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Fakultät steht vor Generationenwechsel

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Interview mit Dekan Thomas Stamm-Kuhlmann zur Gegenwart und Zukunft der Geisteswissenschaftler

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Der Campus Loefflerstraße wird zum Hauptort der Philosophischen Fakultät.

Quelle: Peter Binder

Greifswald Der Professor für Geschichte der Neuesten Zeit, Thomas Stamm-Kuhlmann, wurde  für eine zweite Amtszeit  als Dekan der Philosophischen Fakultät gewählt. Der 62-Jährige kam 1996  nach Greifswald.

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Interview mit Dekan Thomas Stamm-Kuhlmann zur Gegenwart und Zukunft der Geisteswissenschaftler

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Musste man Sie lange bitten, noch einmal zu kandidieren?

Thomas Stamm-Kuhlmann: Ich würde mich gern noch stärker in den Romantikschwerpunkt einbringen. Andererseits wollte ich die von mir eingeleiteten Strukturveränderungen weiterführen. Darum habe ich mich noch einmal für die Kandidatur entschieden.

Ist die Zukunft der wegen nötiger Einsparungen gefährdeten Orchideenfächer Baltistik und Ukrainistik gesichert?

Stamm-Kuhlmann: Ja, das Auswärtige Amt und die Landesregierung haben uns geholfen, sodass wir eine Mindestausstattung für die Studiengänge der Baltistik und Ukrainistik vorhalten können und noch Kapazität für Forschung bleibt.

Die wenigen Studenten in diesem Bereich sind immer wieder Gegenstand der Kritik. Aber auch so beliebte Fächer wie die Geschichte werden deutlich weniger nachgefragt. Was will die Fakultät dagegen unternehmen?

Stamm-Kuhlmann: Baltistik und Ukrainistik werden nie viele Studenten haben, und das müssen sie auch nicht. Eine Auslastung der Lehrkapazitäten in der Geschichte von 77 Prozent ist nicht schlecht. Aber es ist richtig, dass es vor zehn Jahren bis zu 100 Prozent oder noch mehr waren. Wir kennen keine konkreten Ursachen.

Das Institut hat die Lehrstühle für pommersche Geschichte und Hansegeschichte verloren, die Ur- und Frühgeschichte ging nach Rostock.

Stamm-Kuhlmann: Generell sinken die Studentenzahlen in Greifswald. Der Wegfall der Lehrstühle war schon vor zehn Jahren bekannt. Ich glaube nicht, dass ein Erstsemester seine Wahl an der Zahl der Fachprofessuren ausrichtet. Das habe ich auch nicht getan, als ich Studienanfänger war. Wir müssen sicher mehr für die Werbung tun. Die Kampagne der Universität, die geplante neue Internetseite finde ich sehr gut. Auch hoffe ich auf mehr Attraktivität des Lehramtsstudiums durch die Berufung von Diana Raufelder auf den Lehrstuhl für Schulpädagogik, der lange unbesetzt war.

Russisch- oder Polnischlehrer rangieren allerdings auch nicht unter den  Abiturientenmagneten.

Stamm-Kuhlmann: Aber schon aufgrund unserer Lage ist die Slawistik für uns unverzichtbar. An der Uni Stettin gibt es großes Interesse an einer stärkeren Zusammenarbeit. Die Fakultät ist für den „Polenmarkt“ verantwortlich. Wir verfolgen wichtige Projekte wie den zweisprachigen Unterricht im Grenzraum gemeinsam mit dem Kreis Vorpommern-Greifswald.

Könnte nicht Deutsch als Fremdsprache angesichts der vielen Flüchtlinge ein Magnet sein?

Stamm-Kuhlmann: Unsere Vertreter arbeiten sehr engagiert daran. Aber es muss ein hochwertiger Studiengang sein. Mit Aushilfen, wie man es früher bei der Integration der Spätaussiedler versucht hat, lassen sich die Probleme nicht in den Griff bekommen. Die Lösung wurde in Deutschland 40 Jahre lang verschleppt, weil man nicht anerkennen wollte, dass wir ein Einwanderungsland sind.

