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Greifswald Barbara Syrbe: Unverstellt und warmherzig
Vorpommern Greifswald Barbara Syrbe: Unverstellt und warmherzig
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14:56 25.10.2018
Ex-Landrätin bringt Buch heraus Quelle: Anke Radlof
Karlshagen/Greifswald

Ihr Abschiednehmen hat Stil. Nach 17 durchaus mühevollen, erfolgreichen, zuweilen auch nervenaufreibenden Jahren als Landrätin von Ostvorpommern und später Vorpommern-Greifswald sagt Barbara Syrbe jetzt Adé. Sie tut es auf die ihr eigene, freundliche und offenherzige Weise - kritisch sich selbst und dem Erreichten gegenüber. Ihr Wort von der "mutigen Angsthäsin", die sie noch immer sei, steht dafür als passendes Sinnbild und zugleich Erklärung ihrer oft eher leisen Töne, wenn andere längst auf Krawall gebürstet und im Nahkampfmodus waren. Mit Unterstützung des Nordlicht-Verlages Karlshagen ist dieser Tag nun ihre persönliche Bilanz unter dem Titel "Die Erste" erschienen und ab sofort auch im hiesigen Buchhandel verfügbar. Am Sonnabend zu ihrer offiziellen Verabschiedung in der Wolgaster Stadtbibliothek wird sie den in Dänemark gedruckten Band erstmals vorstellen. Nur die OZ, von Anfang an journalistischer Begleiter ihrer Ära als Behördenchefin, durfte vorab schon einmal "quer lesen".

Syrbes Wahl war überraschend

Der Titel der Neuerscheinung ist ganz bewusst an Landolf Scherzers Buch über einen ehemaligen 1. Kreissekretär der SED angelehnt und macht per se darauf aufmerksam, dass Syrbes überraschende Wahl zur Landrätin im Jahr 2001 etwas politisch ganz Außerordentliches war. Immerhin hatte sich die bekennende Linkssozialistin und promovierte Philosophin in einer Stichwahl klar gegen den CDU-Amtsinhaber durchgesetzt - und das im sonst tiefschwarzen Nordosten. Die Überraschung erwischte sogar sie selbst mit voller Wucht. Eine "rote" Behördenchefin in Vorpommern, das sollte noch für diverse Schlagzeilen und Polemiken Stoff genug bieten. Auch vor und bei folgenden Urnengängen, die sie allesamt gegen christdemokratische Konkurrenten für sich zu entscheiden wusste.

Grenzen und Chancen einer Behörde

Wer nun glaubt, dass Syrbe sich jetzt - 64, Witwe, Mutter von drei Kindern und in Karlshagen auf Usedom zu Hause - auf 160 Seiten feinem Papier im Erfolg sonnt oder gar zurückkeilt, sich womöglich rächt oder auch nur Indiskretionen Preis gibt, kann sich die Lektüre sparen. Das ist weder ihre Art noch war es für sie Sinn und Zweck, sich dieser zusätzlichen Aufgabe im Endspurt der Amtsperiode zu widmen. Vielmehr will sie den Lesern verständlich machen, welch vielfältige Probleme eine Kreisverwaltung anzupacken hat, wo die Grenzen, vor allem aber die Chancen einer Behörde und ihrer Chefin liegen, und wie sie sich persönlich - allen Unkenrufen, Parteiquerelen und Schweriner Attacken zum Trotz - durchgesetzt und dabei sukzessive erstaunlich viele Partner und Mitstreiter gewonnen hat. In Wirtschaft und Politik, Kunst und Kultur sowie bei den Menschen im Landkreis überhaupt.

„Die Erste“: Mehrere Lesungen

Infos: "Die Erste", Nordlichtverlag Karlshagen, Auflage 1000, ISBN 978-3-9819272-1-4, Preis: 14,90 Euro.

Lesungen: am 21.11, im Theater Anklam, am 24.11. in der Wolgaster Buchhandlung Henze und am 29.11 in Karlshagen, "Kiek in"

Ungekünstelt aufgeschrieben

Das Ganze liest sich, weil intelligent und ungekünstelt aufgeschrieben, kurzweilig und bietet Erkenntnisgewinn. Wie Verwaltung geht, mit welchen Winkelzügen Politik funktioniert, und wie man existenzielle Krisen meistern kann, ohne sich selbst und seine Ideale zu verleugnen, darüber geben Syrbe und ihre Co-Autor, der Berliner Journalist Helfried Liebsch, ungeschminkt und profund Auskunft. In kurzen Geschichten, aus denen lokale Geschichte wird, wie es Ex-Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) im Vorwort formuliert sowie in einer kleinen Auswahl von Reden, die der Autorin besonders wichtig waren und sind. Darunter eine ihrer bei Schülern wie Eltern und Pädagogen hoch gelobten Ansprachen zur Jugendweihe. Zudem: Wer das regionale Zeitgeschehen verfolgt hat, wird sich mit ihren Aufsätzen an Themen erinnern können, die hohe Wellen schlugen: die Re-Kommunalisierung der Müllentsorgung, die Vogelgrippe und Hartz IV, das Schulsterben wie die unsägliche Gebietsreform und die herausfordernde Flüchtlingskrise. Dabei hat Syrbe, mitunter bescheiden, aber entschlossen und häufig bewusst im Hintergrund agierend, Krisenmanagement betrieben, das von Erfolg gekrönt war.

Achtung vor den Mitarbeitern

Wie warmherzig und verantwortungsbewusst sie im Buch von ihren Mitarbeitern - insgesamt war sie für immerhin rund 1200 Frauen und Männer an drei Standorten und zig Abteilungen zuständig - spricht, ist ein Abbild ihrer geleisteten, praktischen Arbeit. Es lässt auch ein Stück weit erahnen, wo die tieferen Ursachen ihrer erfolgreichen Wahlgänge und Karriere liegen. An ihrer klugen Analyse der tatsächlichen Verhältnisse, dem stark ausgeprägten Gestaltungswillen und dem großen Ehrgeiz, schier Unmögliches vielleicht doch irgendwie im Sinne der Bürger hinzukriegen, wird sich ganz zwangsläufig nicht nur ihr Nachfolger messen lassen müssen.

Steffen Adler

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