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Greifswald Familienstreit: MS Stubnitz auf Zickzackkurs
Vorpommern Greifswald Familienstreit: MS Stubnitz auf Zickzackkurs
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16:44 14.07.2018
Das Fahrgastschiff Stubnitz am Anleger in Ludwigsburg. Quelle: Tilo Wallrodt
Greifswald

Nicht eingehaltene Fahrpläne, stehengelassene Reisegruppen und schlecht gewartete Maschinen. Die Vorwürfe, die Stubnitz-Inhaberin Kerstin Jauernig gegen die aktuelle Betreiberin des Fahrgastschiffes mit Liegeplatz im Museumshafen erhebt, haben es in sich. Besonders schockierend: Stefanie Kochalsky ist ihre eigene Tochter. „Sie fährt offensichtlich nur, wenn sie Lust hat“, sagt die Mutter. „Dies ist ein unhaltbarer Zustand, den ich nicht zu verantworten habe.“ Die Tochter wehrt sich gegen die Anschuldigungen und schildert ihre Sicht der Dinge. „Es mussten Fahrten ausfallen, weil das Getriebe einer Maschine der Stubnitz kaputt ist und meine Mutter sich nicht um eine vollständige Reparatur gekümmert hat“, sagt Kochalsky. „Mit nur einer Maschine bei viel Wind oder Gewitter rauszufahren, ist mir zu risikoreich.“

Eine Festgesellschaft wartete vergeblich

Auch zu Ausfällen von gebuchten Ausfahrten, unter anderem von einer Fahrt zur „Goldenen Hochzeit“ ist es in den vergangenen Wochen gekommen. „Ich habe einen ganz bitteren Anruf bekommen, die Gruppe stand in Wieck und wurde einfach nicht abgeholt“, erzählt Jauernig. „Das geht gar nicht.“ Dieser Auftrag sei nie bei ihr angekommen, beteuert Kochalsky. „So etwas würde ich nicht machen. Ich denke, dass meine Mutter diese Termine einfach nicht weitergegeben hat.“ Doch wie konnte es überhaupt zu dieser verfahrenen Situation in der Familie kommen? „Meine Tochter hat die Stubnitz seit dem 1. April für zunächst ein Jahr gemietet. Die Sund- und Boddenreederei Stralsund besteht jetzt seit 25 Jahren und ich habe gesundheitliche Probleme“, beschreibt die 54-jährige Kerstin Jauernig. „Mein Mann Hans Jürgen und ich dachten es wird langsam Zeit, dass die nächste Generation das Ruder übernimmt.“ Zunächst habe unter der Leitung von Stefanie Kochalsky alles reibungslos funktioniert. Dann allerdings zerstritten sich die beiden Frauen und die Situation eskalierte zusehends. Kerstin Jauernig wirft ihrer Tochter unprofessionelles Verhalten gegenüber Kunden vor, Stefanie Kochalsky bemängelt, dass die Mutter offensichtlich ein Problem mit Veränderungen habe, und sei es nur die Speisekarte oder die Verlegung der Abfahrtszeiten um 15 Minuten.

Einstweilige Verfügung folgt auf Kündigung

Schließlich kündigte Kochalsky das Arbeitsverhältnis der Mutter auf, diese war zuletzt bei der Sund- und Boddenreederei der Tochter angestellt, nicht zu verwechseln mit der Sund- und Boddenreederei Stralsund der Mutter. Die reagierte prompt:„Ich habe den Mietvertrag für die Stubnitz, mit Verweis auf die nicht eingehaltenen Vertragsbedingungen fristlos zum 1. Juli gekündigt“, so Kerstin Jauernig. „So konnten mein Mann und ich den Fahrbetrieb am vergangenen Dienstag wieder aufnehmen.“ Doch die Tochter ließ sich dieses Vorgehen nicht gefallen, erwirkte eine einstweilige Verfügung und verwies nach Angaben Jauernigs die Eltern vom Schiff. „Meine Mutter hatte in der Zwischenzeit meine gastronomische Verpflegung verkauft und das Geld mitgenommen“, kontert Kochalsky. „Die Situation muss jetzt vor Gericht geklärt werden.“ Ein Termin am heutigen Freitag vor dem Amtsgericht in Stralsund soll eine Entscheidung bringen, wer den Fährverkehr und die Ausflugsfahrten im kommenden Jahr bedient.

Fahrten zum Fischerfest sollen stattfinden

Besonders ärgert sich Kerstin Jauernig über die Änderung des Fahrplans. „Seit 16 Jahren hatte der Fahrplan Bestand“, so die Eigentümerin der Stubnitz. „Und jetzt fallen viele Fahrten einfach aus. Unzuverlässigkeit im Fährverkehr ist das Schlimmste.“ So dramatisch seien die Änderungen im Fahrplan nun wirklich nicht, meint hingegen Kochalsky. „Wir haben in Absprache mit dem Hafenmeister die Anlegestellen in Wieck verändert“, beschreibt sie. „Jetzt halten wir auf dem Weg auf den Bodden raus beim Italiener und auf dem Rückweg in Höhe Hafenamt. Vorher war es andersherum.“ Damit dies für die Fahrgäste nicht zu knapp mit den Brückenzeiten werde, habe man alle Abfahrtszeiten um eine Viertelstunde nach vorne verlegt. Am Freitag muss die Stubnitz wegen des Gerichtstermines der beiden Frauen im Museumshafen bleiben, das Angebot an Ausflugsfahrten zum Fischerfest am Sonnabend und Sonntag habe aber Bestand, versichern unabhängig voneinander sowohl Kochalsky als auch Jauernig. „Wir fahren zwischen 10 und 18 Uhr im zwei-Stunden Rhythmus ab Wieck zu Rundfahrten auf dem Bodden“, so Kochalsky. „Für viele Fahrten gibt es auch noch freie Plätze.“ Auch Kerstin Jauernig hat klare Ziele, sollte sie wieder das Steuer auf der Stubnitz übernehmen. „Natürlich wird der Fahrplan wieder vollständig bedient“, stellt sie klar. „Auch der Farbanstrich der zur Zeit nur teilweise erfolgt ist, wird dann nachgeholt.“

Ziebarth Anne Friederike

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