifswald. „Iiiiiieehh!! Eine Spinne!“ Je größer das Exemplar, desto höher die Tonlage des Schreis. Während viele ihr den Tod wünschen und Reißaus nehmen, stürzen sich andere eifrig in die Erforschung dieser Tiere. Kürzlich versammelte sich eine 44-köpfige Gruppe von Achtbeiner-Freunden, die Arachnologischen Gesellschaft (Arages), zu einer Tagung in Greifswald. „Viele Menschen haben eine unbegründete Angst vor Spinnen entwickelt“, schätzte Mitglied Jonathan Neumann von der Universität Potsdam ein. Es wird also Zeit, der Spinne von ihrem Horrorfilm-Image zu befreien und die Besonderheiten hervorzuheben, die die Forscher so faszinieren.

 

OZ-Bild

Bei diesem Spinnenweibchen handelt es sich um ein Exemplar der Gattung Argiope Lobata. Die Männchen dieser Radnetzspinne sind nicht einmal halb so groß und ihnen fehlt die auffällige Musterung.

Quelle: Peter Binder

Nur wenige Ausnahmen sind für Menschen giftig.“ Wolfgang Nentwig

Viele haben unbegründet Angst vor Spinnen:“ Jonathan Neumann

Die Spinne als Rechenkünstler

Fakt ist: Fast alle Spinnen sind giftig. „Sie lähmen so Insekten, ihre natürliche Beute. Nur wenige Ausnahmen sind für den Menschen giftig“, erläuterte Wolfgang Nentwig in seinem Vortrag für die Arages. Der Ökologieprofessor von der Universität Bern erforscht, wie Spinnen ihr Gift einsetzen und wie sich diese Substanz zusammensetzt. Dafür „molk“ er zwischen 1000 und 5000 Spinnen.

Schmerztechnisch verglich er einen Spinnenbiss mit einem Wespenstich. „In den vergangenen vierzig Jahren wurden keine Todesfälle durch Spinnengift verzeichnet. Durch Wespenstiche jedoch schon“, gibt Nentwig zu bedenken. „Spinnen können sehr gut rechnen“, ist eine weitere Aussage Nentwigs. Sie wüssten genau, wie viel Gift noch in ihren Drüsen sei. „Zuerst sammeln sie Information über ihre Beute und wägen anschließend ab, ob sich ein Angriff lohnt“, erklärte er. Denn, wie Nentwig betonte: „Gift ist sehr wertvoll. Sind die Drüsen einmal leer, brauchen sie bis zu zehn Tage, um sich wieder zu befüllen.“

Spinnen und ihre Sexpraktiken

Rein, raus – so einfach ist die Reproduktion in der Spinnenwelt nicht. Das hochkomplexe Sexualverhalten der Tiere wird seit vielen Jahren von Professorin Gabriele Uhl von der Universität Greifswald erforscht. Eine romantische Angelegenheit ist das nicht. „Bei der Wespenspinne ist die Überlebenschance des Männchens gleich null“, so Uhl. Es müsse sich gegen eine große Konkurrenz durchsetzen und laufe bei jedem Annäherungsversuch Gefahr, dem Weibchen als Beute zum Opfer zu fallen.

Zoologin Katrin Kunz stellte auf der Arages-Tagung eine spezielle Begattungsstrategie der Zwergspinnen-Männchen vor. Sie übertragen ihre Spermien mit Hilfe zweier beinartiger Taster. Danach verstopfen sie die am Unterleib des Weibchens befindlichen Öffnungen mit einem Sekret. „Mit diesem sogenannten Begattunspfropfen erschweren sie die Spermieninjektion für nachfolgende Männchen und sichern so ihre eigene Nachkommenschaft“, erklärte Katrin Kunz.

Zuhause im Baumarkt

Dreht man, wie Hobby-Spinnenforscher Jonathan Neumann, jeden Blumentopf im Baumarkt um und schaut im Supermarkt an die Decke statt aufs Gemüse, kann man auch in unseren Breiten eine Reihe exotischer Spinnenarten entdecken. „Sie werden meistens zusammen mit Topfpflanzen in Containern eingeschleppt“, berichtete Neumann. Während seiner Suche sei ihm so schon manche seltene Art begegnet. Außerdem habe er gemerkt, „wie die Gesellschaft tickt“, denn: „Einmal wurde ich aus einem Markt geschmissen. Die fanden das nicht so lustig, dass ich eine Spinne mit Hilfe eines Messers aus einer Röhre locken wollte.“

Generell habe die Spinne einfach einen schlechten Ruf. „Das liegt auch an der Entfernung des Menschen von der Natur“, befand Neumann.

Veronika Uhl

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