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Fischsterben: Angeklagte bestreiten Schuld

Anklam/Pasewalk Fischsterben: Angeklagte bestreiten Schuld

Auslaufen von 112 000 Litern Alkohol sei auf eine Verkettung unglücklicher Umstände zurückzuführen

Anklam/Pasewalk. Im Prozess um die Panne in der Bioethanolfabrik Anklam, die ein größeres Fischsterben in der Peene auslöste, rückt der angeklagte frühere Produktionsleiter immer mehr ins Zentrum der Verhandlung. Er ist einer von drei Männern, die sich derzeit vor dem Amtsgericht Pasewalk verantworten müssen. Dem 35-jährigen Ex-Produktionsleiter und zwei 47 und 32 Jahre alten Anlagenfahrern wird fahrlässige Gewässerverunreinigung vorgeworfen.

„Der Produktionsleiter hat sich davon zu überzeugen, dass er die Anlage sicher in Betrieb nehmen kann“, erklärte Matthias Sauer als Geschäftsführer der Zuckerfabrik Anklam, zu der das Ethanolwerk gehört. Er war am Montag als Zeuge vor dem Gericht geladen und sagte aus. Auch für den Probebetrieb, der immer nach Revisionsarbeiten üblich ist, trage der Leiter der Ethanolproduktion die Verantwortung.

Die Angeklagten sollen in unterschiedlicher Weise dafür verantwortlich sein, dass nach der Revision von Sicherheitsventilen vom 28. bis 31. August 2015 mehr als 112000 Liter Alkohol aus Tanks vom Betriebsgelände in den Fluss gelangten. Durch die hohe Alkoholkonzentration verendeten laut Anklage über Tage hinweg rund 18 Tonnen Fisch. Zu Beginn des Unglücks waren nur die toten Tiere sichtbar. Die Ursache für ihr Sterben blieb zunächst unklar. Während der Suche nach dem Auslöser lief der Alkohol weiter aus. Die Hauptursache für den Vorfall waren zwei geöffnete Absperrhähne, einer an einem Tagesproduktionstank und einer an einem Überlaufbecken. Dieses war statt mit der betrieblichen Abwasserreinigung mit einer öffentlichen Regenentwässerung verbunden, was später unterbunden wurde, wie der Geschäftsführer erklärte. „Unklar ist bisher immer noch, wer die Absperrhähne letztlich geöffnet hat“, erklärte Staatsanwältin Heilwig Voß.

Die drei Angeklagten haben bisher eine Schuld bestritten. Nach ihren Angaben soll eine Verkettung unglücklicher Umstände zum Austritt des hochkonzentrierten Alkohols geführt haben. So hatten die Techniker einer Fremdfirma, die die Revision vorgenommen hatte, erklärt, sie hätten den Hahn an dem Produktionstank zum Abschluss ihrer Arbeiten bis zum 24. August geschlossen. Trotzdem war dieser Hahn und ein Deckel dahinter ab dem 28. August offen – bis das Leck am 1. September einem Mitarbeiter auffiel.

Die Zuckerfabrik hat nach der Panne bereits Schadenersatz geleistet, unter anderem an einen Fischer der Region sowie mehrere Besitzer von Angelkarten, wie Sauer sagte. Zudem habe man die Einsetzung mehrerer Tausend Jungaale finanziert. Der Prozess wird am 20. November fortgesetzt. Dann sollen auch die Plädoyers von Anklage und Verteidigung gehalten werden. Ob es auch zu einem Urteil kommt, gilt noch nicht als sicher. Winfried Wagner

OZ

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