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Greifswald Feuerwehr ist Stütze der Gemeinde
Vorpommern Greifswald Feuerwehr ist Stütze der Gemeinde
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00:05 10.05.2017
Das Gebäude der Feuerwehr der Gemeinde im Zentrum von Levenhagen. FOTOS (2): ECKHARD OBERDÖRFER
Levenhagen

Zur Gemeinde Levenhagen gehören die Ortsteile Alt Ungnade, Heilgeisthof, Bolten- hagen und Levenhagen. Bekannteste Sehenswürdigkeiten sind die mittelalterliche Kirche und die Wallfahrtskapelle. Bei der Bürgermeisterwahl 2015 erhielt Steffen Boos Zweidrittel der Stimmen. Er war der einzige Bewerber für das Amt.

Interview mit dem Levenhagener Bürgermeister / Steffen Boos plädiert für Amtsgemeinde

Sie gelten als Verfechter einer großen ,,Gemeinde Landhagen". Gibt es wirklich keinen anderen Weg in die Zukunft?

Steffen Boos: Eine selbstständige Gemeinde Levenhagen hat auf Dauer keine Chance zu bestehen und sich möglichst auch noch zu entwickeln. Unsere Gemeindevertretung hat gerade die Zukunftsfähigkeit Levenhagens anhand eines Kriterienkatalogs des Landes geprüft. Es ist eindeutig, wir sind in dieser Form nicht zukunftsfähig.

Und warum eine Gemeinde durch Fusion aller Kommunen des Amtes? Geht es nicht eine Nummer kleiner oder über einen Anschluss an Süderholz?

Boos: Eine Fusion über Kreisgrenzen hinweg ist kein Thema für uns. Für die Großgemeinde Landhagen spricht vieles. Wir hätten eine zukunftsfähige Größe, wir kennen uns doch alle lange und haben viele Jahre im Amt zusammengearbeitet. Das Amt ist Träger zweier Schulen. Wir hätten einen hauptamtlichen Bürgermeister, das verleiht uns ein anderes politisches Gewicht. Und außerdem sind alle Gemeinden in MV ,durch das Leitbildgesetz aufgefordert: Bei der Bildung neuer Strukturen darauf zu achten, dass diese eine Einwohnerzahl von 8000 nicht unterschreiten, wenn sich die neue Gemeinde auch selbst verwalten will. Außerdem würde man in dieser Größe auch , einer schon im Gesetz angekündigten ,,etwaigen späteren gesetzlichen Gebietsreform " standhalten . Da unsere Gemeindevertretung die jetzige Möglichkeit der Selbstbestimmung bei der vom Land geforderten Strukturveränderung unbedingt nutzen will, hat sie sich im Dezember für diese Lösung ausgesprochen.

Eine Hochzeit mit Greifswald, wie sie Wackerow anstrebt und die neuerdings auch für Weitenhagen kein Tabu mehr ist, kommt nicht in Frage?

Boos: Nein. Wir sind eine ländliche Gemeinde und wollen das auch bleiben. Das Dorf hat einfach andere Probleme als eine Stadt mit knapp 60000 Einwohnern. Wir hoffen, dass sich letztlich alle Gemeinden für Landhagen entscheiden. Denn in einer ländlich strukturierten und damit auch eigens regierten und verwalteten Gemeinde könnten wir aus unserer Sicht am meisten für unsere Bürger ereichen.

Wie ist denn die aktuelle finanzielle Situation? Hat Levenhagen einen ausgeglichenen Haushalt.

Boos: Nein, seit 2014 hat die Gemeinde ein Haushaltssicherungskonzept. Aktuell liegt das Minus im niedrigen fünfstelligen Bereich.

Wo könnte Levenhagen noch sparen?

Boos: Die Möglichkeiten sind ausgeschöpft. Wir haben weder eine Schule noch eine Kindertagesstätte. Levenhagen hat nur noch die Feuerwehr mit 28 aktiven Kameraden. Sie ist glücklicherweise auch am Tage einsatzbereit und daher oft außerhalb des Gemeindegebiets aktiv.

Wie steht es denn um die Löschwasserversorgung?

Boos: Gut, wir haben inzwischen alle Teiche saniert. Auch in Alt Ungnade gibt es ein künstliches Reservoir nahe der Wohnwagensiedlung.

Wie ist das Zusammenleben mit den Bewohnern der Siedlung?

Boos: Es gibt keine Problem. Jeder soll nach seiner Vorstellung leben können.

Wird 2017 gar nichts investiert?

Boos: Doch, aber in sehr bescheidenem Umfang in die Badsanierung einer der drei gemeindeeigenen Wohnungen und in ca. 600 Meter Asphaltsanierung in Levenhagen Hof I.

Gibt es nicht mal mehr eine Seniorenweihnachtsfeier?

Boos: Doch, die ist ebenso wie ein Osterfeuer und das Weihnachtsbaumverbrennen noch Teil des Dorflebens. Das Straßenfest organisieren die Bürger komplett selbst.

Könnten sie nicht die Grund- und die Gewerbesteuer erhöhen?

Boos: Das ist nicht geplant. Unsere Hebesätze liegen in Höhe des Landesdurchschnitts.

Warum geht es Levenhagen so schlecht?

Boos: Das liegt am Finanzausgleichsgesetz, das die Gemeinden massiv benachteiligt. Das Umlageverfahren ist schlecht. Darauf beruhen auch unsere Probleme 2017. Im vergangenen Jahr haben wir 80

000 Euro Schlüsselzuweisungen erhalten. In diesem Jahr gibt es nichts. Das liegt daran, dass wir 2015 viele Gewerbesteuereinnahmen hatten. Die werden bei der Berechnung der Schlüsselzuweisung zwei Jahre später berücksichtigt. Aufgrund dieser Einahmen müssen wir 2017 auch noch 100000 Euro zusätzlich an den Kreis abführen. So entsteht das Defizit.

Mehr Einwohner verbessern die finanzielle Lage. Wird Levenhagen noch wachsen?

Boos: Ja, denn die Flächen für ein neues Wohngebiet sind im März endlich versteigert worden. Dieses wurde bereits in den 1990er Jahren geplant. Ich hoffe, dass der neue Investor das Gebiet zeitnah erschließt, so dass über 20 neue Wohneinheiten entstehen können.

Gibt es einen großen Wunsch für 2017?

Boos: Ja, dass der Radweg von Greifswald über Levenhagen nach Griebenow endlich gebaut wird. Ich habe deshalb zusammen mit dem Oberbürgermeister Dr. Fassbinder und dem Bürgermeister von Süderholz, Herrn Benkert, gerade wieder, an Infrastrukturminister Christina Pegel geschrieben.

Interview: Eckhard Oberdörfer

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