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Fechten und Tanzen gehörten zum Studium an der Uni

Greifswald Fechten und Tanzen gehörten zum Studium an der Uni

Die OZ blickt in einer neuen Serie auf die Geschichte der Greifswalder Sportwissenschaft zurück. Schon im 17. Jahrhundert gab es Fechtmeister und Tanzlehrer.

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Der frühere Rangestein, seit 1961 Jahnstein.

Quelle: Steven Holz

Greifswald. Der Name hört sich für heutige Ohren seltsam an: Institut für Leibesübungen hieß das 1925 gegründete Institut für Sportwissenschaft zunächst. Damals war das der Sprachgebrauch.

Der Vorgeschichte und der Geschichte des Instituts bis zum bitteren Ende vor zehn Jahren sind ehemalige Mitarbeiter in einem lesenswerten Buch nachgegangen. Leiter des Herausgeberkollegiums ist Professor Peter Hirtz. OZ nimmt die nicht im Buchhandel erhältliche Schrift als Grundlage für eine kleine Serie.

Schon im 17. Jahrhundert gab es an der Uni Fechtmeister. Sie waren auch fürs Voltigieren, für gymnastisch-turnerische Übungen an hölzernen und später lebenden Pferden, zuständig. Seit 1691 gab es einen Tanzlehrer. Tanzen und Fechten gehörten zu den Fähigkeiten, die die Gesellschaft von den Gebildeten erwartete. Angebote wie die akademische Reithalle waren ein Werbeargument für den Besuch Greifswalds. 1789 entstand die akademische Reitbahn an der Ecke der heutigen Loefflerstraße/Kapaunenstraße. Heute steht hier stattdessen das alte Institut für Pharmakologie. Den Titel eines Akademischen Bereiters (Reitlehrer) führte als Erster der Leutnant von Ekenstein. Greifswald wirbt damit, dass Turnvater Jahn in Greifswald 1802/03 studiert hat. Er hat aber mehr durch seine Streiche Spuren hinterlassen und weder Fecht- noch Voltigierstunden besucht.

„Als Initiator und eifriger Befürworter einer akademischen Turnlehrerausbildung in Greifswald, aber auch darüber hinaus, gilt mit Recht Heinrich Gustav Rex Range (1829 bis 1894)“, schreiben die Autoren. Er stehe am Anfang der Vorgeschichte des Instituts. Range kam 1848 nach Greifswald, arbeitete zunächst am Lehrerseminar, war dann als Volksschullehrer tätig und ab 1864 unterrichte er ebenso an der Uni. Er sorgte zwei Jahre zuvor für die Einrichtung der ersten Schulturnhalle Pommerns in der Mühlenstraße im ehemaligen Bierkeller des Franziskanerklosters neben der heutigen Gemäldegalerie.

Range war 1874 Mitbegründer des Akademischen Turnvereins und setzte sich für die Ausbildung von Turnlehrern an Universitäten ein. Sein Lehrplan sah unter anderem Geschichte, Anatomie sowie zwei Stunden praktisches Turnen und sechs Stunden Stoß-, Hieb- und Gewehrfechten vor. Dafür war die Zeit aber noch nicht gekommen, obwohl sich der vierte deutsche Turnlehrertag 1867 hinter diese Idee stellte. Immerhin konnte Range die Studenten aller Fakultäten zum regelmäßigen Besuch von Turn- und Fechtstunden bewegen, schreiben die Autoren. 1895 feierte die Stadt auf dem Hof des heutigen Jahngymnasiums die Einweihung eines Denkmals für ihn. Trotz Einspruch der Uni wurde der Rangestein 1961 in einen Jahnstein verwandelt. Der Sportplatz Falladastraße trägt seit 1994 den Namen Ranges, an den hier nun auch ein neuer Gedenkstein erinnert (wird fortgesetzt).

Ende kam vor zehn Jahren
2003erfolgte ein Immatrikulationsstopp für Sportstudenten. 2008 kam dann das endgültige Ende. Nur die Abteilung Studentensport gibt es noch.

 

Eckhard Oberdörfer

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