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Fahren Greifswalder Busse bald seltener?

Greifswald Fahren Greifswalder Busse bald seltener?

Stadt und Kreis streiten weiterhin über den Nahverkehr. Die Zeche zahlen die Bürger.

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Wir fürchten, dass der Kreis erhebliche Ein- schnitte vor- nehmen wird.“Jörg Hochheim, Vize-OB

Quelle: Fotostudio Wasmund

Greifswald. Noch verbinden drei Stadtbuslinien im 15- bzw. 30-Minuten-Takt die Greifswalder City mit den Ortsteilen. Doch die Gefahr, dass der Fahrplan in Zukunft extrem ausgedünnt wird, ist groß: Der Landkreis Vorpommern- Greifswald, seit der Kreisreform für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) verantwortlich, lässt die Hansestadt quasi am langen Arm verhungern: Er macht keine Anstalten, die Kosten für die Beförderung zu übernehmen. Die einst im Haushaltsentwurf geplante Summe von 700 000 Euro wurde seit 2012 schrittweise auf 100 000 Euro geschrumpft und flog jetzt laut Aussage von Vizelandrat Jörg Hasselmann (CDU) ganz aus dem Etatentwurf heraus.

Für Jörg Hochheim, Vizebürgermeister in Greifswald (CDU), ein Ärgernis. „Dabei hätten diese 100 000 Euro nicht mal ansatzweise gereicht, um den Verlust der Verkehrsbetriebe Greifswald auszugleichen“, sagt er. Denn der betrage seit Jahren rund 1,4 Millionen Euro. Für 2012 sei jetzt gar ein Defizit von 1,57 Millionen Euro ausgemacht worden. Bislang haben die Stadtwerke Greifswald dieses Minus über den steuerlichen Querverbund geschultert. Heißt: Die gewinnträchtigen Sparten der Holding stopften das Loch der defizitären Bereiche, zu denen neben den Verkehrsbetrieben auch das Freizeitbad gehört. Doch unter den Bedingungen der Kreisreform sei das aus städtischer Sicht nicht mehr vertretbar: Denn seit September 2011 ist der Kreis sowohl juristisch, als auch planerisch und finanziell für den ÖPNV zuständig. „Das alles hat für 2012 zur Folge, dass die Stadtwerke ihre Gewinnausschüttung an die Hansestadt um einen sechsstelligen Betrag schmälern, mit denen wir aber gerechnet hatten“, ärgert sich Hochheim über den Kreis.

Diese Zahl wollte Oliver Haarmann, Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe, nicht bestätigen. Der Fakt an sich stimme: „Unterm Strich bleibt es ein Minus im Stadtsäckel“, sagt er und bedauert, dass es bislang zu keiner Einigung zwischen Stadt und Kreis kam. Noch gehe er von einer guten Lösung für Greifswald aus. Übernehme aber der Kreis die Aufgabe des Nahverkehrs, „wird es zu Leistungseinschränkungen und Taktänderungen kommen“, so Haarmann. Landverkehr in der City? Wer es nicht weiß: In viele Dörfern fahren — wenn überhaupt — nur ein oder zwei Busse pro Tag.

Im Interesse eines weiterhin guten Citybusverkehrs hätte sich die Stadt durchaus vorstellen können, dass Greifswald auch künftig einen Teil der Kosten übernimmt. Doch in welchem Ausmaß der Kreis sich eine Beteiligung vorstellt, lasse dieser im Unklaren, sagt Hochheim. Mehr noch: Ein Vertragsentwurf der Stadt vom Januar 2012 sei ohne Resonanz geblieben. Stattdessen überreichte Vizelandrat Hasselmann im Februar 2013 an Oberbürgermeister Arthur König (CDU) einen eigenen Entwurf. „Eine Beurteilung dessen ist uns aber nicht möglich, weil finanzielle Aspekte nicht zur Sprache kommen“, verdeutlicht Hochheim. Nach dem Willen des Kreises sollen die Ausgleichszahlungen später verhandelt werden. Für Hochheim inakzeptabel. Zudem schlage der Kreis eine „Direktvergabe an den Verkehrsbetrieb Greifswald“ vor. „Was soll das bedeuten“, fragt sich der Dezernent und hofft, dass endlich das Innenministerium einschreitet, denn schließlich sei das ganze Problem erst mit der Kreisreform entstanden.

Dabei, so Hochheim, wäre auch eine ganz andere, viel einfachere Lösung denkbar gewesen: „Hätte man im ÖPNV-Gesetz vermerkt, dass neben den Landkreisen und kreisfreien Städten auch die kreisangehörigen Städte Aufgabenträger des Nahverkehrs sein können, hätte man sich das ganze Dilemma sparen können“, gibt er zu bedenken. Völlig ohne Not habe man der Stadt diese Hoheit aus der Hand genommen. Und nun gehe es nur noch um ein Hauen und Stechen.

Allerdings nicht aus Sicht des Landkreises, wenn man Achim Froitzheim Glauben schenken mag: „Wir sind gegenwärtig dabei, mit Greifswald Vertragsangebote auszutauschen“, erklärt der Kreissprecher auf OZ-Anfrage, und behauptet „auf einem guten Weg“ zu sein. Jörg Hochheim bewertet das ganz anders: „Wir fürchten, dass der Landkreis erhebliche Einschnitte beim ÖPNV vornehmen wird.“

Busverkehr in und um Greifswald
16 Busse zählt der Greifswalder Stadtbusverkehr, der jährlich 1,65 Millionen Fahrgäste befördert.

1,5 Millionen Euro Verlust schreibt der Verkehrsbetrieb Greifswald durchschnittlich pro Jahr. Bislang haben die anderen Sparten der Stadtwerke das Defizit ausgeglichen.

3 Buslinien verbinden die Wohngebiete mit dem Stadtzentrum. Die Linie 1 (ZOB - Galgenkampwiesen - Stadtrandsiedlung - Bahnhof Süd und zurück) verkehrt im 30-Minuten-Takt. Die Linie 2 (Wieck - Innenstadt - ZOB - Schönwalde und zurück) verkehrt werktags alle 15, am Wochenende alle 30 Minuten. Die Linie 3 (ZOB - Innenstadt - Schönwalde - Ostseeviertel - Elisenhain) verkehrt im 30-Minuten-Takt.

1,90 Euro (1,40 Euro erm.) kostet ein Einzelfahrschein. Die Tarife zogen zum 1. April 2013 an, wurden um 20 Cent teurer.

Dafür ist der Fahrschein jetzt statt einer Stunde 80 Minuten ab Entwertung gültig, berechtigt weiter zum Umsteigen. 6er Tickets: 8,30 Euro bzw. 6,20 Euro (erm.)

Petra Hase

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