 

Wäre das Geld für das im April vom Ministerium angekündigte Fachdidaktikzentrum Niederdeutsch nicht besser für andere, stark nachgefragte Sprachen angelegt?

Stamm-Kuhlmann: Die Erhaltung des Niederdeutschen hat Verfassungsrang, da darf man nicht bloß auf die Zahlen gucken. Wir sind hier in der Pflicht. Niederdeutsch ist auch die Sprache der Hanse, viele Quellen bleiben Historikern verschlossen, wenn sie kein Niederdeutsch beherrschen.

Trotz vieler Bemühungen bleibt die Zahl derjenigen, die sich nach dem Erwerb des Bachelorabschlusses für ein Masterstudium einschreiben, gering, woran liegt das?

Stamm-Kuhlmann: Das ist kein ausschließliches Greifswalder Problem. Der Arbeitsmarkt für Geisteswissenschaftler ist weniger an Laufbahnen orieniert  als andere. Keiner ahnte bei der Etablierung des Bachelor-/Mastersystems 1999, dass so viele mit dem Bachelor zufrieden sein würden. Wir arbeiten aber auch weiter an der Attraktivität und neuen Angeboten wie dem „Ostseemaster“.

Warum engagiert sich die Fakultät künftig noch stärker in der Romantikforschung?

Stamm-Kuhlmann: Wir sehen große Chancen für eine Schwerpunktsetzung in einem Bereich, in  dem mehrere Kollegen schon erfolgreich arbeiten. In der Ringvorlesung „Nach der Romantik“ im Krupp-Kolleg werden  der Kunsthistoriker Kilian Heck, der Germanist Eckhard Schumacher, der Musikwissenschaftler Walter Werbeck, der Politikwissenschaftler Hubertus Buchstein, der Philosoph Christian Suhm und ich als Historiker sprechen. Das Romantische als eine Selbstkritik der Moderne, die in der Moderne entsteht, ist mindestens in den letzten 200 Jahren immer wieder anzutreffen. Dabei entstehen bis heute alternative Kulturen. Da muss noch viel geforscht werden. Es ist ein hochspannendes Thema.

Wo sehen Sie noch neue Felder für die Fakultät?

Stamm-Kuhlmann: Wir könnten versuchen, unseren Blick stärker nach Asien zu richten. Die Fakultät hat dorthin schon gute Kontakte. Ein gemeinsames Projekt könnten Randmeere wie die Ostsee und das Chinesische Meer sein.

Mit der Fertigstellung des Campus in der Friedrich-Loeffler-Straße bekommt das bei der letzten Strukturdebatte von Streichungen bedrohte Fremdsprachen- und Medienzentrum neue Räume. Eine Chance fürs FMZ?

Stamm-Kuhlmann: Wir möchten es gern zum Sprachenzentrum aufwerten und dafür Kapazitäten der Lektorate der Philologien nutzen, ohne diese zu beschneiden. Für Kürzungen ist das FMZ zu klein.

Der neue Campus Loefflerstraße ist ein Gewinn für die Fakultät. 2018 werden die Gebäude der Fakultät „durchsaniert“ sein. Ich hoffe, dass die neue Bereichsbibliothek  künftig stärker als Ort der Forschung wahrgenommen wird.

Der Mittelalterhistoriker Karl-Heinz Spieß ist seit zwei Jahren im Ruhestand. Ist bald mit einem Nachfolger zu rechnen, nachdem die Professur zum zweiten Mal ausgeschrieben werden musste?

Stamm-Kuhlmann: Ich hoffe, dass der Nachfolger zum Wintersemester kommt. Auch in der Nordischen Geschichte läuft das Verfahren für die Nachfolge von Jens Olesen gut. Wir stehen vor einem Generationenwechsel in der Fakultät, weil viele der nach 1990 berufenen Kollegen in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen. Dass dieser Wechsel stattfindet und neue Leute kommen, ist ein Zeichen unserer Vitalität.

Von Eckhard Oberdörfer

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