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Fatigue: Erschöpft vom Krebs

Greifswald Fatigue: Erschöpft vom Krebs

Wie sortiert man sein Leben neu, wenn die alten Kräfte nicht wiederkommen? Ein Kurs in Greifswald klärt auf

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Gemeinsam geht‘s leichter: Frank Woytaszak, Birgit Brandenburg und Michael Teetz finden den Austausch befreiend.

Quelle: Sybille Marx

Greifswald. Fallschirmspringen, Windsurfen, Rennradfahren... Michael Teetz hat das alles gemacht, „immer leistungsorientiert“, wie er sagt, „immer auf hohem Niveau“. Doch seit 2014 geht das nicht mehr seit sich ein Leberfleck auf seiner Haut als aggressiver Krebs herausstellte und ihn aus den sicheren Bahnen des Alltags warf.

Fatigue-Seminar

Vom 4. Mai bis 8. Juni soll das nächste Fatigue-Seminar am Uni-Klinikum Greifswald laufen. Teilnehmen können Betroffene und Angehörige.

Der Verein „Frauenselbsthilfe nach Krebs“ finanziert das Angebot mit Geldern von der Krankenkasse.

Anmeldung unter ☎ 03834 / 86 53 63 oder per E-Mail: piz@uni-greifswald.de

Teetz arbeitet bei der Wasserschutzpolizei in Wolgast, bei den „harten Kerlen“, wie er lächelnd sagt. Jetzt sitzt er in einem Kurs im Uniklinikum Greifswald, neben fünf anderen Menschen mit Krebs oder Krebserfahrung. „Fatigue“ heißt das Seminar, auf Deutsch: „Erschöpfung, Ermüdung“. Leiterin Ute Stutz vom Patienteninformationszentrum der Unimedizin (PIZ) will aufklären.

Sich körperlich, geistig und emotional quälend müde zu fühlen, trotz genug Schlaf — einer von zehn Krebspatienten leide schon während der Therapie unter diesem Syndrom, drei von zehn Patienten danach, erklärt Ute Stutz. Trotzdem schenke man dem Phänomen bisher zu wenig Aufmerksamkeit.

„Ich war letztens bei der Nachsorge“, erzählt denn auch Kursteilnehmerin Birgit Brandenburg. Auf die Schilderung, wie ausgelaugt sie sich oft fühle und wie vergesslich sie geworden sei, habe die Ärztin nur geantwortet: „Das wird schon wieder. Sie sind ja gesund!“

So einfach ist es leider nicht, meint Ute Stutz. Wer Fatigue habe, trage ein ganz schönes Päckchen. „Es ist aber ein Paket, das man anfassen und auspacken kann!“ In den sechs Stunden des Seminars will sie den Teilnehmern die Fatigue begreifbar machen, ihnen ein Selbstmanagement ermöglichen. „Sie sollen erkennen, was ihnen gut tut und wie sie sich Hilfen einbauen, um den Alltag besser zu bewältigen“, erklärt Ute Stutz.

Sportübungen spielen eine Rolle, Zeitmanagement, gesunde Ernährung, der Umgang mit Gefühlen, das Wahrnehmen der eigenen Bedürfnisse und Tipps wie Zettel schreiben gegen die Vergesslichkeit.

Energiemanagement steht heute auf dem Plan. Man hat ja für jeden Tag nur eine bestimmte Energiemenge zur Verfügung“, erklärt Ute Stutz. Mit schonendem Sport könne man den Muskelaufbau stärken, die Energiemenge erhöhen. Aber wichtig sei, die eigenen Grenzen zu kennen. „Beobachten Sie mal: Was erschöpft Sie?“, fragt Ute Stutz. Wer etwa ein anstrengendes Gespräch vor sich habe, müsse zum Ausgleich Entspannungszeiten einplanen. „Wenn Sie sich überfordern, sind Sie über Stunden oder Tage platt wie eine Flunder, das muss Ihnen klar sein!“

Birgit Brandenburg lacht. „Ich habe mich manchmal völlig übernommen“, erzählt sie. Wie einmal bei einem Spaziergang am Wasser. „Mittendrin stand ich heulend da und konnte keinen Schritt weiter!“

Sätze wie diese machen klar: Nicht nur um Informationen geht es den Teilnehmern, auch um den Austausch, jeder will mal zu Wort kommen, will verstanden werden von Gleichgesinnten. Frank Woytaszak etwa erzählt, wie er nach seiner Lungen-OP nicht mehr wusste, wie er atmen soll. Von der Panik nach der Diagnose. Und von dem befreienden Entschluss vor drei Wochen, endlich auch mit Kollegen über die Erkrankung zu reden.

Michael Teetz, der Wasserschutzpolizist, reflektiert seine Tendenz, oft nur das Negative zu sehen, sich von seiner Angst lähmen zu lassen. „Letztens habe ich eine Reportage gesehen über Leute, die im Kajak in Alaska Wale beobachten.“ Sofort habe er sich so lebendig gefühlt und gedacht: Das will ich auch! „Aber dann kam die Angst und hat gesagt, das kannst Du nicht mehr.“ Die Euphorie sei wie weggeblasen gewesen. Alle lachen, als Teetz sagt: „Jetzt wird es wohl erst mal eine Tour auf der Peene.“

Von Sybille Marx

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