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Greifswald „Fachkräftemangel kann zur Wachstumsbremse werden“
Vorpommern Greifswald „Fachkräftemangel kann zur Wachstumsbremse werden“
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00:05 07.06.2017
Applaus für die Kanzlerin: Die Vertreter der IHK Nord kamen nicht nur aus Greifswald und MV, sondern auch aus Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen.
Greifswald

Die wirklich drängenden Sorgen der Unternehmer aus der Region seien nicht zur Sprache gekommen – so das nüchterne Urteil von Gerold Jürgens, Präsident des Unternehmerverbandes Vorpommern, nach der Diskussionsrunde der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). In der Aula der Universität Greifswald hatte sie gestern Mittag vor und mit 150 Wirtschaftsvertretern des Nordens gesprochen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach vor 150 Vertretern der Wirtschaft in der Aula der Universität Greifswald

IHK Nord

10 Millionen Menschen leben in der Region, die die Industire- und Handelskammer (IHK) Nord abdeckt. Das Gebiet umfasst Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen.

Damit vertritt der Verband die Interessen von 70 000 Unternehmen, die zusammen ein Bruttoinlandsprodukt von 374 Milliarden Euro erwirtschaften.

Die Grenznähe zu Polen, der niedrigere Steuersatz im Nachbarland, die Arbeitnehmerfreizügigkeit und der fehlende Wiederaufbau der Karniner Brücke sind die Themen, die sich Jürgens gewünscht hätte.

Stattdessen hatte die Gesprächsrunde deutlich mehr bundespolitischen Atem. Fachkräftemangel, Digitalisierung der Arbeitswelt, Breitbandausbau und Energiewende – auf diese Themen zielte Merkel in ihrem Vortrag ab.

Auch die Fragen von Wolfgang Blank, Präsident der IHK Neubrandenburg, gingen in die gleiche Richtung. So wollte er beispielsweise wissen, welche Rezepte Merkel für den stark steigenden Bedarf an IT-Fachkräften hat. Die Bundeskanzlerin sprach sich dafür aus, die digitale Ausbildung an Schulen zu verbessern. „Wir müssen aber auch das Interesse der jungen Leute wecken“, sagte Merkel. Es gebe nach wie vor zu wenig Begeisterung für die sogenannten Mint-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik). Zwar werde um Nachwuchs für den Bereich geworben, diese Aktionen würden jedoch bislang nur wenig Erfolg zeigen. „Die Agenturen für Arbeit müssen mehr leisten bei ihrer Beratung“, forderte Merkel. Auf diesem Weg sollten mehr Menschen motiviert werden, sich für einen technischen Beruf zu entscheiden. „Fachkräftemangel im IT-Bereich kann zur Wachstumsbremse werden“, so Merkel weiter.

Auch Johanna Eleonore Weber, Rektorin der Universität Greifswald, mischte sich in die Diskussion ein. Sie hatte als Hausherrin das Grußwort gehalten. „Es wird künftig kaum noch Bereiche geben, in denen IT nicht gebraucht wird. Wir sind als Universität bislang schlecht ausgestattet“, räumte Weber ein. Sie riet den Unternehmern zu mehr Gelassenheit. „Sie haben Sorge, dass sich zu viele junge Menschen für ein Studium statt für eine Ausbildung entscheiden“, sagte Weber zu den Wirtschaftsvertretern. Jeder Dritte breche sein Studium jedoch ab und wähle dann häufig doch etwas Praxisnäheres.

„Was ist schlimm daran, wenn man bei einer Lebenserwartung von 80 Jahren erst ein Jahr lang einen Weg erkundet und sich dann doch für einen anderen entscheidet?“ Diese Phase der Orientierung könne nicht durch mehr oder bessere Beratung ersetzt werden.

Kritische Worte fand IHK-Präsident Blank zum Erneuerbare-Energien-Gesetz 2017, das den Zubau neuer Anlagen beschränkt. Das verglich er mit einer Segelregatta: „Wir sind hier die Region mit viel Wind.

Doch wir schicken einen Teil der Boote einen deutlich langsameren Weg, statt den Wind zu nutzen. Das kann nicht sinnvoll sein.“ Er forderte zudem eine Angleichung der Netzentgelte. Die aktuell unterschiedlichen Höhen benachteiligten Norddeutschland. „Hier müssen wir etwas tun“, sagte Kanzlerin Merkel. Nach einer Stunde und 15 Minuten entschwand die Kanzlerin. „Es ist wunderbar, dass sie sich die Zeit genommen hat“, freute sich Blank.

Katharina Degrassi

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